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Warum der Euro es doch schafft

Von: A. Bold - 30.12.2011

und die Vision vom Untergang des Euro ein Trugschluss ist



Die meisten Leute kommen nicht durch Spekulation zu Vermögen,
sondern durch richtige Beobachtung langfristiger Trends
.”
Heinz Brestel

Als ich mich entschlossen habe Motorroller zu fahren, bestand eine meiner ersten Schritte in dieser Richtung aus einer gründlichen Internet-Recherche im Hinblick auf die Gebote und Verbote und Empfehlungen für Zweiradfahrer. Ich wollte soviel wie möglich von den Erfahrungen anderer Biker zu profitieren, die ihre Lektionen im Laufe ihrer Fahrpraxis mit dem Motorroller oder Motorrad bereits gelernt hatten. In keinem Fall bestand ich darauf, alle Fehler, die sie schon gemacht hatten, selbst auch noch mal zu machen.

Die beiden wichtigsten Lektionen, die ich seitdem immer im Auge behalten habe, bestand darin, zum einen natürlich immer die Straße unmittelbar voraus im Auge zu haben, da der Zustand der Straße gerade bei Zweirädern entscheidend sein kann für Tod oder Leben im Straßenverkehr. Zum anderen aber auch unbedingt mindestens 50 bis 100 m nach vorne zu schauen, um stets rechtzeitig reagieren zu können auf unter Umständen recht plötzlich auftretende Hindernisse wie Staus, plötzlich ausscherende PKWs und dergleichen und um den weiteren Straßenverlauf absehen zu können.

Mangelndes vorausschauendes Fahren gilt als der größte und schwerwiegendste Fehler bei Bikern. Experten erklären dieses Manko mit evolutionstechnischen Aspekten, da die menschlichen Sinne auf derartig hohe Geschwindigkeiten gar nicht ausgerichtet seien und selbst erfahrene Biker ihren Blick häufig auf die Entfernung knapp vor ihrem Fahrzeug fokussieren würden. Um sich dieses Verhaltensmuster abzugewöhnen bedarf es einigen Trainings. Noch viel mehr Training und vor allem Fahrpraxis braucht es dann aber, um den sogenannten „Fernglasblick“ auch beizubehalten und zur Routine werden zu lassen. Dieser Fernglasblick hilft nicht nur dabei, Hindernisse schneller zu erkennen, sondern interessanterweise hat er auch eine positive Rückwirkung auf das eigene Befinden: Arme und Hände ruhiger, Gleichgewichtssinn geschärft, sensiblere Reaktionen auf Bewegungen des Motorrads.

Nun werden Sie sich fragen, was haben diese Einblicke in das Biker-Universum mit Finanzen und Wirtschaft zu tun. Dazu ist zu sagen, dass die obigen Spielregeln grundsätzlich in allen Bereichen des Lebens Gültigkeit haben, auch im Bereich von Finanzen und Wirtschaft. Und ganz speziell die Euro-/Schuldenkrise bietet sich hervorragend an, um die Regel des Fernglasblicks darauf anzuwenden.

Krisen und schwierige Zeiten haben es an sich, Aufmerksamkeitseinheiten zu binden, und zwar in einer Art und Weise, dass der so Betroffene vor lauter Bäumen den Wald bzw. die Straße vor sich nicht mehr sieht. Alle diejenigen, die nur bis zum äußersten Rand ihres Vorderreifens schauen und alle ihre Sinne auf diesen einen Punkt fokussieren, sind verloren, und zwar einfach deshalb, weil sie nicht sehen, was auf sie zukommt. All die großartigen Fähigkeiten, die diese Menschen sonst noch haben mögen, werden einen Zusammenbruch der einen oder anderen Art auf Dauer nicht verhindern können.

Anders diejenigen, die ihre Augen offen und ihren Blick klar nach vorn gerichtet halten. Sie werden nicht nur die Kehrtwende vor sich wahrnehmen, sondern auch ausmachen können, dass diese Kehrtwende beileibe nicht der Untergang des Euro ist.

Der Euro - nach dem US-Dollar immerhin die wichtigste Reservewährung der Welt - wird bestehen bleiben und jedermann mit Fernglasblick wird das auch sehen können. Wer sich jedoch von all dem Krisen-Schulden-Eurountergang-Gerede derart zumüllen lässt, dass er nur noch maximal seinen Vorderreifen sieht und sich deshalb dazu verleiten lässt, auf den Untergang des Euro zu wetten, sollte besser noch einmal ganz tief in sich gehen.

Es wird dem Euro auch gar nichts anderes übrig bleiben als letztlich gestärkt aus dieser Krise hervorzukommen, und zwar trotz der in vielen Medien publizierten und propagierten Weltuntergangsstimmung, die heutzutage fester Bestandteil der Mainstream Publikationen geworden zu sein scheint.

Vielleicht überrascht es Sie jetzt, vielleicht aber auch nicht. Es gibt einen Garanten für das Überleben des Euro: Deutschland.

Allein schon der Umstand, dass seit der Einführung des Euro bei Importen nach und Exporten aus Deutschland die Kosten für die Währungsumstellung wegfielen, hatte einen belebenden Effekt auf die deutsche Wirtschaft. Desgleich sorgte die Einheitswährung für beträchtlich effizientere Produktions- und Verkaufsabläufe. Doch vor allem deutsche Exporte konnten dank des Euro ganz markant zulegen.

Zur Erinnerung: Pünktlich am 1. Januar 1999 wurde der Euro zunächst als Buchgeld eingeführt, drei Jahre später, am 1. Januar 2002, kam er dann als offizielles Zahlungsmittel in Umlauf.

Folgende Zahlen belegen, wie sehr die deutsche Wirtschaft von diesem neuen Zahlungsmittel Euro profitiert hat:


Zunahme deutscher Exporte
Anfang der 90-er Jahre:  
circa 3%
1999 und 2003:circa 6%
2003 und 2007:circa 9%

   

Wirtschaftswissenschaftler gehen davon aus, dass die deutschen Exporte im laufenden Jahr 2011 zum ersten Mal 1 Billion € übersteigen werden, also mehr als ein Drittel des BIP.

Angesichts der Hunderte von Milliarden Euro, die die deutsche Wirtschaft seit Einführung des Euro zugelegt hat, muss man kein Genie sein, um sich auszurechnen, dass die Handel und Industrie in Deutschland alles daran setzen werden, um sich diesen Handelsvorteil zu bewahren.

Aus dieser Perspektive stellt sich somit die Frage gar nicht erst, Euro ja oder nein. Ebenso könnten Sie fragen, will ich Gewinne machen, ja oder nein. Gewinnen ist die einzige Option. Es bleibt also nur der Schritt nach vorne. Wie so häufig in der Wirtschaft gilt auch in Bezug auf den Euro die Regel, die Bernd Baruch so treffend auf den Punkt gebracht hat:

Bären machen Schlagzeilen,
Bullen machen Geld
.”

Natürlich wird das nicht einfach sein, das steht außer Frage. Und mit Sicherheit wird es noch einige schmerzhafte Phasen geben, bis Deutschland und die gesamte Eurozone zu einem Konsens gelangt sind, der das Kuddelmuddel beendet und mit dem alle – mehr oder weniger gut - leben können. Doch bedenken Sie

"Die langfristige Sicht erfordert Geduld."
Sir John Templeton

Wundern Sie sich nicht, wenn das Verhältnis Euro/US-Dollar (momentaner eingependelter Stand bei 1,29 USD) vorübergehend gleichzieht mit dem US-Dollar und ihn dann schließlich wieder abhängt und sich erneut auf sein altes Niveau bei 1,60 USD durchkämpft.

Der Euro wird noch lange unter uns weilen. Lassen Sie sich also von der Protagonisten des Weltuntergangs oder zumindest Euro-Untergangs nicht das Hirn vernebeln. Denken Sie stattdessen an die Buffett-Weisheit:

"Seien Sie besorgt, wenn andere gierig sind,
und seien Sie gierig, wenn andere besorgt sind
".
Warren Buffett

Der Zeitpunkt wird kommen, wo die nächste Kehrtwendung auf der Straße nahe heranrückt und auch die Vertreter der düstersten Prognosen hinsichtlich des Euro zu der Einsicht gelangen, dass sie sich geirrt haben. Die neugewonnene Attraktivität des Euro wird dann dafür sorgen, dass er gegen den Dollar steigt. Für alle diejenigen, die frühzeitig und richtig auf den Euro gewettet und ihr Geld in Euro statt in US-Dollar angelegt haben, heißt das, sie werden beträchtliche Gewinne mitnehmen können.


Legen Sie sich also einen Fernglasblick zu und behalten Sie ihn bei.

Gutes Investieren!


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