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Aktien laut Goldman stark im Kommen – und der Haken?

Von: A. Bold - 27.03.2012
Gewinn oder Verlust? - Birgit H / pixelio.de

Gewinn oder Verlust? - Birgit H / pixelio.de

Goldman Sachs - international tätiger Finanzdienstleister mit den Spezialbereichen Investmentbanking und Wertpapierhandel - ist jetzt (21. März) mit einem 40-seitigen Strategiepapier herausgekommen mit dem Titel "The Long Good Buy: The Case of Equities" (unter diesem Link als PDF-Download erhältlich), in dem sie sich überaus bullisch geben im Hinblick auf Aktien, die sie als eine generationenübergreifende Kaufgelegenheit präsentieren, denn jetzt würden sie überhaupt erst richtig an Auftrieb gewinnen.

Die Autoren Peter Oppenheimer und Matthieu Walterspiler aus dem Ressort Portfolio Strategy Research bei Goldman Sachs International leiten ihren Report mit folgenden Thesen ein:

"Nach mehr als einem Jahrzehnt der Abwertung impliziert die Bewertung von Aktien einen unrealistisch starken Rückgang bei der weiteren Entwicklung von Wachstum und Gewinnen der Unternehmen.

Auch wenn das Wirtschaftswachstum in vielen Teilen der Welt möglicherweise niedriger ausfallen wird als während des vergangenen Jahrzehnts, gehen wir davon aus, dass sich dies in den aktuellen Bewertungen bereits deutlich niedergeschlagen hat.“

Und sie stellen fest, dass ‚künftige Erträge aus Aktien stark geprägt würden von der Marktbewertung. Zudem würde die Aussicht auf einen Rückgang der Risikoprämien die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Aktien sich im Laufe der nächsten Jahre auf einen konstanten Aufwärtstrend begeben würden. Die ex-post-Risikoprämien von Aktien seien auffallend niedrig ausgefallen in den letzten Jahren. Die auf das Jahr umgerechneten relativen Erträge über zehn und 20 Jahre hätten sich seit über einem Jahrhundert auf dem niedrigsten Niveau befunden. Die Aussichten für künftige Gewinne mit Aktien im Vergleich zum Investment in Obligationen seien so gut wie seit einer Generation nicht mehr.‘

Soweit die Grundthesen der Experten von Goldman Sachs gleich in ihrer Einleitung. Auf Seite 3 ihres Berichts erläutern sie dann die Anspielung in dem Titel ihres Berichts:

"Given current valuations, we think its time to say a ‘long good bye’ to bonds, and embrace the ’long good buy’ for equities as we expect them to embark on an upward trend over the next few years", frei übersetzt in etwa: "Angesichts der aktuellen Bewertungen meinen wir, dass es an der Zeit ist, sich für längere Zeit von Anleihen zu verabschieden und sich für geraume Zeit den Aktien zuzuwenden, da wir davon ausgehen, dass Aktien sich für die nächsten Jahre auf einem Aufwärtstrend befinden werden."

Was bedeutet das denn nun für uns Privatanleger? Nun, zum einen gilt natürlich immer der weise Spruch „Trau, schau, wem!“ Und es versteht sich von selbst, dass ein Unternehmen wie Goldman Sachs auch ein Eigeninteresse daran hat, seine Produkte zu vermarkten. Doch angenommen, die Experten von Goldman Sachs haben Recht mit ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Lage: Sollen wir jetzt unsere Anleihen abstoßen und uns voll eindecken mit Aktien?

Um Himmels willen, nein, so brächten Sie sich nur in Teufels Küche. Angesichts der niedrigen Erträge für Obligationen versteht es sich von selbst, dass Aktien langfristig gesehen in jedem Fall ein besserer Kauf sind als Obligationen.

Doch es gibt noch einen Aspekt, den es hier zu berücksichtigen gilt und der in dem Goldman Bericht nicht angesprochen wird, nämlich der Faktor Zeit.

Zeit ist, wie wir alle wissen, eh schon ein relativer Begriff, in jedem Alter für jeden von uns. Mit zunehmendem Alter bekommt jedoch die verbleibende Lebensspanne noch eine ganz andere Gewichtung. Und das Halten von Aktien „auf lange Sicht“ sieht aus der Perspektive eines 30-jährigen ganz anders aus als es sich für einen Anleger in seinen „besten Jahren“ als 60-jähriger oder 70-jähriger gestaltet.

Fluktuationen des Marktgeschehens lassen sich aber nie ausschließen, sie gehören einfach dazu wie Flut und Ebbe zusammengehören. Stellen Sie sich nun einmal vor, sie wollen sich als Rentner endlich etwas gönnen, doch gerade da ist der Markt in das Schlimmstfall-Szenario, eine Double-Dip Rezession, hineingetrudelt, und der Wert Ihrer Aktien ist in Nullkommanix zusammengeschrumpft. Wenn Sie dann Ihr gesamtes Vermögen in Aktien angelegt hätten, wären Sie jetzt schlimm dran, denn Sie hätten nahezu alles verloren und in diesem Alter womöglich nicht mehr ausreichend zeitlichen Spielraum, um die Verluste wieder aufzuholen. Deshalb sollten Sie diesen Spielraum für mögliche Verluste immer im Auge behalten.

Noch eine interessante Anmerkung ist, wie die Märkte auf diese Goldman Analyse reagiert haben. Nach diesem engagierten Bekenntnis zum Auftrieb der Aktien hätte man meinen können, dass der Markt mit einem ordentlichen Aufschwung reagiert. Doch davon war nichts zu spüren. Spürbar war stattdessen der Einfluss von China beziehungsweise Befürchtungen, die chinesische Wirtschaft könne sich womöglich stärker verlangsamen, als bislang zu erwarten stand. Eine Verlangsamung des BIP-Wachstums auf unter 7,5% werden die Märkte verkraften können. Bedenklich wird es, sollte das Wachstum des chinesischen BIP in kurzer Zeit auf 5% oder tiefer fallen. Dann könnte es zu einem Zusammenbruch der globalen Märkte kommen.

Und spätestens dann werden Sie es zu schätzen wissen, wenn Sie nicht Ihr gesamtes Vermögen auf Aktien gesetzt haben.

Gutes Investieren!


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Bildquelle:
Gewinn oder Verlust? - BirgitH / pixelio.de


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