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Und der Dollar stirbt doch!

Von: R. Radan - 13.05.2011
Geldvernichtung_1 - Rainer Sturm / pixelio.de

Geldvernichtung_1 - Rainer Sturm / pixelio.de

Ist es möglich, tatsächlich zu bärisch hinsichtlich des US-Dollars zu sein? Vielleicht handelt es sich dabei ja nur um Miesepetereiei, darum, aus Prinzip nur das halb leere Glas zu sehen? Vielleicht sind ja all die düsteren Prognosen nur Ausdruck tief depressiv veranlagter Menschen, die im Laufe der Jahre all ihre Fähigkeit eingebüßt haben, die Realität zu erkennen, und jeden Optimismus prinzipiell als Traumtänzerei abtun?

Und sicher gibt es genügend Analysten, die die Position vertreten, so schlimm stünde es gar nicht um den US-Dollar, woraufhin der Silberpreis prompt mit einem beachtlichen Rückgang reagiert. So ist heute Mittag in der Financial Times Deutschland zu lesen:

Silber bleibt verrückt

Seit dem Anstieg auf fast 50 Dollar sind die Notierungen für das Edelmetall auf Zickzackkurs. Ein Grund sind Schritte der Börsen gegen Spekulanten. Zum Wochenschluss setzt eine Erholung ein - nach einem Einbruch um bis zu sieben Prozent am Vortag...

Auch die sogenannten CASSH Währungen, also die Währungen von Kanada, Australien, der Schweiz, Singapur und Hongkong, die sich in der Regel als „härter“ hervortun, haben reagiert und sind gegenüber dem US-Dollar geringfügig, aber doch gefallen.

Doch so einfach sollten wir dieses Thema nicht abtun, denn das könnte uns eines Tages teuer zu stehen kommen.

Als Trader und Investor bewegen Sie sich auf unterschiedlichen Ebenen, und es ist sehr wichtig für Sie und die Absicherung Ihres Vermögens, dass Sie sich dessen stets bewusst sind: Sie haben einerseits zu tun mit einer Menge Lärm, also all den Preis- und Volumenschwankungen auf dem Markt, die kurzfristig das Marktgeschehen bestimmen, sowie andererseits mit der mittel- bis langfristig ausgerichteten eigenen Interpretation der Marktrichtung. Und Sie tun gut daran, sich bei diesen unterschiedlichen Perspektiven nicht durcheinanderbringen zu lassen. Jede dieser Perspektiven verlangt dem Analysten ganz eigene Fähigkeiten ab. Und nicht alle Analysten sind gleichmäßig mit all diesen Fähigkeiten gesegnet. Ein exzellenter Analyst für kurzfristige Marktbewegungen kann dennoch bei seiner Einschätzung der langfristigen Entwicklung sehr schief liegen, wie auch umgekehrt ein exzellenter Analyst für langfristige Trends bei seinen kurzfristigen Voraussagen scheitern kann.

Meines Erachtens spricht sehr viel für die langfristige Prognose Porter Stansberrys, der diese Woche erklärte:

Leider bleibe ich ein Dollar-Bär. Ich würde US-Dollars nicht freiwillig besitzen oder sparen, nur ich muss, um in der amerikanischen Wirtschaft zu funktionieren. Ich ziehe weiterhin Gold und gesunde Fremdwährungen dem US-Dollar vor, trotz der Silberkorrektur in dieser Woche. Also empfehle ich Investoren weiterhin, regelmäßig Gold und Silber zu kaufen und die Edelmetalle zu halten, die sie besitzen...

Ich habe in 2004 angefangen, regelmäßig Gold zu kaufen, und habe nie eine einzelne Unze verkauft. Ich bin weiterhin überzeugt, dass sich Gold, Silber und bestimmte Fremdwährungen als ein "Rettungsboot" für Amerikaner erweisen werden...

Er stützt seine Prognose auf die Ereignisse im Zuge der Finanzkrise vom Herbst 2008, als er beobachten musste, wie die US-Regierung begann, das Finanzsystem mittels Sicherheitsleistungen vor dem totalen Kollaps zu retten, sowie auf die feste Überzeugung, dass kein auf Papierwährung aufgebautes System sich auf Dauer wird halten können. „Den US-Papierdollar-Standard gibt es schon seit 40 Jahren. Er ist sicher in die Jahre gekommen … und wird ziemlich altersschwach.“

Seine Lösung für sich als Amerikaner, um sich vor der Krise zu schützen und optimalerweise sogar davon zu profitieren, selbst wenn der Fall eintreten sollte und das Dollarsystem zusammenbricht, beinhaltet zwei Optionen:

Diese Strategie basiert auf seiner These:

„Die US-Regierung macht sich selbst bankrott, indem sie versucht, die Wall Street mittels Bailout zu entschulden, indem sie enorme fiskalische Defizite führt, ohne die unsere Wirtschaft nicht funktionieren würde.

Diese absurde Finanzpolitik (jährliche Defizite von ungefähr 10% des BIP) wird schließlich zu einem Zusammenbruch im US-Rentenmarkt und einer Rückkehr zu Gold-unterstützten Währungen in der ganzen Welt führen. Genau das meine ich, wenn ich über das "Ende Amerikas" spreche. [siehe auch unser Artikel Das drohende Aus für den US-Dollar]. Es ist das Ende des US-Dollars als die Reservewährung in der Welt. Es ist das Ende dieser Periode der Geschichte, als die Finanzmacht der US-Regierung unbegrenzt schien.“

Stansberry propagiert seine These bereits seit 2008, immer gestützt von der Entwicklung des Marktes. Er belegt diese Entwicklung mit Hilfe von zwei Charts. Das erste Chart demonstriert den sich bereits abzeichnenden Trend eines immer schwächer werdenden Rentenmarktes bei gleichzeitigem Erstarken der Goldpreise im Laufe der letzten beiden Jahre, als die US-Notenbank ungefähr 70% aller Schatzamtsausgaben gekauft hat, um mit dieser sogenannten "quantitativen Lockerung" (QE) – was dem Drucken neuen Geldes gleichkommt – den Rentenmarkt zu stützen.

Im Laufe der letzten drei Monate zeigt sich jedoch, dass der Abstand zwischen Schatzanweisungen einerseits und Gold andererseits enger zu werden beginnt.

Aber wie lässt es sich erklären, dass sich Investoren jetzt anscheinend lieber an die US-Rentenpapiere halten als an Gold? Und das, nachdem der US-Dollar bereits eine Talfahrt hinter sich hat und die Goldpreise in die Höhe geklettert sind?

Nun, Stansberry geht davon aus, dass dies keinesfalls so zu verstehen ist, als hätten sich all die Probleme der Vergangenheit inzwischen wie durch ein Wunder in Luft aufgelöst. Keineswegs, im Gegenteil, sie sind eher schlimmer geworden.

Seine Grundüberlegung:

Der Hauptantrieb dieser Marktbewegungen ist immer die Federal Reserve gewesen. Ihre Handlungen stecken den Goldmarkt in Brand. Ihr Geld-Drucken trieb Investoren in Alternativen wie Gold und Silber.

Die Fed hat bekannt gegeben, dass sie ihre Druckkampagne per dem 30. Juni 2011 beenden wird. Bernanke sagt, das sei das Ende von "QE2" [zweite Phase der quantitativen Lockerung]. Dies beinhaltet, dass der Rentenmarkt ab diesem Datum alleine wird klarkommen müssen, die große Inflation wird aufhören und vielleicht sogar eine Umkehrung erfahren. In Voraussicht dieser Bewegungen hat der Markt begonnen zu handeln.“

Und so gelangt er zu der Schlussfolgerung, dass es durchaus sein kann, dass der US-Dollar sich erholt oder Waren im Laufe der nächsten sechs Wochen fallen. Und seine Empfehlung an die Investoren, entweder ihre Wertpapierbestände mit kurzen Positionen abzusichern, oder, falls ihnen dies nicht möglich ist oder aus irgendeinem sonstigen Grunde nicht infrage kommt, dann doch 50% Gold und 50% kurzfristige US-Schatzanweisungen zu besitzen. „Meiner Ansicht nach ist das der einzige Weg, ganz auf "Bargeld" zu gehen.“

Seiner Ansicht nach haben wir es trotz der obigen Aussage von Bernanke über das Ende der quantitativen Lockerung nur mit einer Pause zu tun, die jedoch spätestens im kommendem Jahr – immerhin einem Wahljahr in den USA – ihr Ende finden dürfte mit einem erneuten in Gang setzen der Druckerpressen.

Er stützt seine Prognose zudem auf seine in langjähriger Erfahrung gewonnene Einschätzung seiner Mitbürger, dass die amerikanische Bevölkerung eine Ausgabenkürzung in keinem Fall mitmachen würde – und zwar unabhängig davon, wer im kommenden Jahr die Wahlen gewinnt.

Fazit

Ich bleibe so überzeugt wie immer, dass unser Land einer fiskalischen Katastrophe gegenübersteht anders als alles, was wir jemals vorher erfahren haben. Das Ausmaß der Preisinflation (die der verzögerte Einfluss der Geldinflation ist, die wir seit 2008 erlebt haben) wird jedermanns größte Vorhersage übersteigen.“

Also bleibt er zwischenzeitlich eintretender Marktkorrekturen voller Überzeugung ein “Dollar-Bär“. „Diese Marktbewegungen sind Gelegenheiten zu kaufen, nicht verpasste Gelegenheiten zu verkaufen.“

Die Prognose langfristiger Trends ist seine absolute Spezialität. Deshalb sollte es sich jeder Investor gründlich durch den Kopf gehen lassen, wenn er sagt:

Ich glaube, dass der Bankrott der US-Regierung unvermeidlich ist. Ich glaube, dass es der größte und potenziell wertvollste Trend meiner kompletten Karriere sein wird. Und ich will sicherstellen, dass ich alles tue, was ich kann, um bei diesem Trend zu bleiben, bis er wirklich vorbei ist...

An einem Punkt wird der Baissemarkt beim US-Dollar vorbei sein. Ich glaube, wir werden wissen, dass er zu Ende ist, wenn das US-Finanzministerium eine neue Form des US-Dollars bekannt gibt – eine, die irgendwie durch Gold gestützt wird. Selbst wenn ich mich darin irre (und ich gebe zu, es scheint sicher unglaubwürdig), würde ich nicht empfehlen, dass irgendjemand unabgesicherte US-Dollars hält, bis das Schatzamt einen realen Ertrag auf seinen Obligationen anbietet. Gemäß den besten Zahlen, die ich gesehen habe, würde das kurzfristige Schatzwechsel-Zinssätze von mindestens 5% beinhalten.“

Stansberry ist ausreichend vertraut mit seinem Business, um zu wissen, wie schwer es den meisten Investoren fällt, sich an einen Trend zu halten, insbesondere wenn alles dagegen zu sprechen scheint. „Es ist nicht aufregend. Sie haben nicht häufig "Recht". Aber nach meiner Erfahrung ist das, was wirklich zählt, nicht, wie oft Sie "Recht" haben. Was zählt ist, wie wenige Male Sie sich irren. Ich minimiere meinen Trading, um meine Fehler zu minimieren.“

Also behalten Sie Ihre langfristige Ausrichtung im Auge und bleiben Sie wachsam!


Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Das Geld der Zukunft: Über die zerstörerische Wirkung unseres Geldsystems und Alternativen hierzu


Eine weitere Empfehlung:

Das Schein-Geld-System: Wie der Staat unser Geld zerstört


Eine weitere Empfehlung:

Das Greenspan-Dossier (Börse Online edition): Alan und seine Jünger: Die Bilanz einer Ära. Wie die US-Notenbank das Weltwährungssystem gefährdet


Eine weitere Empfehlung:

Freiheit durch Gold: Sklavenaufstand im Weltreich der Papiergeldkönige



Bildquelle:
Geldvernichtung_1 - Rainer Sturm / pixelio.de


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