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Das Geheimnis sicherer Aktiengewinne – die Sprungfeder

Von: A. Bold - 19.01.2011
Ölbohrinsel - Nestor Galina
http://www.flickr.com/photos/nestorgalina/1183398268/

Ölbohrinsel - Nestor Galina

Falls Sie bislang geglaubt haben, es bedürfe einer Menge Engagement in Form von Zeit und Geld, um zu bewirken, dass sich eine Aktie von einem sehr schlimmen Zustand in einen weniger schlimmen Zustand bewegt, dann seien Sie jetzt eines Besseren belehrt.

Denn es gibt ein Geheimnis beim Trading mit Aktien, und dieses Geheimnis hat sich jetzt im Ressourcen Sektor bewahrheitet. Alles, was es brauchte, war etwas Werbung und ein Preis von 90 $ pro Barrel Öl, und die schon beinahe tot geglaubte Aktie stieg. Worum genau geht es hier?

„Eine Katastrophe sondergleichen: Am 20. April 2010 explodiert im Golf von Mexico die Ölbohrplattform Deepwater Horizon und sinkt zwei Tage später. Seitdem strömt nahezu ungehindert Rohöl in das Meer: 800.000 Liter täglich!“ [Siehe auch unser Artikel Überreaktion des Marktes - eine kommende Gelegenheit]. Nach dieser Katastrophe der Ölbohrplattform wird die Aktie von Ensco (ESV) (Dienstleistungen für Offshore-Bohrungen) nur noch für ungefähr 40 $ gehandelt. Für so manchen Investor Grund genug, von einem solchen Investment die Hände zu lassen.

Nicht so der hervorragende Investor David Einhorn. Falls Ihnen dieser Name nichts sagt: Einhorn - Jahrgang 1968 und mit seiner Familie ansässig im Staat New York - ist Gründer und Präsident der Investmentfirma Greenlight Capital. Bekannt geworden ist er vor allem Sommer 2008, als er als erster Lehman Brothers vorwarf, sie hätten ihre Bilanz mit Scheingewinnen aufgehübscht. Und es brauchte dann nur vier Monate bis zum Kollaps der Investmentbank: im September 2008 musste sie Insolvenz anmelden. Einhorns Spezialität ist das Short Selling, also eine Form der Börsenspekulation; er leiht Aktien für einen gewissen Zeitraum und verkauft sie wieder, mit der Absicht, sie später zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen.

Nun zurück zu Ensco. Nach der Katastrophe von BP im Golf von Mexiko wurde der komplette Sektor der Offshore-Ölbohrungen stark dezimiert. Sogar Bohrgesellschaften, die nicht unmittelbar dem US-Bohrmarkt ausgesetzt waren, mussten an die 33% ihres Marktwertes aufgeben, manche verloren sogar mehr als 50% ihres Marktwertes.

Der durchschnittliche Investor konnte den Gedanken nicht ertragen, Aktien einer derart risikobehafteten Gesellschaft wie Ensco zu besitzen. Die meisten Menschen waren der festen Überzeugung, dass es für den Sektor nicht noch schlimmer werden könnte. Einhorn ließ sich davon nicht beeindrucken, sondern machte sich stattdessen den stattfindenden Sell-off zunutze und erwarb 5,2% Anteil an Ensco.

Und nun schauen Sie sich die Aktie an:



Das große Geheimnis des Trading mit Aktien

Wenn Sie als Investor Aussagen hören wie "es kann nicht noch schlimmer werden", sollten bei Ihnen die Alarmglocken schrillen. Sie sollten es als Weckruf betrachten und sich bereit machen zu kaufen. Denn sehen Sie, wenn etwas nicht noch schlimmer werden kann, kann es sich nur erholen. Und genau das hat der Contrarian Einhorn in Bezug auf Ensco im letzten Sommer erkannt.

Die Entwicklung im Bohrsektor ist von "schlimm zu weniger schlimm" verlaufen. Wenn man nur nach der Berichterstattung in den Medien gegangen wäre, hätte man meinen können, dass mit dem Deepwater Horizon Unfall im Golf von Mexiko das Schicksal der Offshore-Ölbohrungen ein für alle Mal besiegelt war. Doch in der Tat waren die wirtschaftlichen Folgen dieses Unfalls nicht annähernd so schrecklich, wie die Presse es den aufmerksamen Beobachter befürchten ließ. Rohöl ist von den 75 $ pro Barrel auf 90 $ pro Barrel geklettert. Und Ensco ist seit dem Juli 35% gestiegen …

Diese Geschichte illustriert das große Geheimnis des Trading mit Aktien. Nach einer einschneidenden Krise machen Sie die großen Gewinne nicht dann, wenn die guten Nachrichten ihre Runde machen durch die Finanzmedien. Nein, das ist viel zu spät. Sie machen die Gewinne in der Phase, wenn es so schlimm ausschaut, dass die meisten Menschen glauben, „es kann nicht noch schlimmer werden“: Die Aktien des scheinbar am Boden liegenden Unternehmens werden lächerlich preiswert. Das Risiko wird sozusagen aus dem Markt "ausgewrungen".

Stellen Sie sich eine mit voller Kraft zusammengepresste Sprungfeder vor. Und jetzt stellen Sie sich vor, diese Feder wird freigelassen. Dann haben Sie das Bild einer Aktie, die trotz großartiger Grundlagen nach unten gedrückt wurde und dann bei einer Verbesserung der Umstände wieder nach oben schießt.

Diese nach unten gedrückten Sprungfedern sind Ihr Garant für Gewinn. Deshalb können Sie die guten Nachrichten in den Medien außer Acht lassen.

Orientieren Sie sich stattdessen am Preis und Wert einer Aktie. Finden Sie jedoch eine verschmähte Aktie mit einem großen inneren Wert, dann haben Sie Ihre Sprungfeder und müssen bei Ihrem Trading jetzt nur noch abwarten, dass sich der Trend umkehrt.

Gutes Trading!


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Bildquellen:
Anreißer: Ölbohrinsel - Nestor Galina
www.flickr.com/photos/nestorgalina/1183398268/


im Text:
Sprungfeder - Jean-Jacques MILAN  / Wikipedia


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