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Chindia - Das große Geschäft mit dem Öl

Von: M. Rapp - 18.11.2010
Ein Ölbohrturm in Texas - Flcelloguy / en.wikipedia

Ein Ölbohrturm in Texas - Flcelloguy / en.wikipedia

Das neue Schlagwort heißt? „Chindien“!

„Chindien“ (englisch „Chindia“) ist die neue Wortschöpfung kreativer Journalisten, um die Kombination der beiden Nationen China und Indien zu beschreiben. [Einen lesenswerten Aufsatz über die führenden Köpfe dieser beiden Nationen finden Sie übrigens in dem Aufsatz im SPIEGEL ONLINE 16/2010 mit dem Titel „Chimerika? Chindia! Die Welt sortiert sich neu - Verlierer ist der Westen“.]

Tatsächlich rückt „Chindien“ immer mehr ins Blickfeld, das gilt ganz besonders im Energiesektor. Die Internationale Energieagentur (International Energy Agency - IEA) hat sich der Erforschung, Entwicklung, Markteinführung und Anwendung von Energietechnologien verschrieben. Bereits Ende Oktober 2007 zeigte sich die IEA anlässlich einer Energiekonferenz in London besorgt über die künftige Versorgung mit Öl. Direktor Tanaka erklärte: „Den seit fünf Jahren hohen Ölpreisen zum Trotz wird die Marktverknappung [an Öl] von 2009 an tatsächlich zunehmen. Neue Reservenergänzungen werden mit dem Förderrückgang in den derzeit ausgebeuteten Ölfeldern und mit dem zu erwartenden Anstieg der Nachfrage nicht Schritt halten.“

Einer erneuten Hochrechnung der IEA zufolge steht zu erwarten, dass die weltweite Nachfrage nach Öl in den nächsten 25 Jahren um 36% zunehmen wird. Der aktuelle Bedarf lässt jedoch auf einen Überfluss schließen. Woher soll die erhöhte Nachfrage also kommen? Und genau hier kommt „Chindien“ ins Spiel.

Dem nachfolgenden Diagramm können Sie die täglichen Ölimporte von China und Indien seit 1990 entnehmen:

Schauen Sie sich diese bemerkenswerte Steigerung der Ölimporte an. Beachtlich ist hierbei nicht nur die absolute Menge der Barrels pro Tag, sondern vor allem die Wachstumsrate. Denn wenn die Entwicklung in dieser Geschwindigkeit anhält und auf globaler Ebene nichts geschieht, um diesem Trend gegenzusteuern, dann hat das in jedem Fall eine Auswirkung: Öl wird noch erheblich teurer werden.

Für China konnte jahrzehntelang mit seinen inländischen Ölvorkommen auskommen. Erst 1993 sah sich diese riesige Nation vor die Notwendigkeit gestellt, Öl zu importieren, auch wenn der Großteil seines Energiebedarfs nach wie vor aus der Kohle gewonnen wird, die etwa 70 Prozent des gesamten Energiebedarfs abdeckt. Mit dem Wirtschaftswachstum stieg auch der Energiebedarf, was in einer Steigerung der Ölimporte von durchschnittlich 26% pro Jahr resultierte.

Zum Vergleich: Die USA mussten 1965 22% ihres Bedarfs durch Importe decken. Erst 1993 – also nach 27 Jahren - war es dann soweit, dass 50% durch Importe abgedeckt werden mussten.

China, das bevölkerungsreichste Land der Erde, erreichte diese Spanne nach gerade einmal neun Jahren. Zunächst betrug die jährliche Steigerung nur 7%. Seit dem Jahr 2000 war jedoch eine eklatante Steigerung zu beobachten, nämlich 16% pro Jahr. Heute beläuft sich der Prozentsatz von Chinas Bedarf an Ölimporten bereits auf 54%.

Indien, das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde, muss seinen Ölbedarf seit 2000 mit einer Steigerung von 6% pro Jahr über Importe decken. Importe sichern heute 76% seines gesamten Ölverbrauchs ab.

Wenn wir diese Tendenzen der beiden Supernationen China und Indien auf die nächsten zehn Jahre hochrechnen, kommen wir auf einen Ölverbrauch von 30% der prognostizierten weltweiten Erdölgewinnung. Damit bleiben 70% für all die anderen Nationen auf diesem Planeten, was nicht gerade viel ist. Und die Neugewinnung von Öl reicht beileibe nicht aus, um deren Bedarf zu decken.

China unternimmt gewaltige Anstrengungen, um auch seinen künftigen Energienachschub sicherzustellen. So haben die drei chinesischen nationalen Ölfirmen (National Oil Companies - NOCs) seit 2009 mehr als 30 Milliarden $ für Anschaffungen von Anlagen und Aufkäufe von Gesellschaften ausgegeben. Zudem erzeugen sie bereits mehr als 1 Million Barrels Öl pro Tag außerhalb Chinas. Die chinesische Export-Import Bank hat dem ölreichen Ghana 10,4 Milliarden $ Darlehen gewährt für Infrastruktur-Projekte. Parallel dazu gewährte die China Development Bank dem Land 3 Milliarden $ Darlehen für die Öl- und Gasentwicklung. Darüber hinaus will China aber auch vermehrt auf erneuerbare Energien setzen.

Indiens nationale Ölfirma hat 2008 angekündigt, sie würde 52 Milliarden $  in Öl- und Gasprojekte zuhause und auswärts investieren. Eine private indische Ölfirma, Reliance Infrastructure Ltd. mit Firmensitz in Mumbai, hat erst kürzlich Milliarden Dollars für Joint Venture-Projekte in den Vereinigten Staaten ausgeben.

Wie Sie sehen, bereiten sich beide Länder auf die Zukunft vor. Investoren bietet sich hier also eine einladende gigantische Spielwiese, um von diesen Trends zu profitieren.

Gutes Investieren!


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Bildquelle:
Ein Ölbohrturm in Texas - Flcelloguy / en.wikipedia


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