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US-Dollar – trügerische Beruhigung

Von: A. Bold - 02.03.2011
Dollars - ClipDealer

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Die Geschichte des US-Dollar als Einheitswährung und gesetzliches Zahlungsmittel nicht nur der USA, sondern auch vieler anderer Länder könnte eine Wende nehmen.

Das drohende Ende des US-Dollars ist besonders seit 2008 ein immer wiederkehrendes Thema in den Finanz- und Wirtschaftsmedien gewesen. Aber es gibt auch immer wieder beruhigende Meldungen, wie diese gestern bei Reuters veröffentlichte Nachricht. Unter dem Titel Bernankes Konjunktur-Optimismus schiebt Dollar an war dort nämlich gestern nachzulesen:

Optimistische Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke zur amerikanischen Konjunktur haben am Dienstag den Dollar in die Höhe getrieben.

Der Dollar-Index, der einen Korb von sechs großen Währungen abbildet, legte nach der Rede des Chefs der Federal Reserve  deutlich auf 76,93 Punkte zu. Euro und britisches Pfund gaben zur US-Währung einen Großteil ihrer zuvor verzeichneten Gewinne ab und notierten nur wenig verändert zum Vortagesschluss.

Bernanke gab zwar keine Hinweise darauf, wann die lockere Geldpolitik zurückgefahren werden könnte, bezeichnete die Erholung der US-Wirtschaft aber als mittlerweile selbsttragend. Die Gefahr einer Deflation sei zu vernachlässigen. "Insgesamt ist der Ton ausgeglichen, aber es macht Mut, dass das Risiko einer Deflation nachlässt", sagte Omer Esinger, Analyst bei Commonwealth Foreign Exchange. Das sei eine der wichtigsten Bedingungen, damit die Fed ihre lockere Geldpolitik zurückfahre.“

Bei soviel Beruhigung könnte man geradezu in einen tiefen Schlaf fallen. Umso mehr scheint Wachsamkeit geboten und umso mehr sollten wir unsere Sinne schärfen und ein Gespür entwickeln für jegliche Veränderungen in den zahlreichen Strömungen, die unser globales Marktgefüge ausmachen.

In diesem Zusammenhang gibt es einen interessanten Hinweis von Börsenexperte und Analyst Dr. Steve Sjuggerud [gesprochen: Schuggar-Ruud], der meines Erachtens Beachtung verdient. Sjuggerud lenkt unsere Aufmerksamkeit auf eine Veränderung beim US-Dollar in den vergangenen Wochen, und zwar nicht im Hinblick auf seine Farben, neue Wertpapier-Merkmale oder dergleichen, sondern etwas weitaus Bedeutsameres. Es geht schlichtweg um die Rolle des US-Dollars in der globalen Marktwirtschaft:

Sehen Sie, in der Vergangenheit ist es zweifelsohne der US-Dollar gewesen, zu dem das Große Geld in einer Krise hingelaufen ist. Immer.

Immer, d. h. bis zu dieser letzten Krise im Nahen Osten. In dieser Krise ist der Dollar unten.“

Und er fährt fort:

Lassen Sie mich erklären, warum das Große Geld historisch zuerst zu den Dollars gelaufen ist... Und dann werden wir überlegen, warum das Große Geld dies künftig vielleicht nicht mehr macht …, beginnend mit dieser gegenwärtigen Krise.

Es ist eine subtile Veränderung in der Welt. Aber wenn es wahr ist, sind die Implikationen ziemlich ernst … Falls Ausländer in einer Krise keine Dollars wollen, wann wollen sie sie?

Und wollen Ausländer keine Dollars mehr? Mit den ganzen Schulden, die wir eintippen, können Sie leicht verstehen, warum andere Länder Dollars nicht würden besitzen wollen.“

Weiter sagt er:

Wenn sie nicht daran interessiert sind, Dollars hier [in den USA] auf die Bank zu bringen (oder richtiger, wenn Sie sich nicht mehr für den Kauf von US-Schatzanweisungen interessieren), würden die Zinssätze in den Vereinigten Staaten zumindest steigen. Und das allein wäre schlecht für die Wirtschaft.“...

Um näher zu beleuchten, was es damit auf sich hat, wenn der US-Dollar steigt, sobald „das Große Geld es mit der Angst bekommt“, findet zudem eine kürzliche Beobachtung von Jeff Clark Beachtung:

„Als Terroristen Flugzeuge ins World Trade Center geflogen haben, erholte sich der Dollar um 8% in sechs Wochen.

Als Lehman Brothers den Bach runtergingen und das US-Banksystem kurz davor war zu implodieren, ist der Dollar 10% nach oben gestiegen in 10 Wochen.

Und im letzten Mai, als einige algorithmische Programme das Computer Trading an der New Yorker Börse durchdrehen ließen – was einen 1.000 Punkte-Rückgang und eine Wiederherstellung beim Dow innerhalb von 15 Minuten zur Folge hatte - entfachte es eine 8% Markterholung beim Dollar im Laufe der folgenden sechs Wochen.

Wie ist es Gold während jener Zeiten ergangen? Ich weiß nicht …, ich habe es nicht überprüft.

Alles, was ich weiß, ist, ich habe nie ein Problem gehabt, Dollars gegen irgendeine Art von Waren oder Dienstleistungen auszutauschen. Es war egal, wo in der Welt ich zu dem Zeitpunkt war. Wenn ich Hilfe brauchte, klappt es immer mit einer schmierigen Hand voll mit Dollarscheinen.“

Sjuggerud macht uns nun auf einen Indikator aufmerksam, der entscheidend sein könnte im Hinblick auf die künftige Entwicklung, nämlich auf den Abstieg des Dollars in dieser gegenwärtigen Krise in Nordafrika und dem Nahen Osten:

In dieser Krise, anstatt bei der Sicherheit von Dollars Zuflucht zu suchen, haben Investoren den Goldpreis hochgetrieben, und Silber ist gestiegen.

Sind Gold und Silber die neuen sicheren Häfen für das Große Geld? Es ist Jahrzehnte her, dass das der Fall gewesen ist. Aber es kann jetzt wieder der Fall sein.

Eine weitere Erklärung hier besteht darin, dass Tunesien, Ägypten und Libyen in der Welt der Hochfinanz nicht von Bedeutung sind… Sie sind nicht hinreichend von Bedeutung, um beim Großen Geld eine Reaktion zu erzeugen. Sie sind nicht hinreichend von Bedeutung, um das Große Geld auf die Jagd nach Sicherheit zu schicken.

Das könnte hart klingen. Aber wenn es um globales Wirtschaftswachstum geht, sind jene drei Länder kaum ein Rundungsfehler…

Lassen Sie es uns ins rechte Licht rücken … Wenn Europas Banksystem abstürzt, eilt das Große Geld zum Dollar hin. Aber wenn Libyen zusammenbricht, ist es grundsätzlich irrelevant … das Vermögen des Großen Geldes in London und New York wird nicht in Mitleidenschaft gezogen, und das ist es, worüber das Große Geld besorgt ist.

Was ist es also? Warum ist der Dollar in dieser Krise schwach geworden? Liegt es daran, dass das Große Geld Gold und Silber gewählt hat? Oder liegt es daran, dass das Große Geld - noch -  nicht auf die Jagd nach Sicherheit drängt wegen dieser gegenwärtigen Krise?

Persönlich denke ich, dass es Letzteres ist …, das Große Geld verbringt keine schlaflosen Nächte wegen Libyen…, aber es kauft stattdessen Edelmetalle, im großen Stil.

Ich könnte mich dennoch irren. Das könnte der erste Moment sein - in einer sehr langen Zeit - in dem das Große Geld in der Krise NICHT zu Dollars Zuflucht nimmt.“

Sollte diese Beobachtung Realität werden, hätte das möglicherweise katastrophale Auswirkungen. Ein starker Rückgang beim Dollar und viel höhere Zinssätze wären nur ein paar davon.

Folgender Graph veranschaulicht das Geschehen:


Vielleicht ist es das Ende des Zeitalters … Das Ende der Zeit, wo der Dollar die ‚sicherer Hafen‘-Anlage des Großen Geldes ist.“...

Und jetzt stellt sich natürlich die Frage, woran sollen wir erkennen, ob die Vorherrschaft des Dollars zu Ende ist? Sjuggeruds Antwort:

Wenn sich die Situation im Nahen Osten tatsächlich in etwas verwandelt, was die Weltwirtschaft beeinflussen wird... und der Dollar erholt sich IMMER NOCH NICHT.“

Bleiben Sie wachsam!


Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Weltkrieg der Währungen: Wie Euro, Gold und Yuan um das Erbe des Dollar kämpfen - und was das für unser Geld bedeutet


Eine weitere Empfehlung:

Der Untergang des Dollar-Imperiums: Die verborgene Geschichte des Geldes und die heimliche Macht des Money Trust


Eine weitere Empfehlung:

Der Dollar Crash: Was Banker Ihnen nicht erzählen - Die schockierende Wahrheit über die US-Notenbank, unser Währungssystem und wie wir uns von ihm befreien können


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