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Stillstand der Gelddruckpressen in den USA fraglich

Von: A. Radan - 25.05.2011
Federal Reserve, Fotograf Dan Schmith/Wikipedia.de

Dr. Frank Shostak ist Ihnen vielleicht kein Begriff. Er ist ein Wirtschaftswissenschaftler im Sinne der Österreichischen Konjunkturzyklustheorie, die besagt, dass die Konjunkturzyklen, die wir in Form von Aufs und Abs in der Wirtschaft erleben, nicht naturbedingt sind, sondern künstlich verursacht werden durch eine exzessive Ausweitung der Geld- und Kreditmenge. Shostak arbeitet für MF Global, einem globalen Finanzmakler mit Hauptsitz in New York, und verfasst volkswirtschaftliche Artikel für Mises.org, dem nach eigenem Bekenntnis „Weltzentrum der österreichischen Schule der Volkswirtschaft und für politische Willens- und Handlungsfreiheit stehenden politischen und sozialen Theorie“ (deutschsprachige Texte zu diesem Thema finden Sie übrigens auch unter dem deutschen Pendant: http://www.mises.de/).

Wir können also davon ausgehen, dass Shostak sich eingehendst mit der Materie beschäftigt hat und weiß, was er sagt. In der letzten Woche wurde auf Mises.org ein Artikel von ihm veröffentlicht [The Effects of Freezing the Balance Sheet] zu dem Thema, was wohl geschehen wird, sollte das Federal Reserve System tatsächlich im Juni seine Bilanz einfrieren, wie von seinem Vorsitzenden Hubschrauber Ben Bernanke angekündigt.

In diesem Artikel stellt Shostak folgende Thesen auf:

„Wir behaupten, sobald die Entscheidungsträger des Fed die Bilanz der US-Zentralbank einfrieren, wird dies die Wachstumsdynamik [growth momentum] der US-Notenbank Bilanz verlangsamen. Folglich wird dies Druck ausüben auf die Wachstumsdynamik der Geldmenge. Beachten Sie, dass es letztlich Schwankungen in der Wachstumsdynamik der Geldmenge sind, die Temposchwankungen bei der Bildung von Bubble Aktivitäten in Gang setzen. Infolgedessen werden verschiedene Bubble Aktivitäten, die auf der Kehrseite der steigenden Wachstumsdynamik der Geldmenge aufgetaucht sind, unter Druck geraten - eine Wirtschaftskrise wird in Gang gesetzt.

Offensichtlich ist es möglich eine Situation zu haben, wo Geschäftsbanken ihre Darlehensvergabe „aus dem Nichts“ ausweiten und dies dann dem Einfrieren der Fed-Bilanz entgegenwirkt. Es bleibt abzuwarten, ob das in den vor uns liegenden Monaten der Fall sein wird. Vorläufig bläht die Fed Bilanz weiterhin mit rasanter Geschwindigkeit auf...“

„Nun, unserer Vermutung nach könnten die Schwierigkeiten, die die Fed beim bedeutungsvollen „Wiederbeleben“ der Wirtschaft bis jetzt gehabt hat, ein Hinweis darauf sein, dass der Zustand des Pools realer Ersparnisse oder des Pools des realen Aufbringens von Geldmitteln in Schwierigkeiten ist. Das bedeutet, selbst wenn die Wachstumsdynamik der Kreditgewährung zurzeit tatsächlich etwas Erstarken zeigt (siehe Chart), ist es dennoch höchst unwahrscheinlich, dass Geschäftsbanken angesichts der Abschwächung von Bubble Aktivitäten wegen des Einfrierens der Fed Bilanz ihre aus dem Nichts erschaffenen Kredite weiterhin aggressiv ausweiten werden. Außerdem ist es ziemlich wahrscheinlich, dass die US-Bundesanleihen mit dem Einfrieren der Bilanz unter Druck geraten werden und die Wachstumsdynamik des Vermögens der Banken in Form von US-Bundesanleihen schwächer werden wird. Das wird wiederum Druck ausüben auf die Wachstumsdynamik der gesamten Banken-Kreditvergabe, was die Kreditgewährung an die Regierung einschließt...“

Shostak geht davon aus, dass das Wachstum des Verbraucherpreisindex bis zum Jahresende 5% erreichen dürfte.

„Wir behaupten, dass sich die Wachstumsdynamik der Geldmenge verlangsamen wird, sobald die Entscheidungsträger der Fed die Bilanz der US-Zentralbank einfrieren. Infolgedessen werden verschiedene Bubble Aktivitäten, die auf der Kehrseite der steigenden Wachstumsdynamik der Geldmenge aufgetreten sind, unter Druck geraten. Eine sichtbare Stärkung der Wachstumsdynamik des VPI kann  Fed Beamte davon abhalten QE3 [quantitative Lockerung 3] einzuführen, wie es einige Experten angedeutet haben.“

Ganz grundsätzlich stellen sich hier folgende Fragen:

  • wird die Fed ihre Bilanz an ihrem gegenwärtigen Niveau von 2,75 Trillionen $ „einfrieren“ oder nicht?
  • wird die Fed womöglich doch eine QE3 durchführen?

Es steht wohl außer Frage, dass ein weiteres Aufblähen bzw. ein Einfrieren der US-Notenbank Bilanz markante Auswirkungen für jegliche Bubble Aktivitäten haben wird, deren Existenz von diesen Geldmengen abhängt. Immerhin hat die US-Notenbank ein geradezu gigantisches Liquiditätsvolumen in ihre Primärhändler hineingepumpt und damit der gegenwärtigen M&A [Mergers and Acquisitions - Fusionen un Übernahmen] Kauforgie den erforderlichen Brennstoff geliefert. Auch Unternehmen konnten in Form von preiswerter Darlehensaufnahme von dem Liquiditätsfluss profitieren. Suchmaschinen-Gigant Google beispielsweise, der immerhin 35 Milliarden $ in der Kasse aufzubieten hat, konnte auf dem Rentenmarkt 3 Milliarden $ leihen zu durchschnittlich 2,33%.

Allerdings gilt es hier einen Faktor zu berücksichtigen: die zeitliche Verzögerung. Sie können davon ausgehen, dass es in der Regel sechs bis neun Monate dauert, bis sich Veränderungen der Wachstumsdynamik schließlich auf die Märkte auswirken.

Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Aspekte, die wichtig sind für eine korrekte Prognose, und ein ganz wesentlicher Aspekt ist die Zielsetzung.

Shostaks Schlussfolgerung gründet sich auf Einschätzung, dass es der US-Notenbank vor allem darum geht, eine Preisinflation zu vermeiden, und sie sich deshalb nicht ohne Weiteres auf eine weitere Runde des Geldpumpens einlassen wird. Wenn es der Fed jedoch in erster Linie gar nicht um die Preisinflation geht, sondern darum, die Arbeitslosigkeit einzudämmen, könnte das Bild ganz anders aussehen. Ein Eindämmen des Liquiditätsflusses hat zwangsläufig zur Folge, dass weniger Leute bezahlt werden können und somit die Arbeitslosigkeit zunimmt. Und steigende Arbeitslosigkeit ist ein gewaltiges Schreckgespenst - sowohl  für die Fed als auch für die Regierung.

Dieser Aspekt wird verschärft durch die Tatsache, dass das kommende Jahr in den USA ein Wahljahr ist (die Wahlperiode beginnt bereits Januar 2012 und endet erst mit der Wahl des Präsidenten, planmäßig der 6. November 2012). Der Druck durch den Kampf um die Wählerstimmen dürfte dieses Schreckgespenst noch beängstigender machen. Die Forderungen an die Politiker - besonders in dieser Zeit -, doch endlich etwas zu unternehmen, um die Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen, dürfte auch so manchen der hartgesottenen Inflationsfalken mit Blick auf die Wählerstimmen weichkochen. Dies dann allerdings mit der unausweichlichen Folge von verstärkter Bubble-Aktivität und steigender Preisinflation.

Und es ist nicht auszuschließen, dass eine neue Runde quantitativer Lockerung gibt, zumal "die Leute wissen, dass die Inflation den Sachwert der Staatsschulden wegfrisst und dass es deshalb im Interesse der Regierung liegt, etwas Inflation zu erschaffen."

Der Schlüssel zum Verstehen

Ab Juni – sobald die Fed ihre Bilanz einfriert - werden wir sehen, wie sich Shostaks These bewahrheitet, dass sich nämlich die Wachstumsdynamik der Geldmenge verlangsamen wird. Und das ist der Schlüssel, um die darauf folgende Entwicklung zu verstehen.


Bleiben Sie wachsam!


Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Befreit die Welt von der US-Notenbank!: Warum die Federal Reserve abgeschafft werden muss


Eine weitere Empfehlung:

Wirtschaft wirklich verstehen: Einführung in die österreichische Schule


Eine weitere Empfehlung:

Das Schein-Geld-System: Wie der Staat unser Geld zerstört


Eine weitere Empfehlung:

Ethik der Geldproduktion. Edition Sonderwege


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Geld, Gold und Gottspieler: Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise


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