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So funktioniert ein Leerverkauf

06.12.2011


"Sämtliche großen Vermögen entstehen aus drei Hauptzutaten:
Vision, Risiko und einem Glückstreffer…"

Unbekannter Autor


Was ist das eigentlich, dieser Leerverkauf (auch Fixgeschäft, Baissegeschäft, Blankoverkauf, Short Selling), von dem so häufig zu hören ist in den Medien.

Nun, kurz gesagt, wenn Sie einen Leerverkauf tätigen, versuchen Sie, von rückläufigen Aktienpreisen zu profitieren. Die Sache, um die es bei diesem Geschäft geht, gehört Ihnen zu diesem Zeitpunkt gar nicht. Sie verkaufen sie trotzdem, spekulieren jedoch darauf, dass Sie eben diese Sache zu einem späteren Zeitpunkt zu einem niedrigeren Preis einkaufen können.

Es handelt sich dabei quasi um das umgekehrte Gegenstück zu der Strategie günstig einzukaufen, um dann teuer zu verkaufen.

Wie Sie dem obigen Konzept entnehmen können, hat dieses Geschäft mit Spekulation zu tun, also mit einer auf bloßen Mutmaßungen beruhende Erwartung. André Kostolany mahnt dann auch:


Eines ist klar, eine gewisse Risikobereitschaft gehört dazu,
will man sich auf das Börsenparkett wagen.
Sichere Börsengewinne gibt es nicht
.“
André Kostolany

Die Kunst über Geld nachzudenken


Zu dem gefürchteten Risiko kommt dann noch die Befürchtung, diese Art des Investierens könnte zu schwierig und kompliziert sein, was Investoren davon abhält, sich an diese Möglichkeit des Geldverdienens heranzuwagen.

Doch, wie es so schön heißt „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Und dazu zählt auch das Nutzen von Gelegenheiten, wenn sie sich bieten:


Ihr größter Reichtum ist das, was Sie wissen.
Ihr größtes Risiko ist das, was Sie nicht wissen.
Ein gewisses Risiko ist immer dabei.
Lernen Sie also mit Risiken umzugehen, statt sie zu vermeiden
.“
Robert T. Kiyosaki

Rich Dad, Poor Dad
Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen


Die Gelegenheiten, die sich Ihnen möglicherweise bieten, sind nicht zwangsläufig auf einen bestimmten Markt begrenzt. Es kann sich um den Aktienmarkt und den Rentenmarkt ebenso handeln wie um Währungen und Immobilien.

Was wirklich zählt, ist der Umständ, dass die Kurse sich genauso nach oben bewegen wie sie sich nach unten bewegen. Wenn Sie sich ausschließlich auf die Aufwärtsbewegungen fokussieren, nutzen Sie nur die Hälfte der Bewegungen. Die andere Hälfte bleibt Ihnen versperrt. Wenn Sie jedoch Ihr Blickfeld erweitern und auch die andere Hälfte, nämlich die Abwärtsbewegungen, mit ins Visier nehmen, haben Sie damit automatisch Ihre Auswahlmöglichkeiten verdoppelt und somit auch Ihre Gewinnchancen. Diese Investmentstrategie dient Ihnen zum einen als offensiver Schutz für Ihr Vermögen, zum anderen schöpfen Sie damit das volle Potential der Märkte aus.

Wie geht ein Blankoverkauf oder Leerverkauf nun vonstatten?

Damit Sie eine bestimmte Aktie, die Sie sich ausgeguckt haben, verkaufen können, müssen Sie sie zunächst von Ihrer Maklerfirma „leihen“. Ihr Makler wiederum leiht sich die Aktien von einem Kunden, der wiederum ein Margin-Konto hat, auf dem sich diese Aktien befinden.

Lassen Sie uns einmal annehmen, Sie wollen einen Leerverkauf tätigen (short gehen) mit 100 Anteilen der Firma XYZ. Zunächst würden Sie sich an Ihren Makler wenden, um von ihm diese Aktien auszuleihen. Dieser muss nun sicherstellen, dass er einen Kunden an der Hand hat, der diese Anteile auf seinem Konto und somit verfügbar hat. Dies ist die Grundbedingung dafür, dass Sie überhaupt einen Leerverkauf tätigen können. Der Gegenwert zu Ihrem Verkauf befindet sich also auf dem Konto eines Dritten, andernfalls gibt es keinen Verkauf. Wenn diese Anteile aber real existieren, können Sie den Leerverkauf tätigen. Ihrem Konto wird dazu das Geld für den Verkauf – quasi der symbolische Gegenwert für die Aktien des Fremden - gutgeschrieben.

Sehr vereinfacht würde sich die Szene rein rechnerisch dann so gestalten:

Die Anteile der Firma XYZ kosten jeweils 20 $. Da Sie 100 Anteile verkaufen wollen, werden Ihrem Konto somit 2.000 $ gutgeschrieben, um short zu gehen. Auf Ihrem Konto erscheint diese Transaktion dann als negative 100 Aktien der Firma XYZ.

In diesem Stadium ist der Deal sozusagen noch offen. Der nächste Schritt findet statt, sobald Sie sich entschließen, diese offene Position zu schließen bzw. zu decken (cover). Das macht natürlich nur Sinn, wenn Sie eine bärische Einschätzung der Kursentwicklung der Firma XYZ hatten und diese bärische Haltung sich jetzt bewahrheitet. In dem Moment ist es an der Zeit, den erhofften Gewinn zu realisieren. Zu dem Zweck steigen Sie in den Markt ein und kaufen diese 100 Anteile der Firma XYZ zurück, und zwar zu einem günstigeren Preis also Sie sie vorher verkauft hatten. Sobald das getan ist, ist der negative Aktiensaldo auf Ihrem Konto auf Null gestellt und der Einkaufspreis wird Ihrem Konto belastet. Was jetzt auf Ihrem Konto übrigbleibt, ist Ihr Gewinn.

Dieses Beispiel in Zahlen ausgedrückt: Die Kurse der ursprünglich zu 20 $ verkauften Anteile der XYZ sind um 75% eingebrochen und kosten somit nur noch 5 $. Bei 100 Anteilen entspricht das 500 $, die Sie der Rückkauf jetzt kostet und die Ihrem Konto belastet werden. Ihr Verkauf zu 2.000 $ mit anschließendem Einkauf zu 500 $ bringt Ihnen also 1.500 $ Gewinn ein, die Differenz, die auf Ihrem Konto bleibt.

Wie Sie an diesem vereinfachten Beispiel sehen, kann ein Leerverkauf ausgesprochen profitable sein.

Folgende Aktien-Kategorien qualifizieren besonders für diese Investmentstrategie:

  1. „betrügerische“ Aktien – die Produkte können Schwindel sein und/oder die Bilanzen und/oder die Firma leidet an einem völlig unfähigen Management. Ein Unternehmen, in dem eine oder alle der oben genannten Kriterien gegeben sind, wird sich kaum lange auf dem Markt halten können. Insofern ist der Untergang seiner Aktien vorprogrammiert – also ein klarer Garant für Erfolg aus Sicht des Leerverkäufers.
  2. Firmen, deren Geschäftspläne trotz aller guten Absichten der Firmengründer und des Firmenmanagements dennoch gescheitert sind. Denken Sie nur an den kometenhaften Anstieg der Internetfirmen, den berühmt berüchtigten Dotcoms, deren Traum dann in einer gewaltigen Blase zum Platzen kam. Ich denke, Sie verstehen, was ich meine.
  3. Überteuerte Aktien, die technisch zusammengebrochen sind. Allerdings ist die Einschätzung hier recht schwierig, denn teure Aktien halten sich häufig länger auf dieser Schiene als man meint. John Maynard Keynes bemerkte einmal: “Die Märkte können länger irrational bleiben, als Sie solvent.” Trotz aller Risikobereitschaft oder vielleicht gerade deshalb sollten Sie diesen simplen weisen Spruch immer im Gedächtnis behalten. Ihr Timing entscheidet hier über Erfolg oder Misserfolg.


Gerade beim Leerverkauf sollten Sie zudem ein Phänomen bedenken: Wenn der Kurs einer Aktie rapide in den Keller stürzt und die Aktie überverkauft ist, machen Sie sich darauf gefasst, dass es zu einem Abpralleffekt , dem häufig markanten Bounce (scharfen Anstieg) kommen kann. Deshalb empfehlen Experten in der Regel abzuwarten, bis sich das Momentum von bullisch auf bärisch verlagert, speziell bei der dritten Kategorie oben.

Gutes Trading!


Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Rich Dad, Poor Dad: Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen


Eine weitere Empfehlung:

Die Kunst über Geld nachzudenken


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Jesse Livermore. Das Spiel der Spiele. Folgen Sie dem 'König der Spekulation'


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