Startseite

Omaha lässt grüßen

Von: M. Rapp - 05.05.2011


"Die beste Art und Weise, Risiko zu minimieren, ist nachzudenken."
Warren Buffett


Inzwischen ist die neuerliche Jahreshauptversammlung von Berkshire Hathaway schon wieder Geschichte, und die meisten Besucher – immerhin stattliche 40.000 an der Zahl – werden den Schauplatz dieses Monumentalereignisses, das knapp 500.000 Seelen zählende Städtchen Omaha, wieder verlassen haben. Der alljährliche Ausnahmezustand in dieser größten Stadt Nebraskas ist im Begriff, wieder in einen Zustand der Normalität überzugehen. Wenn wir uns anschauen, welche berühmten Geister in Omaha geboren worden, ist aber anzunehmen, dass der Ort einiges verkraften kann: als da wären beispielsweise Fred Astaire (1899–1987), Marlon Brando (1924–2004), Montgomery Clift (1920–1966), Gerald Ford (1913–2006), Malcolm X (1925–1965), Nick Nolte (* 1941) und natürlich Warren Buffett (* 1930) und auch Charles Munger (* 1924).

Mit über 80 Lenzen sind sowohl Buffett als auch sein Freund und Partner Charlie Munger immer noch überaus vital, wie sich die Aktionäre mit eigenen Augen überzeugen konnten. Es ist sicherlich auch diese Vitalität, die einen der Aktionäre zu der Frage inspirierte, falls Buffett noch 50 weitere Jahre Zeit hätte seinen "Circle of Competence" zu erweitern, welchen Sektor würde er sich dann aussuchen.

Und das Orakel von Omaha entgegnete: "Zunächst würde ich einen großen Sektor aussuchen. Dabei würde ich jetzt auf den Technologiesektor setzen. In den nächsten 50 Jahren stehen uns da noch große Entwicklungen bevor."

Ein wahrlich erstaunliche Antwort, zumal Buffett, eng befreundet mit Bill Gates, schon vor Jahren eingestanden hatte, dass er sich an Technologie nie herangewagt hätte, weil er zu wenig davon verstünde:

"Ich war schon immer ein großer Bewunderer von Andy Grove und Bill Gates, und ich wünschte, ich hätte diese Bewunderung in die Tat umgesetzt, indem ich Geld investiert hätte. Wenn wir aber über Microsoft und Intel sprechen, dann weiß ich nicht, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird, und ich habe keine Lust, an einem Spiel teilzunehmen, bei dem der andere einen Vorteil hat. Ich könnte die ganze Zeit, die ich im nächsten Jahr zur Verfügung habe, über Technologie nachdenken und wäre unter den Klügsten im Land nicht einmal die Nummer 100 oder 1.000 oder 10.000, wenn es darum ginge, diese Firmen zu analysieren. Es gibt Menschen, die können Technologie analysieren, aber ich kann's nicht."

Und getreu seinem Grundsatz "Ich kaufe auch nur, was ich verstehe" hat er sich in der Vergangenheit von Technologie stets ferngehalten.

Auch in diesem Jahr wurde von den Aktionären wieder das Thema Dividenden auf den Tisch gebracht. Buffett zahlt für seine Aktien keine Dividende. Das war schon immer so und ist allgemein bekannt, was einen Aktionär aber nicht hinderte zu fragen, ob es dabei bleibt. Buffetts Antwort: "Jeder Dollar, den wir investiert haben, hat mehr als einen Dollar Marktwert geschaffen." Und solange Buffett und Munger es weiterhin schaffen, aus jedem einzelnen Dollar einen Wert von 1,20 Dollar zu kreieren, wird dieser Kurs als erfolgreiche Aktion auch beibehalten werden. Buffetts Statement dazu: "An dem Tag, an dem wir eine Dividende zahlen, wird der Aktienkurs sinken – und das sollte er auch."

Ein guter Denkanstoß ist Buffetts Antwort auf die Frage eines wegen der Inflation besorgten Aktionärs, ob ein Investment in Coca-Cola oder einen Versorger in einem inflationären Umfeld besser sei. Buffetts Antwort  zugunsten eines Investments in eine starke Marke wie Coca-Cola zeigt, wie klar seine Prioritäten gesetzt sind: "Dort kann mit wenig Kapitaleinsatz Wachstum generiert werden".

Zur Erläuterung dieser Prioritätenwahl führt Buffett die Entwicklung des Süßwarenherstellers und -vertreibers See`s Candies an. 1972 hatte Buffett das Unternehmen übernommen. Damals hatte es einen Umsatz von 25 Mio. Dollar vorzuweisen bei 16 Mio. Pfund verkauften Pralinen.



Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:HK_West_Kln_Elements_mall_shop_See%27s_Candies.JPG


Inzwischen ist die Jahresproduktion auf 30 Mio. Pfund geklettert, der Umsatz hat sich jedoch verzehnfacht: auf 300 Mio. Dollar. Der damalige Bedarf zur Gewährleistung des Geschäftsbetriebs belief sich damals auf 9 Mio. Dollar, inzwischen sind es 40 Mio. Dollar. Wie Sie sehen, mit diesen Zahlen lässt sich leben. Die Firma hat ihren Hauptsitz im Süden San Franciscos und vertreibt ihre Produkte entweder selbst oder über die Berkshire Hathaway Tochterfirma Nebraska Furniture Mart. Sie stützt sich zum einen auf eine starke Internetpräsenz und betreibt zudem 200 Geschäfte in 11 Bundesstaaten der USA sowie in Hong Kong, Japan and Macau.

Eine Marke wie Coca-Cola hat jedoch eine ganz andere Präsenz vorzuweisen. Sie können dieses Getränk in mehr als 200 Staaten der Erde kaufen. Buffett: "Damit ist Coca-Cola auch ein sehr interessantes internationales Investment".

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass Buffett mit drei Viertel seiner Investments in den USA geblieben ist, was auch einigen der Aktionäre aufgefallen ist. Sein Kommentar: "Aber immerhin ein Viertel ist schon im Ausland".

Angesichts der enormen Aufmerksamkeit, die besonders seit der Finanzkrise vor allem den Rohstoffen als „sicherer Hafen-Investments“ zuteil geworden ist, bot natürlich gerade dieser Sektor Anlass für eine fesselnde Erörterung. Denn immerhin war hier ein mit Abstand besserer Schnitt zu holen in den letzten fünf Jahren.

Gold war ein weiteres Thema, das für spannenden Gesprächsstoff sorgte. Und ganz offensichtlich hat sich auch Buffett intensiv mit diesem Edelmetall und seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten auseinandergesetzt. Er differenziert ihn diesem Zusammenhang zwischen drei Investmentkategorien:

  1. Investitionen, die in irgendeiner Form an Währungen gekoppelt sind.
    Laut Buffett sind diese Anlagen jedoch insofern riskant, als sie immer auf die Fähigkeit der jeweiligen Regierungen vertrauen, ihre Währungen stabil zu halten. Sicherlich wäre das grundsätzlich die ideale Szene, aber sein Geld darauf zu wetten...?
  2. Investitionen, die nicht auf Produktion basieren, sondern auf einem in der Zukunft erwarteten höheren Verkaufswert. Hierzu zählt Gold als Beispiel par excellence.
    Buffett kommentierte dieses Investment mit den Worten: "Was kann man damit denn machen? Draufsteigen und polieren", flankiert von Charlie Munger: "Was soll das für ein gutes Investment sein, dass extrem stark steigt, wenn die Wirtschaft abstürzt." Dieses Investment basiert auf der Hoffnung jemanden zu finden, der später einmal mehr dafür zahlen würde.
  3. Bleibt die dritte Kategorie, nämlich Investionen, die auf Produktion und Wachstum basieren - das kann landwirtschaftliche Nutzfläche sein, aber auch Wertpapiere. Buffett verglich in diesem Zusammenhang interessanterweise landwirtschaftliche Nutzfläche und Gold: Würde man den Wert der gesamten Goldförderung auf einen Haufen packen, könnte man mit eben diesem Haufen - rund 8 Billionen Dollar - die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche in Amerika kaufen. Buffetts Priorität liegt somit ganz eindeutig beim Ackerland.

Beide, Buffett und Munger, gaben sich überzeugt, dass sie eine neuerliche Bankenkrise in den USA für nicht wahrscheinlich halten. Nicht so zuversichtlich waren sie aber hinsichtlich der Zukunft Europas. Für Munger stellt sich die Situation so dar: "Man gibt den schwachen Staaten Geld, damit sie so weitermachen wie bisher". Folglich geht er davon aus, dass "Europa noch große Schwierigkeiten bekommen wird."

Voller Hochachtung gaben sich die beiden Altmeister des Investments im Hinblick auf die wirtschaftliche Stärke Deutschlands: „Vor allem der starke Export ist außergewöhnlich. Trotz der starken Währung verkaufen die Deutschen uns mehr Waren als wir ihnen", so Buffetts Einschätzung, wiederum flankiert von Munger: „Deutschland hat wirklich eine erstaunliche Wirtschaft." Diese Einschätzung kommt sicherlich nicht von ungefähr, war Buffett doch erst vor zwei Jahren zu Besuch in Deutschland, um sich vor Ort zu informieren und orientieren. Buffett untermauert seine positive Einschätzung mit den Worten: „Wir würden gerne mehr Anrufe aus Deutschland erhalten, um dort Firmen zu übernehmen. Wir mögen einige deutsche Firmen wirklich sehr. Aber die deutschen Inhaber mögen ihre Firmen noch deutlich mehr als wir – das ist ein Grund, warum sich nicht schon etwas ergeben hat".

Dies war mit Sicherheit nicht die letzte Berkshire Hathaway Hauptversammlung mit diesen beiden herausragenden Persönlichkeiten. Für das kommende Jahr ist das Aktionärstreffen bereits festgesetzt auf den 5. Mai 2012.

Gutes Investieren!


Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Hier spricht Warren Buffett: Weisheiten vom erfolgreichsten Investor der Welt


Eine weitere Empfehlung:

Warren Buffett. Auf Pilgerfahrt zum Orakel von Omaha


Eine weitere Empfehlung:

Essays von Warren Buffett. Ein Buch für Investoren und Unternehmer


Eine weitere Empfehlung:

Buffett: Die Geschichte eines amerikanischen Kapitalisten


Haftungsausschluss:

Die Inhalte in InvestorWissen24.de dienen ausschließlich Ihrer Information und Anregung. Die bereitgestellten Informationen stellen insofern keine Empfehlungen oder Bewertungen für Ihre persönliche Finanzsituation dar. Sie sind auch nicht dazu gedacht, professionelle Beratungen durch im Börsen- und Finanzwesen tätige Experten zu ersetzen. Bei allen individuellen Fragen und Entscheidungen rund um Ihre Finanzen sollten Sie auf jeden Fall einen Experten hinzuziehen

Wir sind bemüht, Informationen so aktuell und umfassend wie möglich zu recherchieren und zu präsentieren; eine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität können wir jedoch nicht übernehmen.

Wir übernehmen keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.


Bookmark and Share
Weitere ThemenRSS-News-Feed abonnieren