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Nachfolge von Buffett wieder offen - mit Eklat

Von: M. Rapp - 11.04.2011

Berkshire Hathaway Gründer/CEO Warren Buffett steht seit einigen Tagen erneut ohne Nachfolger da. Große Hoffnungen hatte er in David Sokol gesetzt, den Vorsitzenden von MidAmerican Energy, einem in Iowa ansässigen elektrischen Versorgungsunternehmen. Buffett hatte das Unternehmen im Oktober 1999 erworben und Sokol in jedem seiner alljährlichen Berkshire Hathaway-Aktionärsbriefe seit 2002 ausdrücklich gelobt. In den Medien wurde er deshalb schon als „Kronprinz“ tituliert.

Sokol hatte sich als Manager profiliert, indem er beispielsweise ein völlig neues Unternehmenskonzept erarbeitet hat für NetJets. Buffett hatte NetJets Gründer Rich Santulli im August 2009 seines Amtes enthoben. Sokol übernahm den vakanten Posten und schaffte es, die Schulden der Gesellschaft um 1,4 Milliarden $ zu reduzieren und sie wieder auf die Gewinnschiene zu bringen. Es ist also nicht von ungefähr, dass er als Top-Favorit galt für Buffetts Nachfolge als CEO von Berkshire.

Aus Sokols Sicht war das aber wohl nicht so klar, denn immerhin musste Buffett es ihm in der Vergangenheit schon zweimal ausreden auszuscheiden. Aller guten Dinge sind drei. Sokol trat vor ein paar Tagen von Berkshire Hathaway zurück - dieses Mal mit dem Segen von Buffett. Es stellt sich heraus, dass Sokol seine eigene Gesellschaft aufbauen will und die Leitung von Berkshire Hathaway nie innehaben wollte.

In seinem Kündigungsschreiben vom 28. März zitiert Sokol seinen Wunsch, "die Mittel seiner Familie so zu investieren, dass nachhaltiger Anteilskapital-Wert und hoffentlich ein Unternehmen geschaffen wird, das meinen Nachkommen Gelegenheiten und meinen wohltätigen Interessen finanzielle Unterstützung liefern wird." In dem Sinne ist wohl auch seine Ankündigung auf CNBC zu verstehen, er wolle ein "Mini-Berkshire" aufbauen.

Für einen Eklat sorgte allerdings noch ein anderer Umstand, über den wir vom Schweizer Tagesanzeiger erfahren:

„Die Geschichte ist zwar seit einer Woche bekannt, doch schlägt sie anhaltend hohe Wellen. So hohe, dass sich gestern selbst der 87-jährige Partner von Buffett, Charlie Munger, zu einer Rechtfertigung gezwungen sah. Er glaube nicht, dass sich Sokol etwas habe zuschulden kommen lassen, es handle sich lediglich um einen «Ausrutscher». Buffett hat den Fall zuvor ähnlich heruntergespielt.

Dies sieht die Börsenaufsicht SEC anders. Sie hat eine Voruntersuchung eingeleitet und will sämtliche Finanztransaktionen von Sokol auf mögliche Insidergeschäfte durchleuchten. Der Tatbestand ist relativ einfach: Sokol hatte sich vor vier Monaten mit Investmentbankern der Citigroup getroffen, um eine Übernahme des Chemiekonzerns Lubrizol zu diskutieren. Die Banker gingen davon aus, dass er den Deal in seiner Rolle als Berkshire-Hathaway-Manager prüfen würde und waren später völlig überrascht zu hören, dass Sokol Lubrizol-Aktien für 10 Millionen Dollar aufkaufte, noch bevor er Buffett die Übernahme vorgeschlagen hatte. Sein Gewinn belief sich auf 3 Millionen Dollar.“

Beide Männer behaupten, Sokol hätte nichts Ungesetzliches getan, und bestreiten, dass die Transaktion irgendetwas mit seinem Verzicht auf die Buffett-Nachfolge zu tun hätte. „David Sokol habe Aktien des Chemie-Konzerns Lubrizol gekauft und ihm anschließend eine Übernahme der Firma empfohlen, erklärte Buffett am Mittwochabend. Der 80-Jährige betonte, er habe Sokol nicht entlassen und dieser habe seiner Ansicht nach bei dem Aktienkauf auch nicht gegen Gesetze verstoßen“, weiß das Handelsblatt heute zu berichten.

Der Markt reagierte auf den Abgang von Sokol und die ganze unglückselige Geschichte mit einem 2% Rückgang. Das dürfte dem Konzern allerdings nicht allzu weh tun. Immerhin hat der Gigant im vergangenen Jahr knapp 13 Milliarden Dollar umgesetzt. Es ist eines der 25 größten Unternehmen der USA und einer der größten Steuerzahler. In den 73 voll kontrollierten Gesellschaften waren per 27. Februar 2010 über 257.000 Menschen beschäftigt. Selbst wenn der Konzern aufhören sollte zu wachsen, würde er dennoch weiterhin enormen Unternehmenswert schaffen.

Wenn Sie bei Berkshire einsteigen wollen, müssen Sie richtig Geld auf den Tisch legen, denn die Berkshire Aktie ist die teuerste der Welt: Am 31.12.2010 lag der Kurs bei 120.450 US-Dollar, was darauf zurückzuführen ist, dass die Aktie niemals gesplittet wurde.

Wir werden sehen, ob sich die Wogen bis zur nächsten jährlichen Aktionärsversammlung in Omaha an dem Wochenende 30. April/1. Mai 2011 wieder geglättet haben.

Das wird wie jedes Jahr auch diesmal mit Sicherheit wieder ein großes Ereignis. Unter diesem Link http://www.berkshirehathaway.com/meet01/VisGuide2011.pdf hat Berkshire aus diesem Anlass eigens einen Führer zur Verfügung gestellt für all die Besucher, die aus aller Welt anreisen. Falls Sie sich einen Eindruck verschaffen wollen, wie es da so zugeht in Omaha, Nebraska, schauen Sie sich doch einmal dieses YouTube-Video an, dass Aufnahmen vom Aktionärstreffen des vergangenen Jahres zeigt:

Berkshire Hathaway Shareholders Meeting May 1, 2010
http://www.youtube.com/watch?v=ar79wO_ojEc

Wie Sie sehen, handelt es sich dabei nicht um eine reine Aktionärsversammlung, wie wir sie kennen. Die Besucher finden hier eine Messe vor, indem alle Unternehmen des Konzerns ihre Produkte präsentieren. Und so bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen, einander kennenzulernen und vielleicht auch das eine oder andere Geschäft anzubahnen.

Gutes Investieren!


Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Hier spricht Warren Buffett: Weisheiten vom erfolgreichsten Investor der Welt


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Warren Buffett. Auf Pilgerfahrt zum Orakel von Omaha


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