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Lebensmittel – die Krise von 2010 die Hoffnung von 2011?

Von: A. Bold - 21.10.2010
Getreide - Jan Freese / pixelio.de

Getreide - Jan Freese / pixelio.de

"Ich denke, dass wir derzeit eine Lebensmittelkrise haben".
- Hussein Allidina, Leiter Commodity Research, Morgan Stanley.

Der Herbst hat seine alljährliche Einkehr ins Land gehalten, und inmitten all der Farbenpracht, die uns aus der Natur entgegen leuchtet, sehen wir die Bauern ihre Felder ernten und das kostbare Erntegut einbringen.

Ernte, sprich speziell Getreide, sorgte am Freitag für Aufsehen auf den Märkten. Es gab einen "Ernte-Schocker", wie einige es nannten, der für Aufruhr sorgte und das Getreide prompt um 6% an dem Tag steigen ließ: Das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten (amtl. United States Department of Agriculture - USDA) hat seine Ernte-Prognosen um fast 4 % reduziert, was den Markt kurzfristig in eine Art Schock versetzte. Und das ist bloß einer der Gründe, warum der Getreide-Preis auf 5,30 $ pro Scheffel gestiegen ist von 3,30 $ pro Scheffel im letzten Juli.

Interessanterweise lässt sich bei den Gesellschaften, die in irgendeinem Zusammenhang mit der Landwirtschaft stehen, immer wieder beobachten, dass sie sozusagen in Naturalien reagieren. So ließ sich beobachten, dass Dünger Aktien anzogen wie auch die Aktien von Bewässerungsausrüstungsgesellschaften. Demgegenüber hat der Markt die Aktien von Fleisch-Herstellern vernichtend geschlagen. Höhere Preise für Getreide bedeuten, dass auch die Preise für das Futter steigen, das benötigt wird, um Hühner, Kühe, Schafe und Schweine zu mästen.

In der Welt Online vom 11.04.2008 hieß es unter dem Titel „HUNGER SCHOCK: Warum Lebensmittel für viele zu teuer sind“:

Fleischproduktion macht Feldfrüchte teurer

Um aber ein Kilo Schweine- oder Hühnerfleisch herzustellen, benötigt der Farmer zwei Kilo Mais, Soja oder Weizen, beim Rind sind es schon sechs Kilo. So schrumpfen 100 Kalorien Getreide für die menschliche Nahrung zu zehn Kalorien Fleisch, Tendenz ähnlich bei der Milch. Wer es bezahlen kann, darf die teure Vielfalt genießen, für alle anderen wird es zusehends eng.“

Die US-Getreideernte, das sind summa summarum 12,7 Milliarden Scheffel Getreide - ein gigantisches Volumen und die drittgrößte Ernte, die jemals in den USA eingefahren wurde. Demgegenüber steht allerdings auch eine gigantische Nachfrage. Das wiederum bedeutet, dass die Vorräte trotz der Rekordernte knapp sind.

Das US-Landwirtschaftsministerium geht davon aus, dass das in Reserve gehaltene US-Getreide 47% fallen würde. Seit Mitte der 90-er Jahre sind die Getreidereserven in den USA nie derart knapp gewesen. Erschwerend kommt hinzu, dass es in den USA bei Weitem nicht mehr so viel brachliegenden Ackerboden gibt, wie es in den 90-igern noch der Fall war. Das wiederum hat zur Folge, dass sich Angebotslücken nicht so leicht wieder auffüllen lassen durch die laufende Produktion.

Aber es gibt noch einen weiteren Faktor, der das Gesamtbild beeinflusst: die gegenseitige Beeinflussung, und zwar nicht nur innerhalb der unterschiedlichen Getreidesorten, sondern auch in Bezug auf anderes Saatgut. So sind Sojabohnen um fast 7% gestiegen, beim Weizen waren es an die 9%. Landwirtschaftlich nutzbares Land ist es, was die Herzen höher schlagen lässt, und je knapper der wird, desto kostbarer und begehrter wird er. Und ebenfalls wichtig, natürlich, die Investmentdollars der Farmer. Aufgrund der begrenzten Menge an bebaubarem Land kann ein vermehrter Getreideanbau zu einem reduzierten Anbau von Sojabohnen führen, was sich dann wiederum auf die Preise auswirken wird.

Die Lebensmittelkrise von 2008 nicht in Vergessenheit geraten. Im Spiegel Online hieß es Mitte April 2008 Unter dem Titel „Preisexplosion bei Lebensmitteln, Die grenzenlose Wut der Hungernden":

Weltweit hungern 850 Millionen Menschen. Ihre Verzweiflung löst Revolten in Nordafrika, Asien und Lateinamerika aus. Weltbank und Internationaler Währungsfonds warnen davor, dass regionale Mächte wie Ägypten kollabieren könnten, wenn die Lebensmittelpreise weiter drastisch steigen.“

Zu den Gründen führt der Spiegel an:

  • Die Weltbevölkerung nimmt unaufhörlich zu, die Anbauflächen nehmen ab.
  • Die Klimakatastrophe bewirkt teils irreversible Verluste an Agrarland durch Dürren, Fluten, Stürme, Erosion.
  • Wegen veränderter Essgewohnheiten werden immer mehr Äcker und Urwälder zu Viehweiden. Deren Ertrag, in Kalorien gerechnet, ist wesentlich geringer.
  • Die Weltbank verlangt von Entwicklungsländern Marktreformen, etwa Schutzzölle abzuschaffen, was der lokalen Landwirtschaft oft massiv schadet.
  • Spekulanten treiben die Rohstoffpreise hoch, und der hohe Ölpreis wiederum führt dazu, dass "Energiepflanzen" statt Korn oder Futtermais angebaut werden.
  • Millionen Bürgerkriegsopfer brauchen Nahrungshilfe, fallen selbst als Produzenten aus.“

Wohlgemerkt, diese Beschreibung bezieht sich auf 2008. Jetzt schreiben wir Oktober 2010, aber all diese Punkte haben heute genauso Gültigkeit wie damals. Einige Beobachter des Marktes fürchten, es könnte wieder soweit sein. Es gibt bereits Exportbeschränkungen in Russland und der Ukraine, die zu den größten Getreide-Ausfuhrländern gehören. Andererseits beginnen einige der Getreide-Einfuhrhändler im Nahen Osten und in Nordafrika bereits, Getreide zu horten. In der Hoffnung auf explodierende Getreidepreise?

Wie dem auch sei, angesichts der angezogenen Getreidepreise können wir davon ausgehen, dass jeder Landwirt, der es nur irgendwie ermöglichen kann, versuchen wird, soviel Getreide wie möglich anzupflanzen.

Wir könnten erleben, dass sich ein altes Sprichwort bewahrheitet: Das Heilmittel für hohe Preise ist hohe Preise. Die Landwirte werden dem Lockruf des Geldes folgen und jeden cm Boden nutzen, um Getreide darauf anzupflanzen. Sofern nicht irgendeine Naturkatastrophe die Ernten zerstört, werden demzufolge erneut Rekordernten eingebracht werden, und das reichhaltige Angebot dürfte der beste Garant dafür sein, dass wir das Getreide im kommenden Frühjahr preiswerter werden einkaufen können als es heute der Fall ist.

Die Fleischpreise werden auch weiter steigen, und klettern bereits in diesem Jahr. Über einen Zeitraum von 25 Jahren betrachtet, können wir bereits jetzt Rekordpreise für Rindfleisch verbuchen. In diesem Szenario können wir davon ausgehen, dass die besten Spiele die Tyson Foods der Welt sein werden, die das Korn der Welt in Fleisch verwandeln.

Gutes Investieren!


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Bildquelle:
Getreide - Jan Freese / pixelio.de


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