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Gold – noch viel Luft bis zur angekündigten ultimativen Anlagenblase

Von: A. Radan - 29.07.2010


"Gold hat funktioniert seit Alexanders Zeit...
Wenn etwas zweitausend Jahre lang gültig ist,
glaube ich nicht, dass dies so sein kann aufgrund von Vorurteil oder irrtümlicher Theorie
".
Bernard Baruch


Soros und sein Kauf der ultimativen Anlagenblase

George Soros hatte Ende Januar 2010 für Aussehen auf dem Goldmarkt gesorgt, als er anlässlich des 40. Weltwirtschaftsforums in Davos erklärt hatte, bei Gold handle es sich um die 'ultimative Anlagenblase' ('ultimate asset bubble'). Zur Verdeutlichung hier der vollständige Satz: "Wenn Zinssätze niedrig sind, haben wir Bedingungen, in denen sich für Anlagenblasen entwickeln können, und sie entwickeln sich im Moment. Die ultimative Anlagenblase ist Gold."

Sehen Sie dazu unter diesem Link auch das vollständige 4:47 minütige CNBC Interview mit George Soros in Davos im Januar 2010: http://www.telegraph.co.uk/finance/financetopics/davos/7092110/Davos-2010-George-Soros-interview.html.

Infolge der markanten Formulierung von Gold als ultimativer Anlagenblase sahen sich die Protagonisten von Gold Im Nu veranlasst, engagierte Erklärungen zur Verteidigung des kostbaren Edelmetalls abzugeben, denn sie hatten Soros‘ Äußerung als Warnung verstanden, besser nicht in das gelbe Metall zu investieren. Das wiederum bewegte seine Kritiker, erst recht in die Offensive zu gehen und die vermeintlich drohenden Gefahren eines Goldinvestments heraufzubeschwören.

Ende März konnten wir dann berichten, dass sich George Soros mit seinem Soros Fund Management LLC bereits Ende 2009 mit Gold im Wert von ungefähr 663 Millionen $ eingedeckt hatte, wodurch sich sein Anteil am größten börsennotierten Goldfonds der Welt, dem SPDR Gold Trust, in etwa verdoppelt hat [Soros, das Gold und 'Die ultimative Bubble'].

Ganz offensichtlich hat es sich bei Soros 'ultimativer Anlagenblase' also weniger um eine Warnung gehandelt, sondern vielmehr um eine Erläuterung seines zuvor getätigten Investments in Goldbarren.

Nun, Gold hat im Laufe der Jahre schon viele Prädikate erhalten: Anlage der letzten Zuflucht, des ultimativen sicheren Hafens, der Investition von Königen und der König der Anlagen. Die 'ultimative Anlagenblase‘ ist ein Novum. Realistisch betrachtet, womit haben wir es denn nun tatsächlich zu tun?


Die drei Phasen des Run auf Gold

In derselben Rede in Davos im Januar 2010 hatte Soros ebenfalls klargestellt, dass der Kauf am Beginn einer Bubble "vernünftig" sei.

Hierzu sollten wir festhalten:

„Es wird einen globalen Run auf Gold geben [also einen großen Ansturm wegen drohender Knappheit (in einer krisenhaften Situation), so die Definition des Duden Fremdwörterbuchs].

Aber dieser Run passiert nicht einfach so. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass jeder Bullenmarkt boersenlexikon/b/news/bullenmarkt/  beim Gold in drei, sich klar voneinander abgrenzenden Phasen mit unterschiedlichen Schwerpunkten abläuft:

  • Phase Eins:  Abwertung der Währung.
  • Phase Zwei: Investmentnachfrage.
  • Phase Drei:  manischer Kaufrausch, der in einer Bubble gipfelt.“

[Mehr dazu in unserem Artikel Die Gold Bubble - ihre Katalysatoren, ihr Potential]


Goldanalyst Jeffrey Nichols kommentiert Soros Etikettierung der ultimativen Anlagenblase weise und differenziert wie folgt: "Vielleicht denkt Soros, dass Gold eine Bubble bilden würde, aber die Blase wird eine ganze Zeit lang dauern, und er will davon profitieren. Wir könnten eine Bubble haben, aber Gold kann 2.000 $ oder 3.000 $ erreichen, bevor es vorbei ist."

Die Börsenmanie, die 2000 endete, erreichte im Laufe ihrer Entwicklung eine 14-fache Steigerung. Wenn wir diesen Bubble-Verlauf auf den Goldmarkt übertragen, würde Gold – ausgehend von rund 260 $/Unze als Ausgangswert – noch auf nahezu 3.500 $ pro Unze klettern müssen, bevor man ernsthaft von einer Blase sprechen könnte, die zu platzen droht.

Für diejenigen, die wie George Soros die längerfristige Natur von Marktströmungen verstehen, sieht Gold wahrscheinlich sehr attraktiv aus, weil es in die zweite Phase des gegenwärtigen Haussemarkts eintritt.


Gold als konservative Absicherung

Soros ist in der Vergangenheit mit hochspekulativen Wetten zu Bekanntheit und Vermögen gelangt. So hat er im September 1992 gegen das britische Pfund Sterling gewettet und geliehene Pfund in andere europäische Währungen, hauptsächlich Deutsche Mark und Französische Franc eingetauscht.

Mit seinem Goldkauf Ende 2009 hat er sich zu einer eher konservativen Annäherung an den Markt entschieden und das Gold in seiner physischen Form zu kaufen durch einen börsennotierten Fonds. Das lässt darauf schließen, dass es sich bei diesem Kauf, was sowohl die Form als auch die Substanz anbelangt, eher um eine klassische Absicherung handelt als um eine spekulative Wette. Pressemeldungen zufolge machen seine Gold Anschaffungen soweit ungefähr 10% seines gesamten Portfolios aus. Das ist übrigens auch das Verhältnis, das Neulingen unter den Privatinvestoren empfohlen wird, die zur Absicherung ihres Vermögens in den Goldmarkt einsteigen.


Haussemärkte bei Gold und Aktien

Seit dem Beginn der Fiat Money Ära in 1971 haben sich Gold- und Aktienmärkte mit ihren Haussemärkten abgewechselt, wobei der Wechsel immer dann erfolgte, wenn der Pendel von guten Zeiten zu schlechten Zeiten umgeschwungen ist.

Dieses Chart zeigt Ihnen die Gold Haussemärkte von 1970 bis 2010:


Quelle: www.usagold.com


Den ersten registrierten Haussemarkt hatte Gold von 1971 bis 1980 zu verzeichnen. Die Vorbereitungen dazu waren aber bereits seit 1965 im Gange, insofern könnten diesem zehnjährigen Haussemarkt weitere sechs Jahre hinzugefügt werden. Da der Goldpreis vor 1965 offiziell festgesetzt wurde, hat sich der Mehrbedarf seitens der Privatinvestoren als auch der Nationalstaaten nicht im Preis widergespiegelt. Die Aufschläge auf allgemein gehandelte Goldmünzen stiegen jedoch zuweilen bedeutsam.

Von 1982 bis 2000 waren dann die Aktien am Ruder (mit dem breiter angelegten S&P500 Index als Messlatte) - ein achtzehnjähriger Haussemarkt. Sehen Sie hierzu das Chart des S&P500 von 1955 bis 2010:



Jetzt ist wieder Gold an der Reihe unter Umständen, die nicht unähnlich sind denen der Krisen geschüttelten 1970er-1960er Jahre. Die meisten Analysten legen 2001 als das erste Jahr des gegenwärtigen Bullenmarkts fest, was 2010 zum zehnten Jahr des Aufwärtstrends macht.


Die weltweiten Goldbestände

Angesichts des derzeitigen Booms, wobei der Höchstpreis im Juni für gerade einmal 31,1 Gramm Gold bei knapp über 1.250 $ lag, auf der einen Seite und der schon seit Jahren rückläufigen Minenproduktion auf der anderen Seite nehmen viele Goldhändler schon seit Wochen keine Bestellungen mehr entgegen. Da drängt sich dem Beobachter der Szene unweigerlich die Frage auf, ob unsere weltweiten Goldbestände womöglich bald erschöpft sind.

Mit 82,1 Mio. Unzen erreichte Gold 1999 ein Rekordniveau. Dann war die Minenproduktion jedoch bis 2008 konstant rückläufig. Im Krisenjahr 2009 war erneut ein signifikanter Anstieg zu verzeichnen. Das Niveau des Rekordjahrs 1999 wurde noch nicht wieder erreicht. Aber die Minenbetreiber sind nicht untätig. Allein in den vergangenen Jahren wurden bereits Milliarden in die Entdeckung und Entwicklung neuer Goldvorkommen investiert, um den weltweiten Bedarf decken zu können.


Fazit

Die Preisentwicklung der kommenden Jahre wird von diesen beiden Faktoren abhängen: Zum einen, inwieweit es den Minenbetreibers gelingt, neue Goldvorkommen zu entdecken beziehungsweise die Entwicklung der bereits entdeckten Goldvorkommen noch effizienter zu gestalten.

Zum anderen, wie sich die künftige Nachfrage entwickeln wird. Hier haben wir zwar inzwischen Phase Zwei erreicht in Form von gesteigerter Investmentnachfrage.  Aber von Phase Drei, dem manischen Kaufrausch, der in einer Bubble gipfelt, kann bei Weitem noch nicht die Rede sein.

Ein steigendes Interesse bei nur geringfügig steigendem Angebot wird zwangsläufig zu einer weiteren Preissteigerung führen. Der gegenwärtige Preis liegt bei 1.163,85 $/Feinunze, was noch viel Spielraum nach oben lässt für einen neuen Rekord.

Gutes Investieren!


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