
Wussten Sie, dass es eine Bank der Zentralbanken gibt, sozusagen eine Hyperbank auf dem internationalen Spielfeld der Finanzexperten? In dieser ihrer Funktion als Bank der Zentralbanken verwaltet sie Teile der Währungsreserven zahlreicher Länder und internationaler Finanzinstitutionen. Die Rede ist von der BIZ, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Bank for International Settlements - BIS), die ihren Sitz in Basel in der Schweiz hat.
Es braucht schon Einiges, um dem soliden alten Goldmarkt einen Schrecken einzujagen. Und genau das ist letzte Woche geschehen, als nämlich bekannt wurde, dass eine Bank oder vielleicht auch mehrere Banken der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich 380 Tonnen Gold als Gegenleistung für Fremdwährungen (hauptsächlich US-Dollars) geliehen hatten. Wow - was für ein Effekt auf diese Nachricht: ein faszinierend zu beobachtendes Gemisch aus Verblüffung, Verwirrung, Bestürzung, Verunsicherung.
Immerhin geht es bei diesem Transfer nicht um Peanuts. Vielmehr handelt es sich um 20% der jährlichen Goldproduktion auf dem ganzen Planeten. Stand jetzt etwa ein Ausverkauf bevor?
Stellen Sie sich vor, Sie wachsen mit der beruhigenden Gewissheit auf, dass Mama und Papa, sollte wirklich einmal Not am Mann sein, immer noch das kostbar gehütete goldene Besteck ganz unten in der untersten Schublade des Wohnzimmerschranks aufbewahren. Und plötzlich stellen Sie fest, dass Onkel Hugo alles weggegeben hat. Da kann einem schon der Schreck in die Glieder fahren.
Der Goldpreis reagierte dann auch prompt mit dem kurzen Einbruch, den Sie auf diesem Chart sehen können, auf unter 1.200 $ zum ersten Mal in mehr als einem Monat fiel:

Quelle: http://www.ariva.de
Diese BIZ gab in ihrem Jahresbericht 2010 mit einem winzigen Kommentar ihr ungewöhnlich großes Holding von Gold bekannt, das noch im letzten Jahr aus NULL bestanden hat: "Gold, das die Bank im Zusammenhang mit Goldswap-Operationen halte, gemäß denen die Bank Währungen gegen physisches Gold austauscht, beläuft sich auf 8.160,1 Millionen in Sonderziehungsrechten, entsprechend 346 Tonnen in diesem Jahr, ein Anstieg von Null in 2009."
Rein theoretisch, hypothetisch, die BIZ würde ihren gewaltigen geheimen Goldspeicher nehmen und im Falle, dass ein Darlehensnehmer in Verzug geriete, diese Holdings dann angreifen und den Markt damit überschwemmen... Immerhin scheint die BIZ bereits 14 Milliarden $ für solch ein Swapping aufgebracht zu haben, auch wenn nicht bekannt ist, wer diese Swap Transaktion getätigt hat. Gar nicht auszudenken, was dann auf dem weltweiten Goldmarkt geschehen würde, der naturgemäß relativ winzig ist im Vergleich zu den meisten anderen Märkten.
Im Grunde hält uns die BIZ mit dieser Transaktion vor Augen, wie Gold - ganz diskret und sozusagen durch die Hintertür - zu Geld gemacht wird. Ein Wegweiser für die künftige Entwicklung von Gold als Währung der Zukunft?
Seit der Veröffentlichung des Jahresberichts Anfang Juli soll das Gold-Holding der BIZ gar auf 382 Tonnen geklettert sein. Kein Wunder angesichts dieses Signals.
Unter Swaps verstehen wir Finanzinstrumente, die den Austausch einer Anlage gegen eine andere ermöglichen. In dem obigen Beispiel wird als Gold gegen die Währung einer Nation getauscht.
Es gibt ein internationales Abkommen zwischen den Zentralbanken einer Reihe von Nationen, das den Wert der Goldreserven stabilisieren soll, das sogenannte Central Bank Gold Agreement - kurz CBGA. Das erste solche Abkommen wurde 1999 geschlossen, CBGA II folgte in 2004 und CBGA III ist seit September 2009 in Kraft mit insgesamt 18 daran beteiligten Zentralbanken, darunter auch die Deutsche Bundesbank. Swaps sind jedoch nicht Teil dieser Verträge, weshalb sie auch ohne Einschränkungen durch deren Regulierungen durchgeführt werden können.
Normalerweise werden Goldswaps zwischen Zentralbanken vorgenommen: Eine Zentralbank tauscht Devisendepots (oder andere Reserveanlagen) gegen Gold. Dieser Transfer wird besiegelt mit einer Vereinbarung, die die Abwicklung der Transaktion an einem vereinbarten zukünftigen Datum zu einem vereinbarten Preis festlegt.
Der Währungsbehörde, die die Fremdwährung erwirbt, erstehen natürlich auch Kosten in Form von Zinsen auf die erhaltene Fremdwährung. Allerdings liegen die Zinssätze zurzeit sehr niedrig. Goldswaps werden in der Regel getätigt, wenn die betreffende Zentralbank zwar Devisen haben will, aber dennoch ihren Goldbestand nicht gänzlich verkaufen möchte. Es ist also im Prinzip genau so, als wäre Hugo gerade knapp bei Kasse und bringt deshalb die kostbare goldene Taschenuhr seines Opas vorübergehend ins Pfandhaus, um seine akute Liquiditätskrise zu überbrücken. Und sobald Hugo seinen finanziellen Engpass überwunden hat, holt er sich die Uhr zurück.
Das Wall Street Journal musste seinen Artikel von letzter Woche korrigieren, dass die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich diese Gold-Swaps mit Zentralbanken durchgeführt habe, nachdem die BIZ in einer e-mail erklärt hattee: "Bei den betreffenden Operationen handelte es sich um reine Marktoperationen mit Geschäftsbanken".
Das wird dann auch so sein. Allerdings ist keine einzelne Geschäftsbank bekannt, die über ein derart gigantisches Volumen Gold von 382 Tonnen verfügen könnte. Das schließt allerdings nicht unbedingt aus, dass sich beispielsweise Geschäftsbanken zusammengetan und/oder im Auftrag einer Zentralbank agiert haben, die es vorzog, sich diskret im Hintergrund zu halten.
Die BIZ hat das Gold zur Aufbewahrung erhalten für die Nation, die die Fremdwährung für die Dauer des Swaps benötigt. Solche Swaps können erneuert werden, sobald die Zeit ausläuft, folglich lässt sich die endgültige Dauer des Swap unmöglich vorhersagen. Die Zentralbank, die den Swap getätigt hat, würde sicher sein müssen, dass sie die Währungen würde zurückgeben können, um das Gold an einem künftigen Zeitpunkt zurückzubekommen. Angenommen, dieser Swap-Partner der BIZ würde in Verzug geraten, dann - und nur dann - könnten die BIZ sich daran machen und das Gold dieses Swap-Partners verkaufen. Ein solcher Verkauf von Gold auf dem freien Markt würde keinesfalls heimlich vonstattengehen können, sondern würde unweigerlich durch die Medien publik gemacht beziehungsweise vom WCG (World Gold Council), der BIZ oder dem IWF (Internationalen Währungsfonds) berichtet werden.
Die Finanzkrise hatte sehr viele sehr weitreichende Auswirkungen. Dazu gehören auch die rückläufige Anzahl von kreditwürdigen Geschäftspartnern und die Reduzierung der Kreditrahmen, die diese Geschäftspartner anbieten können.
Angesichts der Schuldenkrise in Griechenland und der damit eingehenden Befürchtungen der Banker im Hinblick auf Kreditrisiken und Überschuldungsprobleme, ist das durchaus von Belang. Eine derart überschuldete Nation, wie es im Falle von Griechenland der Fall ist, stellt ein unerhörtes Kreditrisiko dar. Einer solchen Nation Kredite zu gewähren, ist grundsätzlich nicht vertretbar - es sei denn, diese Nation verfügt über Goldreserven, die als Sicherheit dienen und mittels eines Gold-Swaps zu Geld gemacht werden können. Der Darlehensgeber, in diesem Fall die BIZ, hat also ein eklatant verringertes Kreditrisiko. Zumal das Gold auf zugewiesenen Konten, üblicherweise bei der Bank von England, aufbewahrt werden kann. Solange das Währungsdepot besteht, wird es mit Gold abgesichert.
Dieser Weg steht grundsätzlich jedem Land offen, sei es nun Irland, Portugal, Spanien, Italien, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten. Gemäß den Bestimmungen für die Euronationen dürfen aus fiskalischen Gründen zwar keine Verkäufe getätigt werden, aber bei Swaps handelt es sich eben nicht um Verkäufe, sondern um zeitlich befristete Tauschgeschäfte.
Wenn sich eine Nation dieser Swaps bedient, ist das andererseits natürlich auch ein Hinweis darauf, dass sie ansonsten nicht genügend Sicherheiten zu bieten hatte und deshalb gezwungen war, auf das Gold zurückzugreifen. Das lässt darauf schließen, dass die Situation dann wohl schon sehr ernst sein muss. also durchaus ein markanter Indikator für ein gefährdetes Geldsystem.
Gold ist seit Jahrtausenden als Währung eingesetzt worden und diente im Rahmen des Goldstandards als transportable, universelle und stabile Einheit zur Wertbestimmung, ist dann aber lange Zeit nicht mehr im Rennen gewesen.
Die Goldswap Transaktionen der BIZ können durchaus als Meilenstein betrachtet werden, dass Gold wieder auf das internationale Spielfeld vorrückt und sich erneut seinen Platz im Geldsystem erobert.
Ein "Swap" könnte der erste verzweifelte Schritt einer überschuldeten Nation sein, wobei die tauschende Bank hofft, dass sie in der Lage sein wird, die Devisen zurückzuzahlen. Sollte sie jedoch in Zahlungsverzug geraten, könnte sich die BIZ vor die Entscheidung gestellt sehen, entweder das als Sicherheit hinterlegte Gold zu vereinnahmen oder es zu verkaufen. Wie immer diese Entscheidung dann ausfiele und wie immer man es betrachtet, Gold ist wieder ein aktiver Mitspieler in unserem Geldsystem!
Gutes Investieren!

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