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Dieses Mal ist alles anders: Acht Jahrhunderte Finanzkrisen - Buchtipp

Von: Finanzbuch-Redaktion - 31.01.2011

So schlimm war es noch nie“, „Das ist die schlimmste Wirtschaftskrise aller Zeiten“ – diese und ähnliche Aussagen werden Sie häufig von den Leuten zu hören bekommen. Dass es sich für die Menschen subjektiv so anfühlen mag, sei unbestritten. Aber entspricht es wirklich den Tatsachen?

Tatsächlich hat es so schlimme Zeiten bereits gegeben. Sie mögen es wahrscheinlich kaum glauben, aber in der Tat hat es allein seit dem Zweiten Weltkrieg 18 bedeutende Finanzkrisen wie die heutige Krise in den USA gegeben.

Dazu zählt die Bubble Economy des japanischen Aktien- und Immobilienmarkts der zweiten Hälfte der 1980er Jahre, die 1990 platzte und zum sogennannten „verlorenen Jahrzehnt“ in Japan führte. Ferner die Asienkrise, die 1997 einsetzte, sowie die Argentinienkrise 2001 und noch einige mehr.

Soweit es die Vergangenheit anbelangt, könnte man sich natürlich auf den Standpunkt stellen, passiert ist passiert, lässt sich halt nicht mehr rückgängig machen. Wie dem auch sei, entscheidend ist, was wir für die Gegenwart und Zukunft daraus lernen.

In der Tat lassen sich anhand der Ereignisse der Vergangenheit Durchschnittswerte bestimmen wie beispielsweise, wie lange die Krisen angehalten haben, wie stark die Preise für Immobilien und Aktien gefallen sind, welches Ausmaß die Arbeitslosigkeit angenommen hat, wie hoch die Staatsverschuldung war, und dergleichen.

All diese Fragen wurden untersucht. Und dabei hat sich gezeigt, dass das Ausmaß der derzeitigen Krise in den USA tatsächlich den Durchschnittswerten jener 18 anderen Krisen entspricht. Das mag manchen von Ihnen überraschen, aber die Ergebnisse scheinen eindeutig.

Wenn all diese Parallelen zwischen der gegenwärtigen Krise in den USA und den Krisen der Vergangenheit sich in der Praxis erhärten, dass sieht es in der Tat so aus, als sei das Schlimmste bereits überstanden.

Das ist jedenfalls das Ergebnis, zu dem die Wissenschaftler Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff in ihrem Buch Dieses Mal ist alles anders: Acht Jahrhunderte Finanzkrisen kommen.

Ihren Untersuchungen zufolge sind die Immobilienpreise bei diesen 18 Finanzkrisen in der Nachkriegszeit durchschnittlich 35% gefallen, und zwar über einen Zeitraum von durchschnittlich sechs Jahren. Bislang beträgt der Preisverfall für Wohnimmobilien in der gegenwärtigen Krise der USA ungefähr 31%. Und die letzte Preisspitze liegt fast vier Jahre zurück.

Somit bietet sich die Schlussfolgerung an, dass das Schlimmste tatsächlich überstanden sein könnte. Das gilt auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Autoren inflationsbereinigte Preise verwenden, während sich die Angaben der Gegenwart auf den tatsächlichen Preisen basieren. Angesichts der niedrigen Inflationsrate in den USA ist dies jedoch nicht weiter relevant.

Die Recherchen von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff ergaben bei den Aktienpreisen einen Rückgang von durchschnittlich 56% über durchschnittlich 3,5 Jahre. Die US-Börse ist in nur 18 Monaten um 57% gefallen. Seit der Talsohle in 2009 hat sie sich allerdings inzwischen wieder annähernd verdoppelt. Ein derart rasanter Anstieg von ganz unten lässt darauf hoffen, dass das Schlimmste tatsächlich überstanden ist.

Einen weiteren Anhaltspunkt finden die Autoren in der Arbeitslosenquote, die in den Krisen der Vergangenheit gewöhnlich um sieben Prozentpunkte zulegte, wobei die Spitze in gut vier Jahren erreicht worden war. Bei der gegenwärtigen Krise sind die vier Jahre inzwischen erreicht und die Arbeitslosigkeit ist um 5,2 Prozentpunkte gestiegen.

Einen weiteren Hinweis finden die Autoren in der Staatsverschuldung, die den Untersuchungen von Reinhart und Rogoff zufolge "dazu neigt zu explodieren". Hier gab es in Krisen durchschnittlich einen 86% Anstieg. Das gegenwärtige Bild der USA weist seit Ende 2006 eine „Explosion“ von 62% auf. Die Ursachen für den Anstieg der Staatsverschuldung sehen die Autoren nicht in den Kosten für Sicherheitsleistungen (Bailouts), wie man annehmen könnte, wenn man sich die Medienberichterstattung der letzten Jahre vor Augen hält. Nein, sie vertreten den Standpunkt, den stärkten Auftrieb erhielte die Staatsverschuldung durch den unvermeidlichen Zusammenbruch bei den Steuereinnahmen.

Sie sehen also, weltweit betrachtet bieten die Finanzkrisen dieser Welt eine Menge Anschauungs- und Vergleichsmaterial, um Rückschlüsse zu ziehen für unsere gegenwärtige Situation.

Und wenn wir den Untersuchungen und Auswertungen von Reinhart und Rogoff Glauben schenken dürfen, und unseres Wissens spricht nichts dagegen, dann entspricht die gegenwärtige Krise der USA – verglichen mit den anderen bedeutenden 18  Finanzkrisen der Nachkriegszeit – weitgehend den Durchschnittswerten.

Sicherlich gibt es keine Garantie dafür, dass es nicht doch noch schlimmer werden könnte. Aber Einiges spricht dafür, dass die Autoren Recht haben mit ihrer Einschätzung und das Schlimmste tatsächlich bereits hinter uns liegt.

Jeder, der sich nicht scheut, sich durch eine Fülle mehr oder weniger trockenen wissenschaftlichen Materials und Statistiken hindurchzuarbeiten im Hinblick auf die unterschiedlichsten Formen von Krisen - Inflationskrisen, Währungszusammenbrüche, Währungsabwertungen, Bankenkrisen, Auslandsschuldenkrisen und Inlandsschuldenkrisen, Subprime-Krise - wird in diesem Buch einen wahren Fundus an akribisch zusammengestelltem empirischen Material vorfinden. Und er wird u.a. auch lernen, was diese unterschiedlichen Formen von einander unterscheidet und woran er sie jeweils erkennen kann.

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