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Die Hyperinflation

23.02.2011
50 Millionen Mark

Die Sicht des Ökonomen Costantino Bresciani-Turroni


Folgendes Zitat des italienischen Ökonomen Costantino Bresciani-Turroni aus der Sicht von 1931 bietet uns eine eindrucksvolle Beschreibung der Hyperinflation der Weimarer Republik und könnte in absehbarer Zeit in erschreckender Weise erneut an Aktualität gewinnen:

„Die Inflation verzögerte die Krise nur. Als sie später doch ausbrach, wurden Millionen Menschen arbeitslos. Aufgrund der Divergenz des Außenwertes der Mark und ihres inländischen Wertes stimulierte die Inflation zunächst die Produktion. Aber später überwog zunehmend ihr unvorteilhafter Einfluss. Sie brachte die Produktion durcheinander und setzte ihr Grenzen. Sie zerstörte das Sparen; sie verhinderte eine Reform des Staatshaushalts auf Jahre hinaus; sie blockierte die Lösung des Kriegsreparationsproblems; sie zerstörte die nicht quantifizierbaren moralischen und intellektuellen Werte; sie führte zu einer radikalen Umwälzung der sozialen Ordnung, indem eine kleine Minderheit zu Wohlstand kam und eine Klasse von Thronräubern des nationalen Wohlstands entstehen konnte, während Millionen völlig verarmten.

Die Inflation wurde zur größten Sorge und Qual unzähliger Familien; sie vergiftete das deutsche Volk, indem sie in sämtlichen sozialen Klassen den Geist der Spekulation entfachte und die Menschen von einer ordentlichen und regelmäßigen Arbeit abhielt; schließlich war die Inflation die Quelle nicht endenden politischen und moralischen Aufruhrs.

Vor diesem Hintergrund ist es leicht verständlich, warum die Erinnerung an die traurigen Jahre von 1919 bis 1923 immer wie ein Alptraum auf dem deutschen Volk lasten werden.“


Zu diesen Erläuterungen dürfte auch folgende Ausführung interessant sein, die im FOCUS-MONEY bereits im Januar 2004 erschienen ist:

„Auch Reflationierung ist Inflationierung“, stellt Thorsten Polleit klar. Der Chefökonom Deutschland von Barclays Capital sieht Parallelen zu der inflationären Ära vor 30 Jahren. „Die aufgelaufene Überschussliquidität – das heißt die noch nicht durch einen Produktions- und Preisanstieg absorbierte Geldmenge – wächst derzeit so stark wie seit den 70er-Jahren nicht mehr“, erklärt Polleit.

Preissteigerungspotenzial baut sich auf. Vereinfacht bedeutet dies, dass die Geldmenge Jahr für Jahr stärker als die produzierte Gütermenge wächst und sich dadurch immer mehr Inflationspotenzial aufbaut. Das Geld findet derzeit zwar nicht seinen Weg an den Gütermarkt. Doch bereits vor mehr als 70 Jahren stellte der Ökonom Costantino Bresciani-Turroni in seinem Standardwerk mit dem Titel „The German Inflation“ fest, dass sich eine solche Entwicklung zuerst im Sachvermögen ablesen lässt. Niedrige Zinsen treiben den Wert von Immobilien und Aktien nach oben. Erst mit zeitlicher Verzögerung werden mit dem zusätzlichen Geld Konsumgüter nachgefragt. Dann steigen auch deren Preise.“

Inflation Wachsende Gefahr
Freitag 02.01.2004, 00:00 · von Jürgen Koch
FOCUS-MONEY | Nr. 2 (2004)


Costantino Bresciani-Turroni (1882-1963)

„Costantino Bresciani-Turroni wurde am 26. Februar 1882 in Verona geboren, promovierte zum Doktor der Rechtswissenschaft an der Universität Padua und begab sich dann mehrmals und für längere Zeit nach Deutschland, um sich in Statistik und in der Wirtschaftswissenschaft zu vervollkommnen. In diesen beiden Disziplinen, denen er sein ganzes Leben widmen sollte, erwarb er sehr bald hohes Ansehen und wurde schon in jungen Jahren auf einen Lehrstuhl berufen. Von 1909 bis 1957 war er Professor in Italien, zuerst für Statistik an den Universitäten Palermo und Genua und dann für Wirtschaftswissenschaft an den Universitäten Bologna und Mailand. Diese Lehrtätigkeit wurde durch einen längeren Aufenthalt an der ägyptischen Universität Kairo unterbrochen. Die italienische Regierung hatte ihn ermächtigt, zeitweilig dorthin zu gehen, um Wirtschaftswissenschaft zu lehren. Die ägyptischen Behörden haben ihn dann zwölfmal in diesem Amt bestätigt.

Die Frucht seines sehr reichen und ganz hervorragenden wissenschaftlichen Wirkens besteht aus Aufsätzen in Zeitschriften und umfangreichen Werken; insgesamt sind es mehr als zweihundert Arbeiten. Dank seiner gründlichen Kenntnis der theoretischen Nationalökonomie und seiner vollständigen Beherrschung der statistischen Methoden und der neueren Techniken der ökonometrischen Analyse sind seine Arbeiten zum großen Teil das Ergebnis dieser beiden glücklich miteinander verschmolzenen Disziplinen. Sie haben deshalb den Vorzug einer genauen, auf den Tatsachen des wirklichen Lebens gegründeten Formulierung und einer strengen Gedankenführung. Die Tatsachen des wirklichen Lebens, auf denen sie basieren, sind größtenteils den Erfahrungen der deutschen Wirtschaft entnommen, die er eingehen studiert und gründlich gekannt hat...“

Anmerkung: Aus dem italienischen Manuskript übersetzt im Institut für Weltwirtschaft von Otto Iden.
Quelle: Weltwirtschaftliches Archiv Bd. XCII.
http://www.jstor.org/pss/40436145

* * *

Bresciani Turroni, Costantino

Ital. Ökonom und Statistiker *26.2.1882 Verona †Dez. 1963 Mailand

1920–1929 Finanzberater der Repko in Paris und Berlin

1927–1940 Lehrtätigkeit an der Universität Kairo

1945–1947 Präsident der Banca di Roma

1948–1952 Exekutivdirektor der Weltbank

1953/1954 Außenhandelsminister

Quelle: http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0021/adr/adrag/kap1_2/para2_310.html



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