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Der US-Dollar – ein fallender Stern am Firmament

Von: A. Radan - 20.07.2010


Eine Illusion zu verlieren macht einen weiser als eine Wahrheit zu finden.”
Ludwig Borne


Dem US-Dollar fällt immer noch das stärkste Gewicht zu, wenn die Zentralbanken die Reserven zuteilen. Aber seine Tage scheinen gezählt.

In einem kürzlichen Artikel im Business Insider mit dem Titel Morgan Stanley: Central Banks Have Begun Ditching The Dollar Again... (Zentralbanken haben angefangen, sich wieder einiger Dollars zu entledigen...) bestätigt sich durch Morgan Stanley Analyst Emma Lawson, was eh schon seit geraumer Zeit durch das Analysten- und Medien-Universum schwirrt und für Unruhe auf den Devisenmärkten sorgt: Der einstige Status des US-Dollar als globale Reservewährung bröckelt immer mehr.

So erfuhren wir bereits Ende Juni 2010 bei CNN Money.com, dass die russische Zentralbank auch in diesem Jahr noch Gold gekauft hat. Allein im letzten Quartal erfolgte eine Aufstockung um 26,6 Tonnen, wodurch Russlands Holdings auf mehr als 668 Tonnen angestiegen sind. Und Russland steht damit beileibe nicht allein. Andere Länder haben ebenfalls ihre Holdings in Edelmetallen aufgestockt, wie beispielsweise China, Venezuela und Indien. Indien hat allein im November 2009 bemerkenswerte 200 Tonnen gekauft!

Von dem nachlassenden Vertrauen in den US-Dollar profitiert also vor allem Gold. Das World Gold Council verkündete dann auch im Februar 2010 in einem Bericht über Gold, Währungen und die Geldmenge, ‚Gold stelle eine starke negative Korrelation zum Dollar zur Schau.‘

Allerdings scheint sich das Misstrauen gegenüber dem US-Dollar inzwischen noch weiter vertieft zu haben. Und zwar so sehr, dass die Zentralbanken nicht nur Gold den Vorzug geben gegenüber dem U-Dollar. Offensichtlich scheinen sie – gemäß Emma Lawson - inzwischen auch andere Währungen zu favorisieren.

Sie stellte fest, dass Zentralbanken ihre Zuteilung zu US-Dollars um fast einen vollen Prozentpunkt von 58,1% auf 57,3% gesenkt hätten, und bezeichnet das als "unerwartet angesichts der globalen Umgebung." Sie ergänzt die Beobachtung mit dem Hinweis: "Mit der Zeit sehen wir es kommen, dass Reserve-Manager ihre Holdings vielleicht noch weiter reduzieren".

Wenn Zentralbanken sich früher mit Devisen eindecken wollten, haben Sie sich häufig an den Euro, das britische Pfund oder den japanischen Yen gehalten. Der wirklich überraschende Aspekt an der gegenwärtigen Entwicklung besteht darin, dass sich die Banken jetzt an die Dollars aus Australien und Kanada halten. Der 1%-ige Verlust des US-Dollars scheint – zumindest rein rechnerisch betrachtet – in genau diese Währungen zu fließen.

Jetzt ließe sich natürlich argumentieren, dass es sich bei diesen Entscheidungen nur um eine Frage der Diversifikation handelt. Dass mag ja sein, nur Diversifikation hin oder her, es zeichnet sich dennoch ein Trend ab. Und für den US-Dollar bedeutet das den freien Fall seit 2007.

Ende Juni 2010 war bei CNN zu lesen: Dollar should be replaced as international standard, U.N. report says

Es heißt dort:

Der Dollar ist eine unzuverlässige internationale Währung und sollte durch ein stabileres System ersetzt werden, sagte die Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen in einem Bericht ...

Der Gebrauch des Dollars für den internationalen Handel wurde einer verstärkten Untersuchung unterzogen, als die amerikanische Wirtschaft in die Rezession fiel. "Der Dollar hat sich nicht als stabile Wertanlage erwiesen, was ein Erfordernis für eine stabile Reservewährung ist".

In diesen unsicheren, krisengeschüttelten Zeiten muss auch die beste Währung immer wieder neu unter Beweis stellen, dass sie dem steten Druck durch die Ereignisse auf den globalen Märkten standhalten kann. Und der US-Dollar hat diese Tests nicht bestanden, was auch nicht weiter verwunderlich ist angesichts des enormen Drucks, dem der Dollar allein schon in Amerika ausgesetzt ist. Dieser wurde nicht zuletzt verursacht durch ein gewaltiges Defizit aufgrund der gigantischen Kosten für Stimulus-Programme und zwei gleichzeitig geführte Kriege.

Die katastrophale Dämpfung der Konjunktur, die vor zwei Jahren begann, sollte die Weltwirtschaft wachrütteln und ein Zeitalter beenden, in dem Amerikaner zu viel konsumiert und zu wenig gespart und exportiert haben.

Aber der Aufschwung wird angetrieben durch eine Rückkehr zu eben jener globalen Unausgewogenheit, die eine Hauptursache der Krise war. Die Sparquoten der Amerikaner sind im Laufe des letzten Jahres gefallen, die Importe steigen schneller als die Exporte, und Länder auf der ganzen Welt wenden sich wieder den Amerikanern zu als den Konsumenten, wenn alle anderen Stricke reißen.

"Trotz aller guten Worte und guten Absichten befürchte ich, wir gehen zu denselben Zuständen zurück, die uns überhaupt in diese Verwirrung geführt haben", sagte C. Fred Bergsten, Direktor des Peterson Institute for International Economics.

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/07/08/AR2010070806177_pf.html

Im Vergleich zu diesen Belastungen steht Kanada recht gut da. Das Land zählt zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Zwar hinterließ die Weltwirtschaftskrise auch hier ihre Spuren, dennoch können die Finanzen immer noch als kerngesund betrachtet werden, was dem „Loonie“ zugutekommt.

Der australische Dollar ist nahe einem neunmonatigen Höchststand, gestützt durch starke Beschäftigungszahlen. Der „Aussie“, so sein Spitzname, belegte bislang Rang 6 der meist gehandelten Währungen weltweit, hinter dem US-Dollar, dem Euro, dem Yen, dem Pfund Sterling sowie dem Schweizer Franken.

Wenn der angeschlagene US-Dollar mit diesen starken Konkurrenten gleichziehen will, wird noch Einiges geschehen müssen. Nicht zuletzt wird es einiges an Überzeugungsarbeit brauchen, um das lädierte Vertrauen bei Käufern der US-Währung und auch den Bürgern des Landes selbst wiederherzustellen.

Ein kluger vorausschauender Investor, der sich angesichts dieses Spektakels absichern will und dem es jedoch zu nervenaufreibend wird, den Ausgang dieses spannenden Wettkampfs abzuwarten, sollte sich vielleicht doch besser an Gold halten. Denn letztlich ist dieses kostbare Edelmetall langfristig immer noch die ultimative Wertanlage.

Gutes Investieren!


Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Weltkrieg der Währungen: Wie Euro, Gold und Yuan um das Erbe des Dollar kämpfen - und was das für unser Geld bedeutet


Eine weitere Empfehlung:

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