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Deflation oder Inflation, das ist hier die Frage

Von: A. Radan - 07.10.2010
500 Reichsmark

Droht uns nun die Inflation oder die Deflation – das ist hier die Frage. Angesichts der aktuellen Debatten zu diesem Thema scheint es angebracht, diese Problematik aufs Neue zu beleuchten.

Es gibt heutzutage eine ganze Reihe von Experten, die den Standpunkt vertreten, wir werden uns auf eine Deflation einstellen müssen. Zu ihnen zählen renommierte  Wirtschaftwissenschaftler wie Nouriel Roubini, David Rosenberg und Paul Krugman  (Träger des Wirtschaftsnobelpreises 2008) und Fondsmanager wie Bill Gross und Jeremy Grantham. Zum einen sehen sie mit Besorgnis den anhaltenden Schuldenabbau des privaten Sektors in der entwickelten Welt, zum anderen gibt ihnen aber auch die zu geringe Gesamtnachfrage bei den industrialisierten Nationen zu denken. Beide Umstände sprechen sehr dafür, dass wir es in der Folge mit steigender Arbeitslosigkeit sowie einem Preisverfall und einem rückläufigen Investitionsvolumen zu tun bekommen werden, also einer Deflation.

Demgegenüber haben wiederum andere namhafte Marktteilnehmer die Position eingenommen, dass uns eine hohe Inflation oder gar Hyperinflation ins Haus steht. In diesem Lager finden wir Paul Tudor Jones, John Paulson, Jim Rogers, Marc Faber und Peter Schiff.  Diese Franktion geht davon aus, dass die gigantische Überschuldung einerseits und die eklatante Zunahme der Geldmenge durch die auf Hochtouren laufenden Druckerpressen andererseits quasi der Garant dafür sind, dass die Kaufkraft des Geldes schwindet und die Preise steigen werden, also das, was die Inflation kennzeichnet.

Wie ist das nur möglich – Experten, die sich mit derselben wirtschaftlichen Situation konfrontiert sehen und dennoch zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Halten wir uns folgendes vor Augen:

  • Inflation: Geldmenge wie auch die Schulden nehmen zu, Preisniveau steigt.
  • Deflation: Geldmenge wie auch die Schulden nehmen ab, Preisniveau fällt.

Und beachten Sie: Es braucht keine blühende Wirtschaft mit voll ausgelasteten Kapazitäten, damit es zu einer Inflation kommen kann. Simbabwe, das ehemalige Südrhodesien, kann ein Lied davon singen. Diese Nation hat demonstriert, das Hyperinflation tatsächlich auch in Zeiten einer Wirtschaftsflaute möglich ist. Trotz riesiger Produktionslücken, drängender Arbeitslosigkeit und einer bankrotten Wirtschaft  war es hier möglich, massive Inflation zu schaffen.

Anhänger der Inflationsthese gehen davon aus, dass die Wirtschaften der entwickelten Welt in Kämpfe verstrickt wahrscheinlich mehrere Jahre lang schwach bleiben werden. Und sie ziehen auch in Betracht, dass die Gesamtnachfrage in diesen notleidenden Wirtschaften gut unter der verfügbaren Kapazität (Produktionslücke) bleiben wird. Davon abgesehen gehen sie aber auch davon aus, dass die Zentralbanken ihre Fähigkeiten zur Geldschöpfung voll ausreizen werden und dass die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank eine beispiellose Inflation schaffen werden in dem verzweifelten Bemühen, einen staatlichen Verzug zu vermeiden.

Fest steht, dass sich in der öffentlichen Finanzwirtschaft die kurzfristigen Zinssätze in den Vereinigten Staaten und in Europa bereits auf äußerst niedrigen Niveaus befinden. Sollte es trotz dieser losen Geldpolitik dennoch nicht zu einer Inflation kommen, können sie davon ausgehen, dass die Strategie der Quantitativen Lockerung (Quantitative Easing – QE) fortgesetzt werden wird. Das wiederum verwässert die im Umlauf befindliche Geldmenge noch stärker, was wiederum die Kaufkraft des Geldes noch stärker reduziert: Das Geld ist nichts mehr wert.

Im privaten Sektor hingegen war zu beobachten, dass hier auf das Platzen der US-Kreditblase vor zwei Jahren mit einer Rückzahlung der Schulden reagiert wurde, wodurch dann zwangsläufig weniger Mittel für Konsumausgaben zur Verfügung standen, ergo überstieg das Angebot die Nachfrage - die klassischen Merkmale einer Deflation. Viele Wirtschaftswissenschaftler und Investoren fühlten sich durch diese Beobachtungen veranlasst, von der Verfechtung der Inflationsthese zur Verfechtung der Deflationsthese überzuwechseln.

Es lässt sich nicht leugnen, die Deflation hat vorübergehend tatsächlich den privaten Sektor in den Vereinigten Staaten geprägt, die Schulden nahmen ab. Augenscheinlich war diese Periode der Knappheit und Entbehrung jedoch zeitlich befristet, zumindest soweit es diese Statistiken anbelangt. Wie Sie anhand dieses Graphen sehen können, hat der US-Geschäftsbank-Kredit früher in diesem Jahr die Talsohle durchschritten, um dann um ungefähr 400 Milliarden US-$  zu steigen. Das lässt darauf schließen, dass zumindest der private Sektor in den USA nicht länger primär mit dem Schuldenabbau beschäftigt ist, was wiederum auf eine Inflation hindeutet.


US-Bank Kredit dehnt sich aus

schattierte Bereiche markieren US-Rezessionen


Bemerkenswert dürfte an dieser Stelle sein, dass die Geschäftsbank-Kredite in den Vereinigten Staaten zwischen Oktober 2008 und März 2010 abgeschlossen wurden. Und genau in diesem Zeitraum durchbrachen Amerikas Bundesschulden die Schallmauer: Das US-Finanzministerium hat rund 2 Billionen US-$ geliehen. Tatsächlich wurde dadurch die schwelende Deflation gebremst.

Zu keiner Zeit während des Konjunkturrückgangs sind die Gesamtschulden (privater plus bundesstaatlicher Sektor) in den USA kontrahiert. Folglich keine Deflation. Sollte sich der private Sektor jetzt konsequent dem Schuldenabbau widmen, wodurch wiederum weniger Geld für den Konsum zur Verfügung stünde, können wir gewiss sein, dass Mr. Bernanke mit der US-Notenbank die Druckerpressen wieder auf vollen Touren laufen lassen wird.

Die Gesamtverbindlichkeiten der Vereinigten Staaten (einschließlich Sozialversicherung, Gesundheitsfürsorge (Medicare) und Gesundheitsdienst für Bedürftige (Medicaid)) belaufen sich mittlerweile auf rund 800% des Bruttoinlandsprodukts boersenlexikon/b/news/bruttoinlandsprodukt/ (BIP). Bei den US-Bundesschulden war ein Anstieg von über 90% des BIP zu verzeichnen, wie Sie in dem folgenden Graphen sehen können:


US-Bundesschulden als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts

Quelle: IMF


Interessanterweise hat es die US-Regierung bis jetzt geschafft, gigantische Geldmengen zu niedrigen Zinssätzen zu leihen – in der Tat eine beachtliche Leistung. Nicht weniger Beachtung verdient der Umstand, dass die US-Regierung bislang nicht viel Schwierigkeiten gehabt hat Geld zu beschaffen aufgrund der starken Nachfrage nach US-Bundesanleihen. Angesichts all der Krisen, die gerade die USA in den vergangenen Monaten und Jahre zu bewältigen hatten, nötigt es dem verblüfften Beobachter geradezu Bewunderung ab zu sehen, dass die Schuldscheine der US-Regierung offensichtlich immer noch als sicherer Hafen angesehen werden. Egal, was all die Kritiker sagen, irgendetwas müssen sie dann auch sehr richtig gemacht haben.

Aber nichts ist von Dauer. Sollte die Stimmung umkippen und die Kreditwürdigkeit der USA Einbußen erleiden, dann steht zu erwarten, dass die Nachfrage nach Schuldverschreibungen staatlicher Emittenten ebenfalls ins Trudeln gerät. Die Konsequenzen sind vorprogrammiert. Die US-Notenbank wäre gezwungen, neues Geld zu schaffen für das US-Finanzministerium. Da verwundert es nicht weiter, dass die US-Notenbank bereits bekannt gegeben hat, dass sie die Erlöse vom Verkauf ihrer durch Immobilien hypothekarisch besicherten Wertpapiere [mortgage-backed securities] verwenden würde, um US-Schatzscheine zu kaufen. Diese Art Monetisierung von Anlagen könnte sich in nächster Zeit zu einem Modus Operandi entwickeln, möglicherweise nicht nur in den USA.

In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, dass sich Perioden massiver Geldschöpfung inflationistisch auf die Wirtschaften der betroffenen Länder ausgewirkt haben. Sollten sich die Wirtschaften der entwickelten Welt zum Schlechteren wenden, werden wir erleben, dass die Entscheidungsträger der jeweiligen Nationen jede Menge Papiergeld schaffen und in den Wirtschaftskreislauf einfließen lassen werden.

Aber wie es so schön heißt, noch ist nicht aller Tage Abend, und wir sind auch gerne bereit, uns positiv überraschen zu lassen durch einen globalen wirtschaftlichen Aufschwung, der Artikel wie diese überflüssig macht, vorerst zumindest.

Die nachfolgende Tabelle zeigt Ihnen, wie es sich mit den Inflationsraten in den bedeutenden Wirtschaften der Welt verhält.

Es ist beachtenswert, dass es sich bei der in dieser Tabelle erfassten Inflationsrate für jede Nation tatsächlich um den Lebenshaltungskostenindex (VPI) handelt, der die Preiserhöhungen innerhalb einer Wirtschaft bedeutsam herunterspielt. Es steht außer Frage, dass die Mehrheit der Regierungsstellen jahreszeitliche und hedonistische Anpassungen vornimmt, um das Niveau des VPI zu drosseln. Doch trotz dieser Anstrengungen können Sie sehen, dass auch solche 'Wohlfühl' Anpassungen zur Drosselung der berichteten Inflationsrate es nicht verhindern können, dass außer Japan jede Nation zurzeit mehr oder minder mit der Inflation zu kämpfen hat.


Sieht Deflation so aus?


Quelle: Trading Economics


Vertreter der Deflationsthese verfügen möglicherweise über noch ganz andere Daten, die uns derzeit aber nicht zugänglich sind. Die gegenwärtig vorliegenden Daten lassen jedenfalls auf eine Inflation schließen.

In einer Umgebung, in der die Geldentwertung droht, machen alle Wertpapiere, die in irgendeiner Form auf Papiergeld basieren, nicht allzu viel Sinn. Ganz anders verhält es sich hingegen mit werthaltigen Sachwerten wie beispielsweise den Edelmetallen, die auch in einem inflationären Umfeld ihre Position auf dem Markt werden behaupten können.

Gutes Investieren!


Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Die Inflationsfalle: Retten Sie Ihr Vermögen!


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