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Das Phänomen der Silberblase

Von: A. Radan - 09.05.2011

Die Entwicklung des Silberpreises sorgt für erhebliche Aufregung auf dem Edelmetallsektor. Um eine bessere Vorhersage der künftigen Entwicklung zu ermöglichen, wird auch gern ein historischer Rückblick zu Rate gezogen, denn wie so häufig gilt, die Vergangenheit lässt sich zwar nicht ändern, aber man kann zumindest daraus lernen.

So geht Ausgabe Nr. 17 der Welt am Sonntag vom 24. April 2011 unter dem Titel „Wann platzt diesmal die Silberblase? auf die historischen Parallelen zum gegenwärtigen Geschehen am Edelmetallmarkt ein.

Damals waren es zwei Brüder, die es geschafft haben, den Preis von Silber in die Höhe in eine gigantische Spekulationsblase hinein zu treiben:

Die Situation damals, in den 1970-er Jahren: zerrüttete Staatsfinanzen, steigende Preise, verlorengegangenes Vertrauen in Papiergeld – also nicht unähnlich der derzeitigen Situation, besonders in den USA. Edelmetall erscheint als verlockender Ausweg – ein sicherer Hafen-Investment:

„Der Vietnamkrieg war auf Pump finanziert worden, die Goldbindung des Dollar aufgelöst wor­den. 1965 hatte die Preissteigerungsrate noch bei 1,6 Prozent gelegen, 197o er­reichte sie schon 5,8 Prozent und 1974 sogar elf Prozent. „Fast alles ist besser als Papiergeld", sagte damals Nelson Bunker Hunt, Spross einer der reichsten Familien der USA. Sein Vater war in den 30er Jahren durch das Ölgeschäft zu ei­nem Vermögen gekommen. Zeitweise sollen die Hunts sogar reicher gewesen sein als die Rockefellers.

Aus Angst, dieses Vermögen zu verlie­ren, begannen Nelson Bunker Hunt und sein Bruder William Herbert zu Beginn der 70er Jahre, in Silber zu investieren. Gold konnten sie nicht kaufen. Dessen Besitz war in den USA damals noch ver­boten. Und da ihr Vermögen nicht gerade klein war, begnügten sie sich nicht mit ein paar Gramm. Im Jahr 1974 besa­ßen sie schon 55 Millionen Feinunzen Silber (je 31,1 Gramm) - das entsprach rund acht Prozent der gesamten Vorräte. In der Folge hatte sich der Preis bis da­hin bereits vervierfacht, von 1,50 Dollar auf sechs Dollar.“

Und die Brüder Hunt waren umsichtig und schlau. Sie ließen sich ei­nen Großteil ihres Silbers physisch aus­liefern und schafften es außer Landes. Denn schon die Auflösung der Goldbindung des Dollars hatte ihnen vor Augen geführt, zu welch drakonischen Maßnahmen der Staat bereit und imstande war, wenn es denn so in sein Konzept passte. Und sie zogen es  verständlicherweise definitiv vor, ihr Vermögen nicht dem Risiko einer Konfiszierung durch Uncle Sam auszusetzen. Die Aufteilung auf mehrere Tresore in der Schweiz bot ihrer Einschätzung nach einen weit besseren Schutz.

Zunächst passierte nichts Außergewöhnliches und der Silberpreis schaukelte sich langsam hoch auf fünf Dollar, wo er sich erst einmal einnistete. 1979 gab es jedoch ein Fiasko mit den Ölpreisen, was zu einem neuerlichen Anstieg der Inflationsrate führte. Und schon kletterte der Silberpreis erneut in die Höhe. Das weiße Edelmetall erschien jetzt dermaßen attraktiv, dass der Funke auf die ganze Gesellschaft übersprang. Privatinvestoren, Großanleger, sie alle sprangen auf den Silber-Zug auf, woraufhin im Herbst 1979 eine Unze Silber bereits mehr als zehn Dollar kostete.

„Spätestens nun waren auch die Hunts von Gier erfasst. Sie wollten nun nicht mehr nur ihr Vermögen sichern, sondern glaubten auch an zusätzliche Profite. Sie kauften daher weitere 4o Millionen Unzen, diesmal auf Kredit. Das trieb die Preise in exorbitante Höhen, denn sie kontrollierten nun schon große Teile des Marktes, um nicht zu sagen: Sie manipu­lierten ihn: Sie hatten so viel Silber auf­gekauft, dass sie den Markt künstlich verknappt hatten. Am Höhepunkt hatten sie wohl 150 Millionen Unzen (rund 5000 Tonnen) in physischem Besitz und sich zudem noch 200 Millionen Unzen durch Terminkontrakte gesichert. Das entsprach rund der Hälfte der US-Silber­vorräte. Im Januar 1980 erreichte der Preis je Unze dann unvorstellbare 50 Dollar - zehn Jahre zuvor waren es noch 1,50 Dollar gewesen.

Doch das war auch der Anfang vom Ende. Denn nun griff die Börsenaufsicht ein, veränderte die Regularien so, dass die Preise praktisch nur noch sinken konnten. Dies löste bei vielen Investoren Panikverkäufe aus, innerhalb weniger Wochen sank der Kurs fast auf zehn Dol­lar. Die Hunts verloren letztlich fast ihr ganzes Vermögen, mussten 1989 sogar Bankrott anmelden.“


Hier sehen Sie, wie sich der Kurs seinem Rekord von 50 Dollar je Unze nähert, kurz darauf gefolgt von einem dramatischen Crash 1980.


Quelle: http://www.silber.de/


Und jetzt Ende April, also an die dreißig Jahre später, war der Kurs zum ersten Mal erneut auf über 48 Dollar hochgeprescht. Und so rasant, wie der Anstieg vonstatten ging (von 18 Dollar im August 2010 auf über 48 Dollar Ende April 2011 - ein 170%-Gewinn), ist es nicht verwunderlich, dass unweigerlich die Ereignisse der Vergangenheit wieder ins Bewusstsein vordringen.

Allerdings ist diesmal die Entwicklung nicht auf bloß zwei Leute zurückzuführen, sondern die Anlegergemeinde insgesamt, die mit dem Vehikel der Silber-ETFs sozusagen die Rolle der Brüder Hunt übernommen hat. Und was zwei Männer schaffen im Hinblick auf die Beeinflussung des Marktes, schafft eine ganze Herde erst recht.

Die relative Enge des Silbermarktes - er ist rund fünfmal kleiner als der Gold­markt - macht ihn äußerst anfällig für Finanzspekulanten", kommentiert Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der VP Ban, die Entwicklung. Zwar könne sich die Abkoppelung von fundamentalen Faktoren über einen längeren Zeit­raum abspielen. „Sobald jedoch Finanzin­vestoren damit beginnen, ihre Silberpo­sitionen abzustoßen, wird der Preis schnell korrigieren."




Quelle: http://www.ariva.de/


Wie Ihnen dieser Graph zeigt, ist es bereits zu einer Explosion auf dem Silbermarkt gekommen in Form eines dramatischen Falls auf unter 35 Dollar, gefolgt von einem scharfen Anstieg.

Im Handelsblatt war heute unter dem Titel „Bei Silber sind "viele Spekulanten unterwegs" nachzulesen:

„Die Preisschwankungen bei Silber erklärt der Chef des Edelmetallhändlers Heraeus durch Spekulation. Kürzlich kletterte der Preis auf fast 50 Dollar je Feinunze, die industrielle Nachfrage rechtfertige aber maximal 20 Dollar.“

und

„Der jüngste Preissprung bei Silber geht nach Einschätzung von Heraeus in großem Maße auf Geschäfte spekulativ orientierter Investoren zurück. „Die industrielle Nachfrage ist bei weitem nicht to stark gestiegen, wie das der Silberpreis suggeriert“, sagte Firmenchef Frank Heinricht am Montag während der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Das Hanauer Industrieunternehmen ist auch im Edelmetallhandel aktiv. „Aufgrund der erhöhten industriellen Nachfrage wäre ein Silberpreis von zehn bis 20 Dollar je Feinunze gerechtfertigt. Alles was darüber hinaus geht ist durch Spekulation getrieben.“ Die Feinunze Silber verteuerte sich am Montag um 4,5 Prozent auf 37,20 Dollar und erholte sich damit vom jüngsten Kursrutsch.“

Analyst Jeff Clark befürchtet, dass der Silberpreis nach diesem neuerlichen Anstieg noch tiefer fallen dürfte. Seine Einschätzung und sein Rat:

„Zumindest braucht Silber eine Zeit, um seine neuen Gewinne zu konsolidieren. Bestenfalls könnte das Metall hier eine Zeit lang herumhängen und dem 200-tägigen Gleitenden Durchschnitt eine Chance geben, zu steigen und sich näher an den Tagespreis heranzubewegen. Der Grenzfall ist, Silber könnte auf eine scheußliche Korrektur zusteuern.

Egal wie, wenn Sie daran denken Silber zu kaufen, werden Sie in ein paar Monaten von jetzt an wahrscheinlich ein sichereres Einstiegsniveau bekommen.“

Gutes Investieren!


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