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Bankkunden aufgepasst: Geldautomaten fressen Ihr Geld

Von: J. Fuller - 27.03.2010
Geldautomat - Viktor Mildenberger / pixelio.de

Geldautomat - Viktor Mildenberger / pixelio.de

Autsch! Dieser Automat hat mein Geld gefressen!

Letzte Woche habe ich ein wahres Schnäppchen erstanden in einem kleinen Geschäft bei uns im Ort: eine wunderschöne nostalgisch angehauchte Leselampe, genau die Art von Lampe, nach der ich schon immer gesucht hatte und die ich deshalb unbedingt haben wollte und musste.

Dieses Geschäft, eine wahre Schatztruhe für solche Liebhaberstücke, ist so klein, dass sich für den Ladenbesitzer ein EC-Automat nicht lohnt, folglich kann der Kunde nur in bar bezahlen. Doch leider hatte ich nicht genügend Bargeld bei mir. Die Verkäuferin bot daraufhin hilfsbereit an, die Lampe für mich zurückzulegen, in derselben Straße schräg gegenüber sei eine Bank mit EC-Automat, dort könne ich mir ja das Bargeld besorgen. Und das tat ich dann auch und zog glücklich heim mit meiner Lampe in der beruhigenden Gewissheit, ein richtiges Schnäppchen gemacht zu haben.

Diese Freude hielt auch tatsächlich an, bis ich dann einige Tage später meinen aktuellen Kontoauszug in Händen hielt und feststellen musste, dass die fremde Bank für diese Barabhebung von 50 Euro doch glatt 5,89 Euro Gebühren abgezogen hatte. Das versetzte meiner Freude über das vermeintliche Schnäppchen ganz unvermittelt einen kräftigen Dämpfer.

Dabei habe ich wohl noch Glück gehabt, denn auch Gebühren von 10 Euro für eine Abhebung am Fremdautomaten sind keine Seltenheit. Laut einer Untersuchung der Frankfurter Finanzberatung FMH gilt das vor allem, wenn Kunden von Banken an einer der zahlreichen Sparkassen-Filialen Geld am Automaten abheben wollen.

Der durchschnittliche Gebührensatz beläuft sich auf 5,64 Euro. Demgegenüber stehen die Kosten des Geldinstituts für diesen Geldabhebeservice: Verbraucherschützer veranschlagen diese Kosten pro Abhebevorgang mit rund 60 bis 70 Cent! Angesichts dieser Gewinnspanne ist der Begriff Abzocke sicherlich nicht zu weit hergeholt.

Aber hier sind jetzt Änderungen geplant, die zumindest mehr Transparenz in diese Gebührenfalle bringen sollen: Künftig soll den Bankkunden zumindest angezeigt werden, wieviel Geld es sie kostet, wenn sie den Geldautomaten einer Fremdbank in Anspruch nehmen. Das ist das vorläufige Ergebnis von Gesprächen der Spitzenverbände der Branche, die aufgrund der hohen Gebührenbelastungen unter Beschuss geraten war. Das Bundeskartellamt sah sich immerhin veranlasst, gegen mehr als 280 Kreditinstitute Ermittlungen einzuleiten wegen des Verdachts auf überhöhte Gebühren.

Zudem soll bankenintern die Verrechnung der Abhebeentgelte geändert werden, was möglicherweise zu verstärktem Wettbewerb und niedrigeren Gebühren für die Verbraucher führen wird. Die bislang gängige Praxis sieht nämlich vor, dass die Banken die Gebühren zuerst untereinander verrechnen mit dem sogenannten Interbankenentgelt. Die Bank, der der Automat gehört, entscheidet über die eigentlichen Gebühren für den Abhebevorgang. Die Hausbank, von der die Karte stammt, erstattet die Gebühren ganz oder teilweise. Die Differenz wird dann an den Kunden weiterbelastet.

Jetzt werde eine Abschaffung dieses Interbankenentgelt ins Auge gefasst sowie die direkte Belastung der Gebühren an Kunden fremder Banken mit dem Ziel, "ein ganz normales Marktverfahren" zu etablieren. Der Kunde hätte dann die Möglichkeit, direkt am Automaten zu entscheiden, ob ihm die Barabhebung diese jeweiligen Gebühren auch tatsächlich wert ist.

Die Politik hat sich inzwischen auch in die Debatte eingeschaltet und fordert gesetzliche Höchstgrenzen für diese Gebühren. Die SPD will sich auf maximal 2 Euro einlassen, die FDP erhöht auf 5 bis 7 Euro.

Ein Novum in der bislang intransparenten Welt der Kreditinstitute wäre es schon einmal, wenn nun auch die Banken verpflichtet würden, ihre Gebühren von vorn herein offen darzulegen, was jeder Händler oder Dienstleister nach der Preisangabenverordnung in Deutschland schon längst tun muss, wenn er ein Pfund Butter oder eine Massage an den Mann oder die Frau bringen will. Bankkunden erfahren nach der bis jetzt geltenden Praxis in der Regel erst nachträglich über ihren Kontoauszug, was sie die Abhebung gekostet hat.

Auf Nummer Sicher hinsichtlich Ihrer Kosten für eine Barabhebung gehen Sie im Moment noch, wenn Sie sich ganz brav an den Geldautomaten Ihrer eigenen Bank halten bzw. den Automaten des eigenen Verbunds (Genossenschaftsbanken, Sparkassengruppe, Cash Pool oder Cash Group). Denn das kostet Sie in der Regel nichts.

Bleiben Sie wachsam!


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Bildquelle:
Geldautomat - Viktor Mildenberger / pixelio.de


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