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Ist unser Wirtschaftsystem noch zu retten?

Von: N. Albrecht - 11.08.2008
Gerd Altmann / pixelio.de

Gerd Altmann / pixelio.de

Reden wir nicht um den heißen Brei herum: Das westliche Wirtschaftsystem wird zusammenbrechen. Es besteht überhaupt nicht die Frage, ob es zusammenbrechen wird, sondern die korrekte Frage lautet lediglich: wann? Mit dem Wirtschaftsystem wird die derzeit existierende Infrastruktur zusammenbrechen. Auf die Gründe gehen wir in einem weiteren Artikel ein.

Die Bestsellerautorin Loretta Napoleoni ist der Ansicht, dass dieser Zeitpunkt in zehn Jahren gekommen sei. Nun, auf einen bestimmen Zeitpunkt wird man diesen Zusammenbruch vielleicht nicht festlegen können. Es ist vielmehr ein fließender Prozess, aber es mag durchaus sein, dass bereits in zehn Jahren die Talsohle erreicht ist. Dann werden zehn Prozent der Bevölkerung in Saus und Braus leben, auf Kosten von 90 Prozent, die am Hungertuche nagen müssen.

Der US-Dollar und das an den Dollar gekoppelte englische Pfund Sterling werden als erstes den Status einer Leitwährung verlieren. Als nächstes versinkt dann der Euro in die weltwirtschaftliche Bedeutungslosigkeit, während der Russische Rubel und der Chinesische Yuan mehr Bedeutung in der Welt erhalten werden. Außerdem wird ein Teil des islamischen Finanzsystems überleben oder zumindest der Teil, der von gläubigen Muslimen geleitet wird. Warum? Im Gesetzbuch des Korans, der Scharia, steht eindeutig, dass es nicht erlaubt ist, in Geldgeschäfte zu investieren, die kein wirkliches Produkt in Form von Waren oder Dienstleistungen als Resultat haben. Also mehr Geld aus Geld zu machen, ohne etwas an nutzbarem Produkt dabei in die Welt zu stellen, ist verboten.

Damit werden wir drei Weltmächte haben - nun, besser als zwei. Politiker und Wirtschaftbosse haben das gesamte Ausmaß noch nicht erfasst oder beschönigen die Situation, auch wenn inzwischen zugegeben wird, dass wir vor einer großen Krise stehen und bald den Gürtel enger schnallen müssen.

Der Untergang einer Kultur ist nichts Neues

Nun, schauen wir doch einmal den Tatsachen ins Auge. Im Verlauf der Geschichte sind alle Hochkulturen irgendwann zusammengebrochen. Das Inkareich brach im 16. Jahrhundert zusammen und hat sich bis heute nicht erholt. Das Römische Reich ging im 5. Jahrhundert unter und kam erst mit der Renaissance im 14. bis 16. Jahrhundert wieder auf die Füße. Die Ägypter verloren um ungefähr 1000 vor Christi Geburt an Bedeutung, als die Assyrer und Perser Ägypten besetzten. Diese Liste könnte fast endlos fortgeführt werden. Also, alle großen Reiche sind irgendwann untergegangen, warum auch immer, aber sie sind es.

Es wäre unsinnig zu glauben, ausgerechnet unsere westliche Kultur würde bis ans Ende aller Tage fortbestehen. Der Hauptgrund liegt darin, dass der Homo Sapiens nichts aus der Geschichte lernt. Es werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht.

Wie dem auch sei. Rollen wir dieses Thema doch von hinten auf, um zu verstehen, was geschehen ist, was zurzeit geschieht und was in nächster Zeit geschehen wird.

Begonnen hat die vorprogrammierte Wirtschaftskrise bereits 1948, als mit dem Marshall-Plan enorme Geldmengen nach Europa kamen, um dieses zu sanieren. Man hat das Wirtschaftswunder auf Pump begonnen. Die permanent steigende Staatsverschuldung tut ein Übriges. Doch richtig zu Sache ging es in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Fusionitis der multinationalen Konzerne begann. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus Anfang der 90er Jahre gab es einen Turboschub. Wann dieser Prozess letztendlich abgeschlossen sein wird, hängt von zu vielen Faktoren ab, als dass ein genauer Zeitpunkt bestimmbar ist.

Viele große multinationale Konzerne, die bei genauem Hinschauen auf wenige Personen zurückzuführen sind, die die Kontrolle haben, pumpen Geld in ein Land oder ein Verbund von Ländern. In guten Zeiten werden immense Gewinne eingefahren. Diejenigen, die die Gewinne erarbeitet haben, also Sie und ich, profitieren ein wenig davon. Es geht uns relativ gut. Verspricht jedoch ein anderer Markt höhere Gewinne, werden die Gelder abgezogen und in den neuen Markt gesteckt. Die Folge ist dann eine Rezession in den Ländern, die ihre Ressourcen verlieren. Diese kann so extrem werden, dass der größte Teil der Bevölkerung nicht einmal mehr die nötigsten Güter für das Überleben zur Verfügung hat. Wenn die Rezession ihr volles Ausmaß erreicht hat, ist es zu spät zum Handeln. Ohne Geld ist es schwer, etwas Neues auf die Beine zu stellen. Aber noch ist Zeit. Also lassen Sie uns sehen, welche Lösungen wir haben.

Welche Lösungen haben wir, um auch in Zukunft überleben zu können?

Wenn die Rezession in vollem Gange ist, gibt es kaum noch Firmen, die Güter herstellen, weil es kaum noch Leute gibt, die sie kaufen können. Ungefähr zehn Prozent der Bevölkerung werden über genügend Ressourcen verfügen, weiterhin in Saus und Braus zu leben. Also einiges an Produkten kann noch hergestellt und vertrieben werden. Allerdings ist die Zielgruppe begrenzt. Die restlichen 90 Prozent haben die Möglichkeit, als Arbeitssklaven von Almosen zu leben oder die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Besser Sie werden aktiv. Um herauszufinden wie, bemühen wir doch wieder einmal die Geschichte. Wie haben Leute in Zeiten der Notlage früher überlebt? Welche erfolgreichen Aktivitäten haben sie unternommen?

Im Grunde ist es recht einfach, so einfach, dass es völlig übersehen wird. Als allererstes vergessen Sie ‚die da oben'. Die Hilfe des Staates reduziert sich auf das Verteilen von Almosen, sprich Sozialhilfe. Und das macht jeden Menschen fertig. Jeder soll das Recht haben, seinen Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdienen zu können.

Sie könnten folgendermaßen beginnen: Fügen Sie Ihrem Skatclub oder Fußballverein eine weitere Funktion hinzu; machen Sie ihn zu einem Überlebensclub. Besinnen Sie sich auf das, was eine Nation, einen Staat oder ein Volk groß gemacht hat - die Arbeitskraft eines jeden einzelnen Mitglieds der Gruppe. Wenn wir uns die Städte des Mittelalters anschauen, dort gab es am Anfang auch keine Infrastruktur. Aber ob sie nun noch nicht vorhanden war oder ob sie nicht mehr vorhanden ist, das Vorgehen ist das gleiche. Der Skatclub oder Fußballverein, der jetzt zum Überlebensclub aufgestiegen ist, wählt sich erst einmal einen Vorsteher, der Aktionen koordinieren kann. Dann wird erst einmal eine Bestandsaufnahme der wirklichen Ressourcen in dem Club durchgeführt. Was kann jeder Einzelne? Was ist der Einzelne in der Lage zum eigenen, zum Wohl seiner Familie und dem Gemeinwohl beizusteuern? Der eine mag Motoren reparieren können, der andere mag Zimmermann sein, der nächste vielleicht Maurer oder vielleicht ist er ein Organisationsgenie. Hat der Club nun alle Ressourcen aufgenommen, stellt sich die Frage, ob dieser Club nun alles hat, um seinen Mitgliedern das Überleben zu gewährleisten. Wenn ja - gut. Bereiten Sie sich darauf vor.

Wenn nicht, auch kein Problem. Suchen Sie sich einen anderen Überlebensclub und sprechen mit dem Vorstand. Sie können anbieten: Wir haben in unserem Club Dachdecker und Maurer und benötigen Kartoffeln. Habt ihr ein paar Kartoffeln zu viel? Wir decken dafür ein paar Dächer bei euch oder Mauern ein paar Häuser. Sie verstehen? Hier geht es um Austausch von Arbeit. Denn die Arbeitskraft ist das einzige wirkliche Kapital, dass ein Mensch, eine Gruppe und eine Nation haben. Später, wenn die Infrastruktur einigermaßen aufgebaut ist, so, dass jeder satt wird und ein warmes Zuhause hat, kann man an die Steigerung der Lebensqualität gehen. Die Dorfplätze können verschönert werden, die Häuser können mit Schnitzereien oder Malereien aufgewertet werden ñ oder was auch immer.

Wie oben beschrieben, sind großen Kulturen aufgebaut worden und können es wieder. Beginnen Sie damit und beginnen Sie heute, den Grundstein zu legen und Aufgaben für den Fall des Zusammenbruchs zu legen, denn morgen wird es schon schwieriger werden.


Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Der Crash kommt: Die neue Weltwirtschaftskrise und wie Sie sich darauf vorbereiten


Eine weitere Empfehlung:

Die Analyse der Finanzkrise und was sie bedeutet - weltweit


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