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Es gibt Grund für Optimismus, und zwar ...

Von: A. Radan - 02.09.2010


Am dunkelsten ist die Nacht vor der Dämmerung.
Ich verspreche ihnen, die Dämmerung bricht an
."
The Dark Knight


Während die allgemeine Stimmung in Deutschland immer mehr auflebt, ist die Stimmung in den USA inzwischen überaus besorgt. Selbst gestandene Geschäftsleute, die schon viele Höhen und Tiefen mitgemacht und sich durch alle Missstände hindurch behauptet haben, überkommen allmählich Zweifel, ob es jemals wieder besser werden würde. Denn diese vergangenen drei Jahre hatten und haben es wirklich in sich.

Und diese bedrückende Stimmung schwappt gelegentlich auch nach Deutschland über, was dann wiederum die deutsche Wirtschaft, vor allem den Exportsektor, in Mitleidenschaft zieht.

In der Tat ist die Besorgnis über die US-Wirtschaft nicht aus der Luft gegriffen.  Sehen Sie hierzu die Graphen des S&P 500 Index sowie des Industrieaktienindex (DJIA), die zeigen, dass die Wirtschaft scheinbar partout nicht auf das Niveau vor Einbruch der Finanzkrise 2008 zurückkommen will:





Einhergehend mit den geringfügigen Kursschwankungen, die Sie hier sehen können, schwankt auch das Investor Sentiment von bullisch zu bärisch und wieder zurück zu bullisch und zu bärisch, hin und her. Aber es ist kein wirklicher Durchbruch in Sicht.

Das Time Magazine hat die wirtschaftliche Lage in den USA wie folgt zusammengefasst:

Die US-Wirtschaft bleibt fast komatös. Der Einbruch zählt bereits als die längste Periode anhaltender Schwäche seit der Depression. Die Wirtschaft schwankt unter vielen "Struktur"-Lasten im Gegensatz zu den vertrauten "zyklischen" Problemen. Die Strukturschulden repräsentieren einmalige Verlagerungen und es wird Jahre brauchen, bis sie Erfolg haben werden. Unter ihnen: die Flaute auf dem Arbeitsmarkt; die Schulden Altlasten; der Bankenzusammenbruch; die Immobilien-Depression; die Kostenexplosion im Gesundheitswesen und das außer Kontrolle geratene Bundesdefizit.

Das scheint doch weitestgehend die Bereiche zu beschreiben, mit denen es die Menschen in den USA heute zu tun haben, oder?

Wenn Sie diesen Ausschnitt allerdings in einer aktuellen Ausgabe des Time Magazine suchen – Fehlanzeige! Denn es stammt tatsächlich – man höre und staune – aus der Ausgabe vom September 1992.

Und danach, was geschah dann?


S&P500 Index Januar 1974 bis November 2009




Quelle: http://www.boersennotizbuch.de/marktdaten/sp-stock-price-index-500-composite



Dow Jones Industrieaktienindex Januar 1920 bis Januar 2010




Quelle: http://www.boersennotizbuch.de/marktdaten/dow-jones-langfristiger-chart-logarithmisch


Selbst wenn diese Graphiken aus technischen Gründen sehr klein geraten sind, können Sie dennoch erkennen, dass es – langfristig betrachtet – ein kontinuierliches Wachstum gegeben hat. In der Tat gab es über 16 Jahre hinweg bis 2008 einen steten Anstieg der US-Wirtschaft, ohne ein einziges rückläufiges Jahr.

Es scheint Teil der menschlichen Natur zu sein, dass jegliche Veränderungen nur schwer vorstellbar zu sein scheinen.  Die Dinge laufen ihren gewohnten Gang und sie laufen und laufen und laufen – wie der gute alte VW-Käfer - und die Gegebenheiten sind nun einmal so, wie sie sind, und man gewöhnt sich letztlich daran. Und es kommt einem so vor, als würden die Dinge ewig so weiterlaufen.

Dieses Phänomen lässt sich beobachten, wenn alles gut läuft. Und es wird so selbstverständlich, dass alles gut läuft und dass man Arbeit hat und der Rubel rollt, dass viele Menschen dazu neigen, übermütig zu werden. Und im Nu lassen Sie jede Vorsicht außer Acht und gehen das eine oder andere Risiko ein, dass sie unter anderen Umständen niemals eingegangen wären. So war es auf dem US-Immobilienmarkt zu beobachten, was dann letztlich zu der Hypothekenkrise geführt hat, an der die Wirtschaft und vor allem die Menschen des Landes immer noch zu leiden haben.

Dieses Phänomen, dass Veränderungen nicht mehr vorstellbar zu sein scheinen, lässt sich aber auch beobachten, wenn Dinge schlecht laufen. Und mit dieser Seite der Medaille haben wir es jetzt in den Vereinigten Staaten zu tun.

Tatsächlich scheint der Pessimismus in den USA einen Höhepunkt erreicht zu haben. In solchen Zeiten scheinen die Menschen einer Art Fluch zu gehorchen und nur noch in den Rückspiegel zu schauen. Und was sie dort sehen, ist in der Tat die schlimmste Kontraktion der US-Wirtschaft seit der Weltwirtschaftskrise. Dieser gepflegte Pessimismus lässt allerdings auch darauf schließen, dass es kaum noch schlimmer werden kann.

Wenn die schlimmen Zeiten scheinbar nicht enden wollen, wagt es auch kaum jemand zu investieren. Denn auch das macht ja nur Sinn, solange sich der Investor noch irgendeine Art von Zukunft vorstellen kann, in der es einmal besser läuft und die Wirtschaft wieder auf volle Fahrt kommt. Für Sie als Investor bedeutet das, Achtung, aufgepasst, jetzt nicht in Übereinstimmung gehen mit diesem seuchenartig um sich greifenden Pessimismus,  sondern ganz bewusst eine professionelle Sichtweise annehmen, denn solche Zeiten sind der Freund eines Investors.

Wie ein sehr weiser Mann einmal gesagt hat:

"Die Zeit des größten Pessimismus ist die beste Zeit des Kaufens,
die Zeit des größten Optimismus ist die beste Zeit zu verkaufen!
"
John Templeton

Ein Investor, der diesen überaus klugen Rat eines Meisters seines Fachs im Auge behält, schaut das gesamte Universum der Börsen und Märkte und Gelegenheiten gleich mit ganz anderen Augen an. Und wenn er erst einmal bewusst hinschaut, wird er sehen, dass es auch in diesen Zeiten viele Gründe gibt, als Investor optimistisch zu sein. Zu kaum einer anderen Zeit waren Darlehen so günstig zu erhalten wie jetzt. Viele Gesellschaften sind auf ihrem Bargeld sitzen geblieben, weil sie es nicht gewagt haben zu investieren. Und viele hochwertige Aktien sind preiswert zu erhalten.

Deshalb: Schauen Sie durch die Winschutzscheibe nach vorne, in die Zukunft – nicht in den Rückspiegel, denn dort sehen Sie nur die Vergangenheit.

Gutes Investieren!


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