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Der größte Bluff in der Geschichte des Geldes

Von: A. Radan - 04.02.2010

Der größte Bluff in der Geschichte des Geldes

"Nur in Perioden von Dekadenz wird Wahrheit kompliziert." - Henry Miller


Das Geld, wie auch das Bankwesen, hat seine ganz eigene Geschichte. Und bedauerlicherweise finden wir in dieser Geschichte eine Ansammlung von Ganoven, die ihre Profitgier zu ihrem obersten Leitsatz erhoben und sie in betrügerischen Machenschaften ausgetobt haben.

Um den größten der Bluff dieser Ganoven geht es hier. Um den genauer unter die Lupe zu nehmen, lassen Sie uns zurückschauen und einen Blick werfen auf die Entstehungsgeschichte des Geldes. Angesichts der Komplexität, die unser Geld- und Finanzsystem im Laufe der Jahrhunderte angenommen hat, kann es einige Perspektiven wieder ins rechte Licht rücken, wenn wir uns anschauen, wie die ganze Entwicklung eigentlich begonnen hat.

Das Geld hatte zur Zeit seiner Entstehung kaum etwas zu tun mit dem, als was es sich uns heute präsentiert. Es wurde selbstbestimmt von den Menschen geschaffen in dem Bedürfnis, den Handel miteinander zu erleichtern zu jedermanns Nutzen. Dabei folgte es der evolutionären Entwicklung des Marktes, ähnlich wie sich auch die Sprache und das gemeine Recht im Zuge der steigenden Bedürfnisse der Menschen weiterentwickelt haben.

Die Anfänge des Geldes

Geld bedeutete ursprünglich "Vergeltung, Vergütung, Einkommen oder Wert" und basierte auf einem natürlichen Gesetz des Austauschs: ‚Du gibst mir etwas, was mir wichtig ist, und dafür gebe ich Dir etwas, was Dir wichtig ist'. Der Einfachheit halber einigte man sich auf Zahlungsmittel, die allgemein akzeptiert wurden und unverderblich und in ausreichender Menge verfügbar waren. Ob es sich dabei um Getreide, Muscheln, Silber, Gold oder auch Nutztiere handelte, spielt letztlich für dieses Prinzip des fairen Austauschs keine Rolle. Der Handel war perfekt, wenn beide beteiligten Parteien am Ende die solide Gewissheit hatten, dass sie das, was sie benötigt hatten, zu einem reellen Gegenwert erhalten haben.

Es gab keine Regierung, die das jeweilige Zahlungsmittel erschaffen und dann mit Hilfe diverser Reglements unter ihre Fittiche genommen hätte. Das finden wir erst viel später, dann nämlich, als Regierungen beschlossen, dass sie die ausgebende Autorität darstellen und die Kreation von ‚Geld' standardisieren und monopolisieren sollten. Diese Entwicklung fand nicht von heute auf morgen statt, sondern es handelte sich dabei um einen langwierigen Prozess.

Die anfänglich variierenden Tausch- und Zahlungsmittel waren im kleinen Rahmen noch praktisch, denn man konnte als Gegenwert das nehmen, was einem unmittelbar zur Verfügung stand und das man erübrigen konnte. Aber mit der Ausweitung des Handels erwies es sich als praktischer, sich auf ein allseits anerkanntes Tauschmittel zu einigen, das zu jeder Zeit und an jedem beliebigen Ort anerkannt und geschätzt wurde. Diese Rolle kam dem Gold zu. Es war nicht nur schön anzusehen und dauerhaft, sozusagen ‚unkaputtbar', sondern auch tragbar und teilbar und vor allem selten genug, um begehrenswert zu sein.

Die Anfänge des Bankgeschäfts

Auch das Bankgeschäft lässt sich mit dem heutigen Bankwesen kaum vergleichen. Ursprünglich boten Banken ihren Kunden die Möglichkeit, ihr Geld (das heißt Gold) ganz einfach aufbewahren zu können, ohne selbst die mit solcher Aufbewahrung einhergehenden Risiken eingehen zu müssen.

Die Kunden erhielten auf ihre Werteinlagen auch keine Zinsen von den Banken. Die Banken ihrerseits haben diese Werteinlagen nicht aus der Hand gegeben und keinen eigenen Handel damit getrieben. Der Deal bestand aus der reinen Aufbewahrung gegen eine Gebühr. Zusätzlich zu ihrer Funktion als Tresor konnten sich die Banken weitere Einnahmen verschaffen durch andere Dienstleistungen, bei denen sie als Mittelsmann agierten wie beispielsweise als Kassierer oder beim Erleichtern von Zahlungen, in die Dritte involviert waren.

Alles in allem also ein recht simples und geradliniges Geschäft. Auf diese Art und Weise wurde es beispielsweise im antiken Griechenland gehandhabt. Die Athener betrachteten Banken nicht als Quellen für Kredite.

Die Pervertierung

Diese geradlinige Transaktion erwies sich dann im Laufe der Zeit aber als zu simpel und nicht profitabel genug für einige skrupellose Banker, die Möglichkeiten suchten - und fanden - , um sich zusätzliche Einnahmequellen zu verschaffen. Und eine dieser Möglichkeiten sah vor, die Einlagen ihrer Kunden zu nehmen und dann an Dritte zu verleihen.

Waren diese Banker denn wirklich Betrüger oder vielleicht einfach nur ‚geschäftstüchtig'? Nun, angenommen, ich gebe Ihnen mein Gold zur Aufbewahrung und Sie verleihen es dann weiter, ohne mein ausdrückliches Einverständnis, dann verletzen Sie mein Eigentumsrecht. Tatsächlich sind entsprechende Vorkommnisse aus unserer frühen Geschichte dokumentiert. Bei einem dieser Fälle geht es beispielsweise um einen Bürger, der als Geschädigter einen Banker verklagt hat, der die Einlagen des Geschädigten verliehen hatte und sie dann nicht wieder zurückbekommen konnte.

Im modernen Sprachgebrauch nennt man diesen Sachverhalt unter uns normalen Sterblichen "Unterschlagung". Für Banker haben wir jedoch eine andere Terminus technicus: hier heißt es Bankwesen mit vorgeschriebenen Mindestreserven oder Fractional Reserve Banking.

Und dies ist der größte Bluff, der jemals einer Geld verwendenden öffentlichkeit angedreht wurde.

Wenn wir uns die lange Geschichte des Bankwesens vor Augen führen, sehen wir eine lange Kette von Auseinandersetzungen: Auf der einen Seite diejenigen, die ihr Vermögen sicher aufbewahren und anlegen wollen, auf der anderen Seite in trautem Einklang miteinander die Banker und Regierungen, die alles daran setzen, um aus den Einlagen der Sparer Profit zu schlagen zu Lasten der Sparer.

Und diese Seite hat sich bislang als die stärkere durchgesetzt, denn die Legalität des Fractional Reserve Banking wird praktisch nicht mehr infrage gestellt.

Die Lösung: Der 100% reine Goldstandard

Folglich schwindet unser Geld wie der Schnee in der Sonne dahinschmilzt. Unsere Sparer verlieren ihre Ersparnisse an die Inflation. Denn unter dem Schutzmantel des Fractional Reserve Banking wird immer mehr Geld bereitgestellt, was unsere Kaufkraft immer weiter aufzehrt. Es ist eine heimtückisch schleichende Steuer.

Unsere Wirtschaft ist eine stete Wiederkehr des Boom-and-Bust Zyklus. Ob es einem nun gefällt oder nicht, auf jeden wirtschaftlichen Aufschwung folgt der Abschwung und umgekehrt. Dafür mag es vielschichtige Ursachen geben, an denen sich schon unzählige Debatten entzündet haben. Fakt ist jedoch, dass die Regierung Geld ausgibt in einem Ausmaß, das das Budget bei Weitem sprengt. Mehr Geld auszugeben als überhaupt vorhanden ist - was mit dem Deckmantel der Kreditvergabe übertüncht wird - ist unbestreitbar eine entscheidende Ursache für die konjunkturabhängigen Wirtschafts- und Finanzkrisen.

Aus unserer historischen Rückblende sollten sich zwei Aspekte ganz klar herauskristallisiert haben:

  1. Geld ist keine Kreation des Staates. Es entwickelte sich aus dem freien Markt heraus, um auf praktikable Art und Weise einen fairen Austausch gewährleisten zu können.
  2. Wir können auf eine lange legale Tradition zurückblicken, die die Idee eines 100% Rücklagensystems unterstützt.

Murray Rothbard, anerkannter Wirtschaftswissenschaftler, bracht es wie folgt auf den Punkt: "Die einzige kohärente langfristige Lösung: ein freies Bankensystem mit einer Auflage von 100% Rücklagen, die Abschaffung der Zentralbank und die Etablierung eines reinen Goldstandards."

Das bedeutet im Klartext, dass Geld wieder am Markt erschaffen werden muss, basierend auf den Prinzipien von Produktion und Austausch. Eine Wirtschaft, die ohne willkürliche Kreditvergabe funktionieren und stattdessen mit den vorhandenen Geldern auskommen muss, gerät gar nicht erst in die gefährlichen Fahrwasser, die zu Verzerrungen im wirtschaftlichen Gefüge und letztlich dem sich wiederholenden Zyklus von Booms und Rezessionen führen, unter dem wir alle zu leiden haben.

Das erfordert sicherlich einiges Umdenken. Denn jahrelange Gewöhnung hat das Denken der Menschen dahingehend geprägt, Kredite als selbstverständlich anzusehen. Während sich unsere Großeltern vor einer Investition noch gefragt haben "Können wir uns das überhaupt leisten?", fragt sich die jüngere Generation "Zu welchem Zinssatz bekommen wir das finanziert?". Gepuscht von der Werbung sind Kredite ein fester Bestandteil ihrer wirtschaftlichen Planung und Vorgehensweise geworden. Boomen um jeden Preis, koste es, was es wolle. Und das gilt im privaten Bereich genauso wie für große Unternehmen.

Wie Huerta de Soto in seinem Wälzer Money, Bank Credit, and Economic Cycles schreibt: "Leute versäumen zu sehen, dass schnelle, übertriebene wirtschaftliche Expansion wahrscheinlich immer eine künstliche Ursache hat und sich umgekehren muss in Form einer Rezession."

Fazit

Auch bei einem 100% Goldstandard würden Banken weder verschwinden noch überflüssig werden. Allerdings würde durch diesen Standard sichergestellt, dass die Banken das Geld ihrer Sparer nur noch auf der Grundlage von ausdrücklichen Verträgen mit den Sparern an Dritte weiterverleihen. Und Banken könnten immer noch Geld verdienen über die unterschiedlichsten Dienstleistungen, die sicherlich noch lange nicht voll ausgeschoepft sind.

Es würde nur noch das Geld verliehen werden können, das zuvor gespart wurde und wofür es reelle Gegenwerte gibt. Gigantische Schwindelunternehmen und Bubbles aller Art würden gar nicht erst entstehen können.

Und wir hätten nach langer Zeit wieder die Perspektive von Ehrlichkeit und Transparenz in unserem Finanzsystem und auf unseren Finanzmärkten.

Bleiben Sie wachsam!

Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Das Schuldenimperium: Vom Niedergang des amerikanischen Weltreichs und der Entstehung einer globalen Finanzkrise

Eine weitere Empfehlung:

Finanzkrisen: woher sie kommen - wohin sie führen- wie sie zu vermeiden sind (Nominiert für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2009!)

Eine weitere Empfehlung:

Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel

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