
Haben Sie schon einmal ein Hütchenspiel beobachtet oder sogar mitgemacht? Schauen Sie es sich auf diesem YouTube-Video einmal an. Ist doch richtig faszinierend, oder?
In der US-Wirtschaft (nur der US-Wirtschaft?) funktioniert dieses Spiel folgendermaßen: Die Fed leiht den Bankern Geld. Die Banker drehen sich daraufhin um, atmen einmal tief durch und verleihen das Geld wieder an die Feds. Die Banker sind zufrieden und glücklich; sie haben ohne jegliches Risiko Geld verdient. Die Regulatoren sind zufrieden und glücklich; was könnte sicherer sein in einem Banktresor als US-Schatzanweisungen? Die Investoren sind zufrieden und glücklich; denn immerhin sieht es jetzt so aus, als ob die Finanzbranche Geld wieder machen würde. Und die Feds sind zufrieden und glücklich; sind sie doch jetzt imstande, ihre Defizite zu finanzieren.
Und nun - wo ist DAS Hütchen, sprich Geld?
"Wir befinden uns jedoch nicht in einer nachhaltigen Wiederherstellung. Zu viel Schulden haben den Crash verursacht, nicht nur Banker und ihre Lohntüten. Und die Schuldenstände sind nicht gefallen. Ein Großteil der Schulden ist bloß an Regierungen übertragen oder von Regierungen unterschrieben worden. Wir sind nicht sicherer als vorher. Eine Weltwirtschaft, in der vernünftige Verbraucher anfangen ihre Schulden zu bezahlen, wie sie es tun, wird keine Rückkehr erlauben zu der aufgeblähten Nachfrage, die wir gekannt haben. Es gibt mehr Geld ringsherum, aber es wird nicht ausgegeben."
sagt Crispin Odey am 22. September in seinem Artikel Insight: Bubble or recovery? in der Financial Times.
Das ist eine meines Erachtens ausgesprochen prägnante Darstellung der Ursachen unseres Schlamassels.
Am Freitag gab der Dow um 42 Punkte nach. Gold fiel um 7 $.
"Die globale Markterholung weist Anzeichen auf, dass ihr der Dampf ausgeht", sagt die Financial Times.
Reuters sagt, dass die Arbeitsmarkt-Daten die Markterholung "testen werden". Die New York Times stellt fest, dass es nie ein schlechteres Verhältnis gegeben habe zwischen Leuten auf Arbeitssuche einerseits und verfügbaren Arbeitsplätzen andererseits.
Das Wall Street Journal vertritt hingegen den Standpunkt, die größer als erwartet ausgefallenen Gewinne würden die Markterholung unterstützen.
Allerdings: Bis jetzt ist die Zunahme bei den Aktienpreisen nicht aus höheren Erträgen gekommen. Sie stammt stattdessen von höheren Kurs/Gewinn-Verhältnissen: Investoren erwarten für die Zukunft ein höheres Einkommenswachstum. Und was den prognostizierten Ertrag anbelangt, so wird der Dow zu einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 27 verkauft. Im Hinblick auf den tatsächlichen berichteten Ertrag beträgt das Verhältnis jedoch 180!
Haben wir es denn jetzt mit einer W-förmigen Erholung zu tun, runter-rauf-runter-rauf? Nein! Jedenfalls nicht im Sinne eines sich stets wiederholenden Musters zurück in die alten Routinen. Die Wirtschaft des Bubble-Zeitalters kann nicht wiederbelebt werden, und das ist wohl auch kaum erstrebenswert.
Was wirklich erforderlich ist, ist eine nachhaltige Erholung, und nur das kann erstrebenswert sein. Dazu braucht es einen Lern- und Schaffensprozess, in dem
Denn nur eine ‚Marktwirtschaft als arbeitsteilig organisierte Wirtschaftsordnung, in der die Koordination von Produktion und Konsum über das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage auf Märkten erfolgt', wird uns ein stabiles nachhaltiges Wachstum bringen.
Und übrigens - was für die globale Wirtschaft und die nationalen Wirtschaften gilt, gilt auch für jeden Einzelnen ...
Gutes Gelingen!

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