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Alan Greenspan hält eine erneute Rezession in den USA für möglich

Von: A. Radan - 02.08.2010

Alan Greenspan, von 1987 bis 2006 Vorsitzender des Federal Reserve System (Fed), war am 1. August zu Gast in der CNBC Talkshow Meet the Press.

Im Laufe des Gesprächs sprach der Moderator Mr. Greenspan direkt auf die Äußerung Ben Bernankes Ende Juli vor dem US-Kongress an, dass die wirtschaftlichen Aussichten für die USA „ungewöhnlich unsicher“ seien, und fragte Greenspan, ob sich die US-Wirtschaft seiner Meinung nach verschlechtern würde, bevor sie sich verbessert.

Greenspan entgegnete: „Vielleicht, aber nicht notwendigerweise. Wir befinden uns in einer Pause in einem Aufschwung, ein bescheidener Aufschwung, aber eine Pause in einem bescheidenen Aufschwung fühlt sich an wie eine Quasi-Rezession."

"Unser Problem besteht grundsätzlich darin, dass wir eine sehr verzerrte Wirtschaft haben", erläuterte er. Der Aufschwung sei auf Teile der Wirtschaft beschränkt gewesen, nämlich auf große Banken, große Unternehmen und Personen mit hohem Einkommen. Dann gäbe es jedoch auch den Rest der Wirtschaft: kleine Unternehmen, kleine Banken und einen sehr beträchtlichen Teil der Arbeiterschaft, der unter Langzeit-Arbeitslosigkeit zu leiden habe. Und er ergänzte: "Es gibt dort nichts, das ich sehen kann, das den Trend oder das Niveau der Arbeitslosigkeit verändern wird". Die Wirtschaft ist also in zwei Teile gespalten. Dabei würde es sich grundlegend um zwei getrennte Arten von Wirtschaft handeln, was man sich aber immer anschaue, sei der Durchschnitt dieser beiden Teile.

Der Moderator sprach dann gezielt die Immobilienkrise an und fragte Greenspan, ob er es für möglich halte, dass es in den USA zu einem erneuten Konjunkturrückgang - der sogenannten Double-Dip Rezession - kommen würde, die eine Menge Leute befürchten würden. Greenspan antwortete: „Es ist möglich, wenn die Immobilienpreise fallen. Die Immobilienpreise sind, soweit wir es beurteilen können, im letzten Jahr wirklich abgeflacht." Im Moment würden die Daten im derzeitigen Studium jedoch keine Hinweise darauf liefern. „Falls sich die Preise stabilisieren, dann werden wir meiner Meinung nach um das Schlimmste des Immobilienproblems herumkommen."

Mr. Greenspan wiederholte eine frühere Warnung über die Risiken einer Anhebung der  Zinssätze, die den Aufschwung bedrohen könnten, fügte aber hinzu: "Im Moment gibt es keine Anzeichen dafür, weil das Finanzsystem kaputt ist, und Sie können keine Inflation haben, wenn das Finanzsystem nicht funktioniert."

Seine Anmerkungen sind zu verstehen vor dem Hintergrund von Befürchtungen, dass dem Aufschwung in den USA der Dampf ausgehen würde.

Das Wachstum hatte im ersten Quartal 2010 noch 3,7% betragen, hatte sich dann jedoch im zweiten Quartal auf 2,4% verlangsamt. Das sagen zumindest die erst am vergangenen Freitag veröffentlichten Zahlen aus.

Zwar hatte sich der Dow Jones Industrieaktienindex (DJIA) nach dem kürzlichen Absturz gerade wieder erholt, dennoch geben sich führende Wirtschaftswissenschaftler pessimistisch über die Aussichten.



Seine Anmerkungen wurden als ein Signal gewertet, dass Präsident Barack Obama einen weiteren wirtschaftlichen Stimulus wird liefern müssen. Dieser Punkt wurde dann auch durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgegriffen wurde in seinem Bericht über die US-Wirtschaft.

Greenspan selbst war zumindest teilweise verantwortlich gemacht worden für das Abgleiten in die Finanzkrise vor rund zwei Jahren insofern, als er sich Steuerungen über einige der Finanzinstrumente entgegengestellt hatte, die dann mit zur Kreditkrise geführt haben. In jedem Fall können wir davon ausgehen, dass er weiß, wovon er spricht, wenn er in den Immobilienpreisen den Schlüssel zu einer drohenden Double-Dip Rezession sieht.

Angesichts der Tatsache, dass über einem bedeutenden Block von Finanzinstrumente das Damoklesschwert des negativen Eigenkapitals hängt, so dass in der Tat eine neuerliche Runde von Zwangsvollstreckungen abzusehen ist, kommt Greenspans Worten einiges Gewicht zu.

Das Video zu dieser Talk Show sehen Sie hier: http://www.msnbc.msn.com/id/38487969/ns/meet_the_press-transcripts. Das Transcript finden Sie unter diesem Link: http://www.msnbc.msn.com/id/38487969/ns/meet_the_press-transcripts.

Bleiben Sie wachsam!


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