
Es gibt einen Tag, der sich möglicherweise als bedeutsam erweist für Sie und Ihr Vermögen: der 30. Juni 2011. Und deshalb sollten Sie diesen Termin im Auge behalten und aufmerksam beobachten, was da geschieht im Hinblick auf die Auswirkungen für Ihre Anlagen.
Was passiert denn nun an diesem 30. Juni?
Im letzten November kündigte US-Notenbank Chef Ben Bernanke "QE2" an, also die zweite Runde der quantitativen Lockerung.
Im Rahmen der, wie es in den relevanten Medien genannt wird, „quantitativen Lockerung“ ist das Federal Reserve erneut beachtliche Verpflichtungen eingegangen bei seinem letzten Vorstoß zur Reduzierung der Zinssätze und Stimulierung der Wirtschaft: es sollen nämlich über einen Zeitraum von acht Monaten US-Schatzanweisungen im Wert von 600 Milliarden $ gekauft werden!
Mit dem Begriff „quantitative Lockerung“ tut sich Bernanke übrigens schwer. Bereits im November 2010 erklärte er dazu wie folgt:
„Übrigens ist der Gebrauch des Begriffes "quantitative Lockerung" meiner Meinung nach unpassend im Zusammenhang mit den Strategien der Federal. Quantitative Lockerung bezieht sich normalerweise auf Strategien, die sich um Auswirkungen bemühen, indem die Menge der Bankreserven verändert wird, ein Kanal, der relativ schwach scheint, zumindest im amerikanischen Kontext. Im Gegensatz dazu funktionieren Wertpapierkäufe, indem die Erträge auf den erworbenen Wertpapieren beeinflusst werden und - via Ersatz - Auswirkungen auf die Wertpapierbestände von Kapitalanlegern, auf einem breiteren Anlagenspektrum.“
Aber zurück zu unserem eigentlichen Thema:
Die Fed hat seit Beginn des Programms jeden Monat ungefähr 75 Milliarden $ Schatzanweisungen gekauft. Und eben dieses Programm läuft am 30. Juni aus.
Aktienkurse, hochverzinsliche Schuldverschreibungen und Waren haben mit einem massiven Anstieg auf das Programm reagiert. In dem Moment jedoch, wo es abläuft, kann eine ebenso starke Reaktion in die entgegengesetzte Richtung erfolgen.
Bei QE2 handelt es sich im Wesentlichen um ein massives Stimulusprogramm. Solche Förderungsprogramme hat es auch vorher schon gegeben. Als Beispiel könnte da das amerikanischen Wiederherstellungs- und Wiederanlage-Gesetz (American Recovery and Reinvestment Act - ARRA) von 2009 dienen. Dies sah unter anderem einen Betrag von rund 6,6 Milliarden $ vor, die in Form eines Steuerfreibetrags all denjenigen zugute kommen sollten, die sich zum ersten Mal ein Eigenheim bauen.
Wenn wir dieses Spezialprogramm für Eigenheimerwerber in Beziehung setzen zum SPDR S&P Homebuilder Fonds (XHB), zeigt sich, dass der Stimulus eine Miniblase auf dem Markt kreiert hat. Und diese Blase wäre auch tatsächlich geplatzt, gäbe es nicht QE2.
Am 17. Februar 2009 das ARRA Gesetz wurde unterzeichnet. Daraufhin schloss der XHB bei 10,06 $ je Aktie. In den darauf folgenden14 Monaten stieg der XHB 91%. Der neue, in das ARRA eingebettete Wohnimmobilien-Stimulus war im Begriff, den Wohnungsbau-Unternehmen Fonds und seine Halter mit sich zu reißen.
Auf diesem Chart sehen Sie, wie sich der staatliche Stimulus auf den Markt ausgewirkt hat. Aber nicht nur das. Sie sehen ebenfalls, wie die Aktie genau zu dem Zeitpunkt die Spitze erreichte, als das Programm zu Ende war. Der Anreiz blieb nunmehr aus und prompt fiel der XHB auf sein eigentliches Preisniveau: innerhalb von ein paar Monaten rutschte er 29% ab:
Staatlicher Stimulus inflationiert Wohnungsbauwesen

Der ursprüngliche Kredit sollte planmäßig am 30. November 2009 ablaufen, und wie Sie sehen können, hat der Markt diesen Ablauftermin auch tatsächlich vorausgesehen und mit einem Rückgang reagiert. Diese Frist wurde dann aber durch den Kongress verlängert, und prompt zog der XHB wieder an, um dann innerhalb von sechs Monaten einen neuen 22-monatigen Höchststand zu erreichen.
Ein weiteres Beispiel für ein staatliches Stimulusprogramm ist das das Abwrackprämien-["Cash for Clunkers"] -Programm von Juli/August 2009. Wie auch in Deutschland diente diese Prämie dazu, den Kauf neuer kraftstoffeffizienterer Autos anzuheizen. Der offizielle Name dieses Programms lautet "Car Allowance Rebate System", kurz "CARS". Dieses Programm, das am 1. Juli 2009 begann, war ursprünglich mit 1 Milliarde $ angesetzt. Dieser Etat war am Monatsende bereits aufgebraucht. Daraufhin genehmigte der Kongress gleich am nächsten Tag weitere 2 Milliarden $. Doch es dauerte nur knapp einen Monat, bis auch diese Gelder aufgebraucht waren: bis zum 24. August 2009 sind mit Hilfe dieses Anreizes mehr als 690.000 Fahrzeuge gekauft worden.
Von diesem Absatz profitierten vor allem (73%) fünf Autogesellschaften: Toyota mit 19,4% General Motors mit 17,6%, Ford mit 14,4%, Honda mit 13% sowie Nissan mit 8,7%. Und wieder reagierten die Kurse mit einem Anstieg. Doch sobald das Programm abgelaufen war, fielen sie auch wieder. (GM hatte am 1. Juni 2009 Bankrott erklärt und die Aktie wurde von der Liste gestrichen.)
Zur Veranschaulichung haben wir hier das Chart von Toyota: direkt am ersten Handelstag nach dem 31. Juli gab es eine Spitze, und entsprechend verhielten sich alle vier Aktien innerhalb von zwei Wochen nach dem 31. Juli.
Weiterer staatlicher Stimulus verursacht Blase und Einbruch
bei den Autoherstellern

Was sagt uns das?
Staatliche Stimulusprogramme verursachen "Miniblasen" bei den Aktienkursen der betroffenen Sektoren, solange sie andauern. Und sobald der Geldsegen versiegt, brechen die Kurse wieder ein.
Und um nun wieder zurückzukommen auf das eingangs erwähnte QE2: Angesichts dieser genannten Beispiele steht zu erwarten, dass die Entwicklung bei QE2 einen ähnlichen Verlauf nehmen wird: Aktien, Waren und hochverzinsliche Schuldverschreibungen schießen zunächst nach oben, um dann wieder einzubrechen, sobald die Gelder versiegen.
Lassen Sie sich also nicht blenden durch das vorübergehende Anziehen der Kurse, sondern bleiben Sie stets wachsam.

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