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Neue Hinweise auf nachlassende Akzeptanz des US-Dollars

Von: A. Radan - 14.03.2012
Island - Google Earth Aufnahme

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Island, seit Sommer 2010 EU-Beitrittskandidat und seit 1949 NATO-Gründungsmitglied, hat mit seiner überaus schwachen und volatilen Währung zu kämpfen. Die Isländische Krone (ISK), die „kleinste Währung der Welt“, ist auf den Weltmärkten de facto nicht mehr existent.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass Premierminister Jóhanna Sigurðardóttir auf eine Entscheidung drängt im Hinblick auf die künftige Landeswährung. Sie zeigte am letzten Wochenende ganz klar die beiden Alternativen auf, die sie für die finanzielle Basis dieses zweitgrößten Inselstaat Europas sieht:

Island wird nach dem Beitritt in die Europäische Union entweder den Euro annehmen oder die schwedische Krone fallen lassen und einseitig eine andere Währung annehmen, weil "die Situation nicht unverändert bleiben kann", erklärte sie.

Wir haben die Wahl: entweder geben wir die Souveränität Islands in der Geldmengenpolitik auf durch die einseitige Annahme der Währung eines anderen Landes oder wir werden ein Mitglied der EU", so Sigurðardóttir in einer Rede, die sie anlässlich eines Parteitags des Sozialdemokratischen Allianz heute in der Hauptstadt Reykjavik hielt. Die EU-Mitgliedschaft wird Island erlauben, "mit EU-Ländern zusammenzuarbeiten als eine souveräne Nation, die bei der Entscheidung und der Politikgestaltung in allen Bereichen der Zusammenarbeit ein Mitspracherecht hat."

(Quelle: Bloomberg Iceland Will Adopt Euro or Other Currency, Prime Minister Says vom 10. März 2012)

Und an dem EU-Beitritt wird offensichtlich hart gearbeitet. So ist heute, am 14.03.2012, bei DiePresse.com nachzulesen: „EU-Erweiterungskommissar Füle lobt die Fortschritte Islands. Seit dem Beginn der Beitrittsverhandlungen sind elf Kapitel [von insgesamt 33] eröffnet worden“ - für Füle ein Beweis dafür, wie gut Island in die EU integriert ist.

Bereits im Herbst letzten Jahres hatte Gylfi Arnbjörnsson, der Präsident der größten Gewerkschaft Islands, angesichts der massiven Währungsabwertung und auf 18 Prozent angestiegenen Inflation erklärt: "Was wir hier in Island brauchen, ist eine starke Währung. Wir brauchen den Euro."

Doch inzwischen scheint es auch zunehmendes Interesse am Kanadischen Dollar  zu geben. So wurde zumindest von Globe and Mail, einer kanadischen Zeitung, berichtet, einer Umfrage zufolge würden Isländer eher eine Anbindung an den kanadischen Dollar befürworten und ihm den Vorzug geben vor dem Euro, der Norwegischen Krone und dem US-Dollar.

Es gibt ein zwingendes wirtschaftliches Argument, warum Island den kanadischen Dollar würde annehmen wollen. Es bietet die extrem verlockende Aussicht einer stabilen, flüssigen Währung, die grob globale Warenpreise verfolgt, was ganz gut zu Islands eigener Wirtschaft passt, die vom Fisch und den Aluminiumexporten und in Zukunft der Energie abhängt."

"Der Durchschnittsmensch sieht es folgendermaßen: Kanada ist eine jüngere Version der Vereinigten Staaten. Kanada hat mehr Bodenschätze als die Vereinigten Staaten, es ist weniger entwickelt, hat mehr Land, viel Wasser", erklärte Heidar Gudjonsson, ein Wirtschaftswissenschaftler und Vorsitzender des Forschungszentrums für Soziale und Wirtschaftliche Studien, Islands größte Denkfabrik.“

Wie Island sich im Hinblick auf seine Währung letztlich entscheidet, dürfte für den Weltmarkt kaum eine Rolle spielen, da Islands Anteil an der Weltwirtschaft nur 1/5000 ausmacht. Die Tatsache jedoch, dass der US-Dollar bei den Überlegungen über die künftige Währung Islands noch nicht einmal in Erwägung gezogen wird, wird von Wirtschaftsanalysten durchaus als Indikator gewertet für die nachlassende Akzeptanz des US-Dollars.

Schließlich gibt es einige Bindeglieder zwischen Island und den USA. Waren doch beispielsweise seit 1941 1.650 Soldaten der US-Streitkräfte (Iceland Defense Force) zur Sicherung der Insel als strategisch wichtigem Stützpunkt in Keflavík stationiert, bis sie im September 2006 – für die Isländer ganz überraschend - von den USA abgezogen wurden. Und haben zudem beide Nationen die bitteren Erfahrungen von Schulden- und Bankenkrise und Währungszusammenbruch erleben müssen. Und von diesen gemeinsamen schlimmen Erfahrungen abgesehen liegt die kleine Insel auf ungefähr halbem Wege zwischen Europa und Nordamerika.

Doch die Zeiten, als der US-Währung in der Regel der Vorzug gewährt wurde, sogar vor der eigenen Landeswährung, sind offensichtlich dahin. US-Amerikaner brauchten in diesen „guten alten Zeiten“ auf Reisen kaum jemals ihr Geld zu wechseln, wurde ihre eigene Währung doch überall mit Freuden akzeptiert. Inzwischen jedoch steht der US-Dollar noch nicht einmal mehr zur Debatte, wenn es um eine neue Landeswährung geht.

Fazit

Die Zeiten ändern sich – auch für den US-Dollar. Die Vormachtstellung des US-Dollars scheint endgültig der Vergangenheit anzugehören.

Halten Sie Augen und Ohren auf und bleiben Sie wachsam!



Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Weltkrieg der Währungen: Wie Euro, Gold und Yuan um das Erbe des Dollars kämpfen


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Bildquelle:
Island - Google Earth Aufnahme


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