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Power Lunch mit Warren Buffett und seine Einschätzung unserer Situation

Von: A. Bold - 25.06.2009

Seit 10 Jahren läuft diese Aktion schon und jetzt ist es wieder soweit: die alljährliche eBay-Auktion "Power Lunch with Warren Buffett" ist wieder in vollem Gange. Die Auktion läuft vom 21. Juni, 19.00 Uhr, bis 26. Juni, 19.00 Uhr (jeweils Pacific Sommerzeit).

Der Höchstbietende bekommt die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Essen mit Warren Buffett. Die Erlöse der Versteigerung kommen zu 100% der Glide Foundation zugute. Die Glide Foundation ist eine in San Francisco ansässige Wohltätigkeitsorganisation, die zur Glide Memorial Church gehört und nach ihr benannt wurde und durch ihre Zusammenarbeit mit Warren Buffett einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat.

Gestern hatte Warren Buffett bei Smith & Wollensky in New York City sein jährliches Essen mit dem Höchstbietenden des Vorjahres: Zhao Danyang, ein chinesischer Vermögensverwalter, der 2,1 Millionen $ bei eBay geboten hat für die Ehre, mit Warren Buffett gemeinsam essen zu dürfen.



Warren Buffett


Vor dem Essen beantwortete Buffett in einem Interview mit CNBC Fragen zur vergangenen und gegenwärtigen Situation.

"Die Wirtschaft wird in diesem Jahr in einem Durcheinander sein und wahrscheinlich noch eine Zeitlang darüber hinaus", stellte Buffett fest. In absehbarer Zeit sei keine Erholung in Sicht. Er würde Berichte für die ungefähr 70 Unternehmen von Berkshire Hathaway erhalten - "viele von ihnen täglich" - und könne keine Anzeichen einer Erholung sehen. Sektoren vom Einzelhandel über die Fertigung bis hin zur Elektrizität stünden einer niedrigeren Nachfrage gegenüber.

Die Finanzkrise vom vergangenen September, Oktober halte er für bewältigt, und das sei enorm wichtig. Von einer Erholung der Wirtschaft könne deshalb aber noch keine Rede sein. Es habe viele Exzesse gegeben, die noch ausgebügelt werden müssten, und das würde sich durchaus noch eine Weile hinziehen.

Allerdings zeigt er sich voller Zuversicht in die Fähigkeit von Bernanke, der für ihn der Schlüssel sei und einen fabelhaften Job gemacht hätte, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Aber es handle sich dabei um eine Schlacht an vielen Fronten und "Sie können ein Baby nicht in einem Monat erzeugen, indem Sie dafür sorgen, dass neun Frauen schwanger werden", meint er lachend.

Natürlich sei nicht alles vollkommen, was sie machen würden. Niemand könne immer alles perfekt machen. Fehler passierten nun einmal. Aber immerhin hätten sie uns durch eine schwierige Periode hindurchlaviert, was so manch anderer an ihrer Stelle nicht geschafft hätte.

Das grundsätzliche Problem sieht er in der hohen Überschuldung [overleverage] - und zwar nicht ausschließlich in der Finanzarena, sondern auch bei Otto Normalverbraucher. Es würden die falschen Anreize gegeben, und - speziell was Institutionen anbelangt - persönliche Anreize, die in direktem Widersprung stünden zu den Interessen der Nation. Und die Fremdkapitalaufnahme sei dabei ein Schlüsselproblem, das angegangen werden müsste.

Diese ließe sich jedoch nicht in feste Formeln packen wie 10 oder 20 zu eins. Und das mache es schwierig. Denn es läge in der Natur des Menschen, zu Exzessen zu neigen. Und Regeln aufzustellen zur Verhinderung von Exzessen in dem Marktsystem eines Landes, das immerhin 300 Millionen Menschen und ein BIP von 14 Billionen Dollar aufweist, sei definitiv keine leichte Aufgabe.

Allerdings zeigt er sich auch zuversichtlich, dass sich Amerikas Genie nie im Vermeiden von Problemen gezeigt habe, sondern in deren Überwindung, nachdem sie einmal eingetreten sind.

Auf die Frage, ob er sich über die Inflation oder Deflation Sorgen machen würde, entgegnete er, dass es in absehbarer Zeit zu keiner nennenswerten Deflation kommen würde. Die unternommenen Aktionen würden aber sicherlich zu einer Inflation führen - wenn auch nicht in den kommenden sechs Monaten oder einem Jahr oder in zwei Jahren - mit aller Wahrscheinlichkeit nach hohen Inflationsraten, denn das System wurde mit Dollars überschwemmt.

Er vergleicht die Wirtschaft mit einem Kameraden, der im Treibsand unterzugehen drohte im letzten September und dem man jetzt ein Tau über die Schultern geworfen habe, um ihn herauszuziehen. Und dabei müssen auch das Risiko, diesem Kameraden die Schulter auszurenken, in Kauf genommen werden, so wie jetzt auch das mögliche Risiko der "Verrenkung" der Wirtschaft - sprich Inflation - in Kauf genommen werden müsse. Es sei das Opfer in jedem Fall wert.



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