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Greenspan: Gold – unser Frühwarnsystem

Von: M. Rapp - 17.09.2010
Kanarienvogel, Quelle Wikipedia

Die New York Sun brachte gestern einen Leitartikel "Greenspan's Warning on Gold", in dem sie über die Ansprache des ehemaligen Vorsitzenden des Federal Reserve System Alan Greenspan vor dem Rat für auswärtige Beziehungen (Council on Foreign Relations - CFR) berichtet. Da sich Greenspan in der Vergangenheit selbst verdächtig gemacht hatte, den Goldpreis manipuliert zu haben, was dann in 2001 zu einem Verfahren geführt hatte, das allerdings ohne Konsequenzen für ihn blieb, entbehrt diese Ansprache nicht einer gewissen Pikanterie.

Greenspan nahm anlässlich dieser Ansprache vor dem Rat kein Blatt vor den Mund und ermahnte die Zuhörer eindringlich, Gold Aufmerksamkeit zu schenken. Er sagte ferner, "Fiat Money [Papiergeld ohne Deckung] hat keine Anlaufstelle, wohin es gehen könnte, außer Gold."

Er hätte im Laufe der Jahre viel über die Goldpreise nachgedacht und entschieden, dass die Erklärungen von Angebot und Nachfrage, die Gold wie andere Waren behandeln, "einfach nicht aufgehen". "Er hatte beschlossen, dass Gold einfach anders ist", heißt es in der Sun.

Er kommentierte weiter: "Wenn sich alle Währungen zusammen nach oben oder unten bewegen, ist die Frage: hinsichtlich was? Gold ist der Kanarienvogel im Kohlenbergwerk. Es signalisiert Probleme in Bezug auf die Devisenmärkte. Zentralbanken sollten ihm Aufmerksamkeit schenken."

Die Bergleute im Kohlebergbau hatten ein absolut stabiles Datum: Wenn der Kanarienvogel stirbt, war es höchste Zeit, aus dem Schacht herauszukommen. Der Singvogel diente im Kohlebergbau als Frühwarnsystem für die Anwesenheit von Methan, das gefürchtet war als Auslöser für die todbringenden Grubengasexplosionen. Wie der Kanarienvogel also die Bergleute vor drohender Gefahr gewarnt hat, dient das Gold als Frühwarnsystem für Probleme auf den Devisenmärkten. Und sicherlich sollte diese Warnung nicht nur für Zentralbanken gelten, die Greenspan bei dieser Gelegenheit gezielt anspricht, sondern auch für Investoren und letztlich jedermann, der darauf bedacht ist, sein Vermögen zu bewahren.

Greenspan war ein enger Freund der 1982 verstorbenen US-Schriftstellerin Ayn Rand, die in Sank Petersburg gebürtige Tochter deutschstämmiger Juden, von der Ingeborg Harms in der heutigen FAZ.NET schreibt:

Sie sah den Übermenschen als Unternehmer

Ayn Rand kam in den Zwanzigern aus Russland in die Vereinigten Staaten und wurde zur schärfsten Kritikerin des Wohlfahrtsstaates. Ihre radikalen Gedanken zur selbstbestimmten Lebensführung beeinflussten Ronald Reagan wie Alan Greenspan und machten sie zur Autorin der Finanzkrise.

http://www.faz.net/s/RubB8DFB31915A443D98590B0D538FC0BEC/Doc~E78666A6D46954AF2833E1672BCCB42A0~ATpl~Ecommon~Scontent.html


Angeblich hat Greenspan bereits Entwürfe ihrer Novelle "Atlas Shrugged" gelesen, bevor sie veröffentlicht wurde, und ließ im November 1957 sogar einen Brief durch The New York Times veröffentlichen als Antwort auf die negative Rezension des Buches, die die Zeitung veröffentlicht hatte. 1966 schrieb Greenspan einen Aufsatz, der in Rands Rundschreiben "The Objectivist" herausgebracht wurde, mit dem Titel "Gold and Economic Freedom":

In diesem Aufsatz erklärte Greenspan:

"Ohne den Goldstandard gibt es keinen Weg, die Ersparnisse vor der Konfiszierung durch die Inflation zu schützen. Es gibt keine sichere Wertanlage. Wenn es sie gäbe, würde die Regierung seinen Besitz ungesetzlich machen müssen, wie es im Fall von Gold getan wurde. Falls sich zum Beispiel jeder entschlösse, alle seine Bankeinlagen in Silber oder Kupfer oder irgendein anderes Gut umzuwandeln, und es danach ablehnen würde, Schecks als Zahlung für Waren zu akzeptieren, würden Bankeinlagen ihre Kaufkraft verlieren, und staatlich geschaffene Bankdarlehen wären wertlos für den Anspruch auf Waren. Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates verlangt es, dass es keine  Möglichkeit für die Eigentümer von Vermögen gibt, um sich zu schützen.

"Das ist das schäbige Geheimnis der Tiraden der Anhänger des dirigistischen Sozialstaates [welfare statist] gegen Gold. Defizitfinanzierung ist einfach ein Komplott für die Beschlagnahme von Vermögen. Gold steht diesem heimtückischen Prozess im Weg. Es steht als ein Beschützer von Eigentumsrechten. Wenn man das begreift, hat man keine Schwierigkeit, den Antagonismus der Anhänger des Dirigismus gegen die Goldwährung zu verstehen."

Wenn man sich die beiden Stellungnahmen von Greenspan in 1966 und 2010 anschaut, wird deutlich, dass er die zentrale Rolle, die Gold im Geldsystem spielt, durchaus verstanden hat wie auch die Tatsache, dass nicht gestützte Fiat-Währung eigentlich wertlos ist.

Alan Greenspan hat uns damit erneut einen Einblick in seine Ansichten über Gold gewährt. Er bespricht Gold auf mehreren Seiten seiner Biografie “The Age of Turbulence, Adventures in a New World" [deutscher Titel: Mein Leben für die Wirtschaft]”, in der er sich daran erinnert, dass er einmal vor einem Kongresskomitee gesagt hatte, Geldpolitik müsse bewirken, dass sich sogar eine Fiat-Money Wirtschaft so verhalte, 'als sei sie verankert durch Gold'. Er schrieb, dass er immer eine Sehnsucht für die innewohnende Preisstabilität der Goldwährung ‚gehegt hätte‘. Aber er bekennt, dass er "sich schon lange in die Tatsache gefügt hatte, dass der Goldstandard nicht der weithin akzeptierten gegenwärtigen Auffassung von den passenden Funktionen der Regierung Rechnung trägt - insbesondere der Notwendigkeit, dass die Regierung ein soziales Schutznetz bietet."

Gutes Investieren!



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