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Goldbestände werden knapp, deutsche Händler stürzen sich auf Krugerrands

Von: A. Radan - 18.05.2010
Krugerrand Springbock 1984 - Martin Vogel / Wikipedia

Krugerrand Springbock 1984 - Martin Vogel / Wikipedia



Schauen Sie sich dieses Chart einmal an.

Angesichts dieser Entwicklung verwundert es kaum, dass inzwischen mehrere prominente österreichische und deutsche Goldhändler nur noch über knapp bemessene Goldbestände verfügen, denn inzwischen öffnet sich auch für die Europäer das Universum des Goldes.

Von der Knappheit im europäischen Raum und der Notwendigkeit der Händler, sich mit Ware einzudecken, profitiert jetzt Südafrika.

"In der Rand Refinery Limited in Südafrika hat in dieser Woche das Telefon nicht aufgehört zu klingeln", heißt es in einem Bericht der Financial Times. Bei der Rand Refinery handelt es sich nach eigenen Aussagen um die weltweit größte Gold Affinerie.

Besonderer Beliebtheit erfreut sich jetzt der Krugerrand, die populärste Goldmünze der Welt.

Deborah Thomson, die Leiterin der Finanzabteilung bei Rand, ließ verlauten, "Wir haben einige außergewöhnliche Verkäufe an deutsche Kunden". Das Verkaufsvolumen pro Kunden beläuft sich bei einer Transaktion normalerweise auf 2.000 Münzen. Letzte Woche habe sie einen Auftrag von einer deutschen Bank für 30.000 Münzen erhalten. Eine andere Bank habe um 15.000 Münzen gebeten.

Gemäß Frank Ziegler, dem Verantwortlichen für Edelmetalle bei der BayernLB, einem der größten Großhandelslieferanten von Gold in Deutschland, würden die Leute ‚Krugerrands kaufen wie verrückt‘. Demzufolge wären sie auf dem europäischen Markt bereits knapp geworden. Die Prämie für Krugerrands auf dem Sekundärmarkt ist folglich schon von ungefähr 2 Prozent auf 6-8 Prozent gestiegen.

Der Kaufrausch trieb die Goldpreise gestern auf ein nominelles Hoch von 1.248,95 $ pro Troyunze. Der Goldpreis in Euro reicht zum ersten Mal an die 1.000 €-Marke pro Unze.

Münzen repräsentieren nur einen kleinen Teil des Edelmetall-Marktes. Dennoch lässt sich in diesem speziellen Segment sehr gut das Investor-Sentiment ablesen. Und es wird ganz deutlich, dass gerade Gold eine massive Nachfrage seitens der Investoren erfährt. Die Befürchtungen hinsichtlich einer bevorstehenden Inflation, die durch die Überschuldung von Ländern der Eurozone und den Bailout-Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) jetzt noch geschürt wurden, wirken als Katalysator für den starken Ansturm. Denn in für Papierwährungen derart unsicheren Zeiten genießt Gold immer noch oberste Priorität als Absicherung für das Vermögen.

Aber nicht nur die Privatanleger bestimmen diese Preisentwicklung. Auch institutionelle Anleger tragen dazu bei. Zentralbanken haben sich zwanzig Jahre lang auf den Verkauf des gelben Metalls konzentriert. Jetzt legen sie Milliarden an in börsengehandelten Indexfonds, die sich auf Goldbarren stützen. Auch die chinesische Zentralbank gehört zu den Käufern. Diesem massiven Kaufinteresse steht jedoch ein stagnierendes Angebot seitens der Gold Affinerien gegenüber.

Die Favoriten für die deutschen Käufer sind Goldmünzen und kleine Goldbarren, die besonders nach dem Eurozonen Bailout mit einer sich nahezu überschlagenden Geschwindigkeit gekauft werden. Daran ändern auch die Beteuerungen der Europäischen Zentralbank nichts, dass Bundesanleihen gegen Inflationsrisiken abgesichert seien. Martin Siegel, Gründer des frankfurter Edelmetallhandelshauses Westgold kommentiert diese Entwicklung mit den Worten, ‚die Leute seien nicht so dumm wie die Wirtschaftswissenschaftler. Sie glauben, es wird eine Inflation geben, und kaufen Gold, um sich zu schützen.‘

Die Hyperinflation in den 1920er Jahren, als ein einziger Dollar Milliarden und dann Billionen Deutsche Mark wert war und die schließlich zum Untergang der Weimarer Republik geführt hatte, ist ins nationale Gedächtnis der Nation eingebrannt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Zahl der noch lebenden Zeitzeugen dieser Ära naturgemäß immer weiter abnimmt. Das Bedürfnis, sich gegen eine Wiederholung eines solchen traumatischen Ereignisses abzusichern, scheint über Generationen weitergegeben zu werden. Das äußert sich unter anderem in dem intensiven Appetit auf Münzen.

Neben den Münzen und Barren sind auch die ETFs [börsengehandelte Investmentfonds], die physisches Gold halten und Anteile an Investoren ausgeben, Nutznießer dieser Entwicklung. Als ein Beispiel kann hier der SPDR Gold Trust dienen, der angesichts dieses Zustroms seine Holdings allein in den vergangenen zwei Wochen um 50,5 Tonnen aufgestockt hat.

In Fachkreisen scheint man sich einig zu sein, dass dieser Trend durchaus noch eine Weile anhalten kann. Ein Goldpreis von 1.300 $ pro Unze wird für den kommenden Monat für durchaus realistisch gehalten.

Diese bullische Einschätzung wird gestützt durch die Beobachtung, dass die Leute offensichtlich ihr altes Gold als Bruchgold trotz der derzeitigen hohen Preise lieber horten, statt es zu verkaufen. Steigende Preise bewirken in der Regel, dass die Leute ihre alten Schmuckkästchen durchforsten, um alte Schmuckstücke und Zahngold zu Geld zu machen. Afshin Nabavi von der MKS Finance, einer u.a. auf Edelmetallverarbeitung und -handel spezialisierten, international tätigen schweizer Finanzgesellschaft, erklärte dazu: "Die Verkäufe von Bruchgold haben sich erholt, aber nicht so sehr."

Sie erinnern sich vielleicht, dass wir in früheren Artikel über die drei hauptsächlichen Stadien gesprochen haben, in den sich die Leben von Gold Bullenmärkten erschöpfen:

  • Phase Eins: Abwertung der Währung.
  • Phase Zwei: Investmentnachfrage.
  • Phase Drei: manischer Kaufrausch, der in einer Bubble gipfelt.

[Sehen Sie hierzu beispielsweise unseren Artikel Die Gold Bubble ihre Katalysatoren, ihr Potential].
Es kann durchaus sein, dass wir jetzt in die dritte Phase eintreten, den manischen Kaufrausch, der in einer Bubble gipfelt. In dem Fall werden wir es mit einer Preisspirale zu tun bekommen, die ihre Eigendynamik entwickelt und sich höher und höher schraubt, bis sie sich zu einer gewaltigen Blase aufgebläht hat, die schließlich platzen wird.

Behalten Sie deshalb die Entwicklung gut im Auge.

Gutes Investieren!


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Bildquelle:
Krugerrand Springbock 1984 - Martin Vogel / Wikipedia


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