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Der PC ist tot, es lebe der Tablet

Von: M. Rapp - 31.05.2012
iPad - Matt Buchanan / Wikipedia

iPad - Matt Buchanan / Wikipedia

Die Entwicklung im High-Tech Sektor schreitet so rasant voran, dass sie jetzt eines seiner eigenen Kinder zu überrollen scheint. Zumindest scheinen die neuesten Prognosen nahezulegen, dass der Personalcomputer, der in der zivilisierten Welt schon nahezu in jedem Haushalt anzutreffen war, künftig um sein Überleben fürchten muss.

Letzte Woche Dienstag musste Dell, PC-Hersteller mit Hauptsitz in Texas, einen Kurseinbruch von 17% verbuchen nach einem eh schon dramatisch ausgefallenen Quartalsbericht. Es brauchte dann nur 24 Stunden, bis von der Marktkappe in Höhe von 22 Milliarden sage und schreibe US-Dollar 4,5 Milliarden US-Dollar versenkt waren.

Einen Tag später hatte Hewlett Packard, immerhin eine der größten US-amerikanischen Technologiefirmen mit Firmensitz in Palo Alto in dem berühmten Silicon Valley, Kalifornien, ebenfalls schwache Ergebnisse zu vermelden. Das Unternehmen musste einen Gewinnrückgang von 31% zum Vorjahr vermelden. Die Firmenleitung kündigte Stellenkürzungen an. Rund 27.000 Arbeitsstellen sollen künftig eingespart werden, um das Budget um 3,5 Milliarden US-Dollar zu erleichtern.

Angesichts dieser Entwicklung gehen einige Beobachter der High Tech-Industrie inzwischen sogar davon aus, dass speziell der PC-Sektor dem Untergang geweiht ist. Der PC in jedem Haushalt, wie Bill Gates ihn damals in seiner Garage als Vision vor Augen hatte, dürfte zumindest in Form eines Desktop-Computers mit Tower auf oder unter dem Tisch und separatem Monitor im Aussterben begriffen sein. Selbst die tragbaren Laptops und die noch kleineren Netbooks werden es schwer haben. Und für Technologie-Giganten wie Dell und Hewlett-Packard stehen damit einschneidende Auswirkungen ins Haus.

Die Technologie als solches entwickelt sich hingegen immer weiter. Nur die jeweiligen Medien werden immer handlicher, immer besser abgestimmt auf die diversen mobilen Einsatzmöglichkeiten. Und hier sind ganz eindeutig die Tablets – diese tragbaren, flachen Computer mit Touchscreen-Display - auf dem Vormarsch, für die Apple mit seinem iPad eine ganz entschiedene Vorreiterfunktion eingenommen hat.

Tablets sind inzwischen die bevorzugte Wahl der Endverbraucher, wenn es darum geht, Musik abzuhören, ganze Filme anzuschauen, E-Mails zu empfangen und zu senden, sich über die Wetteraussichten zu informieren oder nach Belieben im Internet zu surfen. Für Recherchen aller Art ist dieses flache und leichte Gerät bestens geeignet.

Sicherlich, für aufwendigere Büroarbeiten bei beispielsweise die Bearbeitung von WORD-Dokumenten oder EXCEL-Dateien ist nach wie vor der PC oder Laptop das Instrument der Wahl. Aber das betrifft halt nicht die Masse der Endverbraucher.

Die Zahlen sprechen für sich: Allein im vergangenen Jahr 2011 wurden insgesamt rund 68,7 Millionen Tablets verkauft. Gartner, ein Unternehmen, das sich auf Marktforschungsergebnisse und Analysen über die Entwicklungen in der Informationstechnik (IT) spezialisiert hat, kam jetzt mit ganz neuen Prognosen heraus:

  • Für 2012 erwarten sie an die 119 Millionen verkaufte Tablets (gegenüber 60 Millionen in 2011);
  • bis 2016 werden würden mehr als 650 Millionen Tablets verkauft werden. Das übersteigt die erwartete PC-Nachfrage um rund 100 Millionen Einheiten.

PCs sind aber immer noch das Kernstück von Unternehmen wie Dell und Hewlett Packard, auch wenn diese beträchtliche Anstrengungen unternehmen, um mit diesem neuen Trend mithalten zu können. Doch inwieweit - und ob überhaupt - sich dadurch die rückläufigen PC-Verkäufe werden auffangen lassen, steht noch in den Sternen.

Dell musste in seinem Computersegment 10% nachgeben, bei HP waren es sogar 31%. Dieser Graph zeigt Ihnen, wie den Kursverlauf dieser beiden Giganten (Dell in blau, HP in rot) im Vergleich zum S&P 500 (schwarz):




Eine ganz andere Erfolgskurve hat Apple zu vermelden. Apple, Spezialist für Verbraucherelektronik, verkauft Monat für Monat Millionen Exemplare seines Babys, dem iPad. Schließlich konnte das Unternehmen melden, dass die Verkäufe dieses handlichen Geräts Jahr für Jahr um 150% gestiegen sind. Dabei steckt die Entwicklung dieser speziellen Form mobiler Internet-Technologie immer noch in den Kinderschuhen.

Gartner prognostiziert für das iPad im Tablet-Segment einen Marktanteil von 45% (das entspricht dem Verkauf von 300 Millionen Geräten). Apples Verkaufserwartung für 2012 geht von 60 Millionen iPads aus. Die Gartner-Analysten gehen davon aus, dass das iPad den Tablet-Markt auf Jahre hinaus dominieren wird.

Diese hohe Erwartung kommt auch im Aktienkurs zum Ausdruck. Die meisten Analysten geben für die Apple Aktie eine Kaufempfehlung. Folglich liegt der durchschnittlich angestrebte Preis der Aktie bei 740 US-Dollar, fast 200 $ höher als der Tagespreis.

Zudem scheint die Schwäche bei Dell und Hewlett Packard die Überlegenheit von Apple noch zu bestärken. Und dieser Trend könnte in den nächsten drei Jahren durchaus anhalten, in dem Maße nämlich, wie Tablets – allen voran das iPad - für die Endverbraucher immer mehr zur Selbstverständlichkeit werden.

Allein in den vergangenen 12 Monaten konnte das Unternehmen seinen Ertrag um 94% steigern! Zudem kann es 100 Milliarden US-Dollar Barmittel aufweisen. Mit dieser Liquidität könnte Apple seine beiden Konkurrenten Dell und Hewlett Packard zu deren gegenwärtigen Marktkappen glattweg aufkaufen – rein theoretisch natürlich. Und es bleibt immer noch genügend Kapital, um Dividenden in Höhe von 45 Milliarden US-Dollar auszuschütten.

Kein Wunder also, wenn sich die Apple Aktie bei den meisten Analysten großer Beliebtheit erfreut. Für einen Contrarian Investor, also einen Anhänger der antizyklischen Investmentstrategie, bedeutet allerdings gerade diese Attraktivität aufgrund von Grundlagen, Wachstum und reiner Überlegenheit über die Mitbewerber, dass er besser auf der Hut sein sollte. Er hält sich lieber an die antizyklische Vorgehensweise an der Börse, will heißen, er kauft, wenn die Mehrzahl der Marktteilnehmer pessimistisch ist. Und er verkauft, sobald die Euphorie ihren Höhepunkt erreicht hat. Gemäß seiner Strategie ist die Kurswende nahe, wenn alle dasselbe tun.

Und einen Aspekt gilt es sicherlich zu bedenken: Der derzeitige Erfolgskurs der Apple-Aktie beruht immer noch auf der visionären Genialität des leider viel zu früh verstorbenen Steve Jobs.

Apple Executive Tim Cook, Quelle: AppleDoch es gibt auch – zum Glück für Apple - "das Genie hinter Steve", wie das US-Magazin Fortune ihn würdigte: Tim Cook (Jahrgang 1960). Er war bereits 1998 von Steve Jobs persönlich angeworben worden und ist seit Januar 2011 in leitender Funktion in dem Konzern tätig. Cook hat Wirtschaft und Maschinenbau studiert. Auf der Apple Seite ist über seinen Werdegang in dem Konzern nachzulesen:

„Tim Cook ist der CEO von Apple und in seinem Verwaltungsrat tätig.

Bevor er im August 2011 zum CEO ernannt wurde, war Tim Leitender Geschäftsführer (Chief Operating Officer) und für alle weltweiten Verkäufe und Operationen der Gesellschaft verantwortlich, einschließlich dem durchgehenden Management von Apples Lieferkette, Verkaufstätigkeiten sowie Kundendienst und Kundenbetreuung auf allen Märkten in allen Ländern. Er leitete auch Apple‘s Macintosh Abteilung und spielte eine Schlüsselrolle bei der fortlaufenden Entwicklung von strategischen Wiederverkäufer- und Lieferantenbeziehungen, wodurch er die Flexibilität als Antwort auf einen immer anspruchsvolleren Marktplatz sicherte.“ Quelle: http://www.apple.com/pr/bios/tim-cook.html

Sobald der Tablet-Markt erschöpft ist, was aber sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, und zukunftsweisende innovative Ideen gefragt sind, wird sich zeigen, wie gut Apple nur mit Tim Cook und ohne den kreativen Geist Steve Jobs auskommt und seinen Marktvorsprung behaupten kann.

Gutes Investieren!



Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers


Eine weitere Empfehlung:

Steve Jobs: Und die Erfolgsgeschichte von Apple



Bildquelle:
iPad - Matt Buchanan / Wikipedia


Foto Tim Cook: www.apple.com




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