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Achtung: Bezahlen per Funk – girogo & Co

Von: J. Fuller - 18.04.2012
RFID-Blocker

RFID-Blocker

Bequem ja, aber auch sicher?


Gestern gab es nun den offiziellen Startschuss für das neue Bezahlen per Funk mit girogo. Allerdings gilt dieser Start vorläufig nur für das Pilotgebiet im Großraum Hannover, Braunschweig und Wolfsburg, so dass derzeit nur rund 1,3 Million der Sparkassen- und Volksbankenkunden dieses neue Verfahren werden testen können. Sie erhalten diese Karten kostenlos und unaufgefordert zugeschickt. Die bundesweite Einführung ist sukzessive ab August geplant. Von den insgesamt 45 Millionen Girokarten wollen die Sparkassen bis zum Ende dieses Jahres 16 Millionen und bis Ende 2013 30 Millionen Girokarten ausgetauscht haben gegen Karten mit dem neuen Funk-Chip.

In dieser Pilotregion in Niedersachsen sind bereits in speziellen Geschäften sogenannte Akzeptanzstellen eingerichtet, das heißt Geschäfte, in denen ein entsprechendes Lesegerät an der Kasse platziert wurde, wie beispielsweise in den Edeka Märkten und dm Drogerien sowie den Filialen der Douglas Holding (Douglas Parfümerien, Thalia-Buchhandlungen, Hussel-Confiserien, AppelrathCüpper Damenmodegeschäfte, Christ Juweliere) und auch den Esso-Tankstellen.

Was ist das und wie funktioniert das?

Es handelt sich bei girogo um die neue kontaktlose Bezahlfunktion der Deutschen Kreditwirtschaft. Alle neu herausgegebenen Girokarten der Volksbanken Raiffeisenbanken und der Sparkassen im Großraum Hannover, Braunschweig und Wolfsburg beinhalten seit Ende 2011 automatisch diese Funktion, mit deren Hilfe Sie Beträge bis 20 Euro per Funk an den Kassen bezahlen können. Sie müssen künftig Ihre Karte mit dem speziellen Funk-Chip nur noch in einem Abstand von maximal vier Zentimetern vor ein Lesegerät halten, und schon wechselt das Geld seinen Besitzer.

girogo LgooIn den Chip ist eine kleine NCF-Funkantenne integriert (NFC Abkürzung für "Near Field Communication", also zu gut deutsch "Nahfeldkommunikation"). Und schon werden die Daten übertragen ohne direkten Kontakt, ohne Einstecken der Karte in einen Schlitz, ohne PIN-Eingabe und auch ohne Ihre Unterschrift. Sollte der zu bezahlende jedoch Betrag 20 Euro übersteigen, können Sie mit derselben Karte, wie gehabt, mit PIN oder Unterschrift bezahlen.

Für das neue Bezahlverfahren per Funk muss die Karte vorher allerdings ausreichend aufgeladen und somit gedeckt sein, denn die Grundlage ist das Prepaid-Prinzip. Hierfür ist bislang ein Aufladebetrag in Höhe von maximal 200 Euro vorgesehen. Die Aufladung kann an jedem Geldautomaten, an speziellen Terminals, im Internet mit einem Chipkartenleser, im teilnehmenden Einzelhandel (mit dem sogenannten „Abo-Laden“ vorerst nur bei Sparkassen möglich) oder auch über NFC-fähige Smartphones mit entsprechender App erfolgen.

Der Bankkunde hat auch die Möglichkeit, Auflade-Abos mit seiner Bank zu vereinbaren, wodurch sein Guthaben bei Erreichen eines Mindestbetrags sofort aufgestockt wird. Eine Vorführung dieses Vorgangs finden Sie auf der girogo-Seite.

Dieser neue Bezahlvorgang via Funk wurde bereits seit 2010 in verschiedenen Projekten getestet, beispielsweise beim Hurricane-Festival in Scheeßel oder in Stadien in Göppingen und Mainz.


Quelle: http://www.girogo.de/


Untersuchungen zufolge haben "80 Prozent aller Transaktionen im Einzelhandel (...) einen Gegenwert von 20 Euro oder weniger", deshalb geht der Deutsche Sparkassen- und Giroverband davon aus, dass die Wartezeiten an den Kassen durch dieses neue beschleunigte Verfahren um bis zu 25 Prozent verringert werden könnten. Und da in unserer Zeit Geschwindigkeit Geld bedeutet, würde der Einzelhandel durch diese Beschleunigung auf lange Sicht Personalkosten einsparen können.

Werner Netzel vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband kommentiert gegenüber WISO: „Der Kunde hat natürlich ganz erhebliche Vorteile dadurch, dass es ein einfaches, bequemes und vor allen Dingen sehr schnelles Zahlverfahren ist. Vor allem aber auch die Tatsache, dass es ein hygienisches Zahlverfahren ist.“ Denn Hartgeld geht durch viele Hände, elektronisches Geld nicht. (Quelle: WISO-Beitrag „Bezahlen ohne Pin und Unterschrift“)

Nachteile

Allerdings bringt dieses Bezahlen per Funk auch Nachteile mit sich.

Wie Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband gegenüber heute.de  erklärte: "Das Guthaben auf der Karte hat die Qualität von Bargeld", was im Klartext bedeutet: Karte weg = Guthaben weg.

Die Karte muss immer erst aufgeladen werden, bevor sie eingesetzt werden kann.

Für jeden Ladevorgang (Ausnahme: Abo-Laden) ist die Eingabe der PIN erforderlich. (Wie bereits oben erwähnt, können Sie allerdings bei Ihrer Bank die automatische Aufladung veranlassen, so dass Sie die Karte gedeckt bekommen, sobald ein bestimmtes Guthaben unterschritten wird.)

Schwieriger wird es allerdings, wenn Sie den Überblick behalten wollen, denn die einzelnen Bezahlvorgänge erscheinen nicht auf Ihrem Kontoauszug. Die jeweils letzten 15 Bezahlvorgänge und die letzten drei Ladevorgänge werden jedoch auf der Karte gespeichert. Sie benötigen NFC-fähige Smartphones mit entsprechender App oder TAN-Generatoren oder einen Kartenleser, um sich diese einzelnen Vorgänge anzeigen zu lassen. Die Höhe des Guthabens ist zudem auch an jedem Kassenterminal einsehbar, denn Sie bekommen bei jedem Lade- oder Bezahlvorgang auf dem Lesegerät den verbleibenden Restbetrag auf dem Kartenchip angezeigt.

Was die Sicherheit dieses Bezahlens per Funk anbelangt, betonen Banken und Sparkassen, dass das Kartenzahlverfahren aufgrund der Verschlüsselung bei der Übertragung dem bisherigen Kartenzahlverfahren in nichts nachstünde. Allerdings bezieht sich diese Sicherheit nur auf den eigentlichen elektronischen Übertragungsvorgang von Ihrer Karte auf das jeweilige Empfangsterminal.

Fakt ist, dass die Funksignale ständig ausgestrahlt werden. Und genau das kann problematisch werden, wie Sie in diesem WISO-Beitrag von Georg Döller „Bezahlen ohne Pin und Unterschrift“ in der ZDF-Mediathek sehen können.



Quelle: ZDF Mediathek: Bezahlen ohne Pin und Unterschrift


In den USA ist das Bezahlen per Funk schon seit einiger Zeit selbstverständlich geworden. Hier bietet sich also das ideale Betätigungsfeld für einen IT Fachmann, der die Schwächen dieses Systems auskundschaftet. In diesem WISO-Beitrag führt er anschaulich vor, wie er sich – nur bewaffnet mit einem mobilen Scanner und einer Hacker-Software (beides leicht und dezent transportabel in einer kleinen Herrenhandtasche) - die sensiblen Kreditkarten-Daten von Passanten abgreift. Alles, was er dazu tun muss, ist, beispielsweise auf einer Rolltreppe diese so bestückte Tasche an die Gesäßtasche des Passanten vor ihm zu halten, in der er dessen Brieftasche samt Kreditkarten vermutet. Der Passant merkt nichts davon. Aber im Nu sind laut- und berührungslos das Verfallsdatum und die vollständige 16-stellige Nummer seiner Kreditkarte auf den Scanner des IT Experten übertragen.

Derselbe IT Experte war auch in der Lage, die Daten einer AMEX- auf seine eigene VISA-Karte zu transferieren, und konnte dann unter seinem eigenen Namen problemlos damit bezahlen. Der dynamische Sicherheitscode ließ sich bei diesem Datenklau schlichtweg übergehen. Ähnlich hat es auch bei einer MasterCard funktioniert.

Thorsten Klein von Mastercard Deutschland versichert diesbezüglich: „Wenn Sie diese Kartennummern … auch noch nutzen konnten zum Einkauf im Handel, dann geschieht das nur, weil willentlich auf Sicherheitsmechanismen wie ein CVC2 (die dreistellige Sicherheitsnummer auf der Rückseite Ihrer Karte), der nicht übertragen wird, verzichtet wurde. Wichtig für den Verbraucher ist aber, dass solche Transaktionen niemals zu seinen Lasten gehen. Er muss sie lediglich reklamieren.“

WISO prüft gegenwärtig, wie sich der Einsatz von NFC-fähigen Smartphones beim Bezahlen in Taxen in Frankfurt bewährt. Für die Taxifahrer würde diese Technik sicherlich einige Vorteile mit sich bringen. Zumindest könnte das Bezahlen per Funk künftig zu ihrer Sicherheit beitragen.

Im Hinblick auf die Sicherheit ist der entscheidende Nachteil also, dass die Funkverbindung ununterbrochen sendet und nicht abgeschaltet werden kann, nicht einmal beim Essen. WISO empfiehlt deshalb eine spezielle Hülle für diese Chip-Karte (siehe obiges Video), die das Senden der Daten angeblich unterbinden soll.

Da sich diese neue Funk-Technik in den USA offensichtlich bereits durchgesetzt hat, können wir davon ausgehen, dass sie über kurz oder lang auch bei uns eine selbstverständliche Komponente unserer alltäglichen Bezahlvorgänge werden wird, und zwar nicht nur begrenzt auf Kleineinkäufe im Lebensmittelladen, sondern bei unseren sämtlichen elektronischen Bezahlvorgängen.

Früher oder später werden also auch Sie und ich unmittelbar in Berührung kommen mit dieser Technik. Aber schon jetzt gilt, dass Sie Ihre Kontoauszüge regelmäßig und zeitnah prüfen sollten, um sicherzugehen, dass sich dort keine eigenwilligen und ungewollten Bewegungen abspielen.

Also bleiben Sie wachsam!


Unsere Empfehlung zu diesem Thema:

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