Synonyme:
Kurzform:
engl.:
Definition 1:
Der Einfaktor-Entscheidungsansatz ist nie aufgegeben worden: Ende der 90-er Jahre war der meistgebrauchte Einzelfaktor zur Vorhersage kurzfristiger Ergebnisse die "Überraschungsrendite": die Quote, um die das Quartalsergebnis eines Unternehmens über oder unter den Prognosen lag. Wenn die Quartalserträge besser als erwartet ausfielen, reagierte der Kurs der Aktie meist nach oben, zuweilen in dramatischem Ausmaß. Wenn das Unternehmen niedrigere Erträge als erwartet berichtete, tendierte der Aktienkurs meist nach unten. Jeder professionelle Investor, der an die Quartalszahlen herankommen konnte, bevor diese für die Öffentlichkeit freigegeben wurden, konnte im Vorgriff auf diese "Überraschung" durch den Kauf oder Verkauf von Aktien einen hübschen Profit einstreichen. Der Trick bestand folglich darin, sich frühzeitig Unternehmensinformationen zu beschaffen.
Also bemühten sich geschäftstüchtige Investmentprofis vor dem offiziellen Berichtstermin um private Konferenzschaltungen und Vieraugengespräche mit einzelnen Managern. Arbeiteten diese Profis dann auch noch zufällig für Firmen, die Milliarden schwere Portfolios kontrollierten, ließen sich die Unternehmen häufig darauf ein und gaben spezielle Interviews. Einzelinvestoren und Geldmanagern kleinerer Firmen blieb nichts anderes übrig, als auf die offiziellen Quartalsberichte zu warten.
Diese selektive Offenlegung von Unternehmensinformationen wurde lange Zeit von der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) mit Stirnrunzeln beobachtet; im August 2000 wurde dann die Missbilligung amtlich und die Behörde erließ eine neue Verordnung unter der Bezeichnung "Regulation Fair Disclosure", alsbald in das Kürzel "FD" umgetauft. Danach sind die Unternehmen angehalten, alle Investoren gleich zu behandeln und ihre Informationen gleichzeitig sowohl den individuellen Kleinanlegern als auch den Milliarden schweren Portfolio-Managern zukommen zu lassen. Dies bereinigte das Terrain auf drastische Weise. Vorbei die Zeiten, zu denen sich die Wall-Street-Profis für bessere Analysten halten konnten, weil sie bessere und schnellere Informationen hatten.
Robert G. Hagstrom
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