Industrielle Revolution




Industrielle Revolution

engl. Industrial Revolution

Definition 1:

Unter der Industriellen Revolution versteht man die industrielle Umgestaltung der Arbeits- und Sozialordnung in Europa im 18. und hauptsächlich 19. Jahrhundert. Industrielle Revolution bezeichnet den "rapiden und sozial spannungsreichen Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft". Die Industrielle Revolution ging Ende des 18. Jh. von Großbritannien aus. Im 19. Jahrhundert breitete sie sich über West- und Mitteleuropa und die USA aus. Gegen Ende dieses Jahrhunderts wurden auch Russland und Japan erfasst. Manche Entwicklungsländer durchschreiten erst heute (gegen Ende des 20. Jahrhunderts ñ Beginn des 21. Jahrhunderts) diesen Prozess, oder haben ihn bis heute noch nicht begonnen. Der Begriff Industrielle Revolution wurde von Friedrich Engels und L. Blanqui geprägt. ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Industriellen_Revolution  

Definition 2:

»Industrielle Revolution« bezeichnet die Phase der Industrialisierung in Europa und Nordamerika, in der sich die Lebens- und Produktionsbedingungen der Menschen und ihre Lebensräume in einem bis dahin unbekannten Ausmaß veränderten und die seit Menschengedenken agrarisch geprägte Gesellschaft sich in wenigen Jahrzehnten zur Industriegesellschaft wandelte. Das atemberaubende Tempo, mit dem sich diese Entwicklung vollzog, sowie die fundamentalen Auswirkungen auf alle Lebensbereiche haben dazu geführt, diesen Umwälzungsprozess als »industrielle Revolution« zu bezeichnen. Der Vorgang der Industrialisierung begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Großbritannien. Als führende Seemacht der Welt verfügte das Inselreich über einen weit größeren wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum als die Staaten des Kontinents. Diesen Vorsprung gegenüber dem Festland galt es zu erhalten. Dabei mussten die Briten den durch die Unabhängigkeit der nordamerikanischen Kolonien erlittenen Verlust so rasch wie möglich auszugleichen suchen. Zugleich musste die britische Sonderstellung gegenüber den Ambitionen des napoleonischen Frankreich verteidigt werden, das mit der Kontinentalsperre die Wirtschaftsmacht Großbritanniens bedrohte. Zu Hilfe kamen den Briten die bahnbrechenden Erfindungen der letzten Jahrzehnte des ausgehenden Jahrhunderts, die in britischen Forschungsstätten »erdacht« und erprobt worden waren: voran James Watts Dampfmaschine (1769), ferner Hargreaves' und Arkwrights Spinnmaschine (1768 bzw. 1769) und Cartwrights mechanischer Webstuhl (1785). Mit der Nutzbarmachung dieser Erfindungen in einer mechanisierten Textilherstellung bildeten sich erste Großunternehmen. Die intensive Nutzung der heimischen Kohle zur Erzeugung von Dampfkraft hatte einen rapiden Anstieg der Steinkohlengewinnung zur Folge. Erst nach dem Ende der Napoleonischen Kriege sprang der Prozess der Industrialisierung auf den europäischen Kontinent über, zuerst nach Belgien, den Niederlanden und nach Frankreich. Inzwischen beschleunigte sich die Industrialisierung in England durch die Revolutionierung des Verkehrswesens, ausgelöst durch die Erfindung der Dampfeisenbahn. 1803/04 wurde die erste Dampflokomotive gebaut, 1825 die erste Eisenbahnstrecke zwischen Stockton und Darlington eröffnet. Schon 1850 existierte in Europa (einschließlich Großbritanniens) ein Eisenbahnnetz von 23 500 km, in Amerika von 15 100 km. Der in diesen Zahlen zum Ausdruck kommende rasche Ausbau des Eisenbahnnetzes, der sich bis 1870 auf 372 000 km nahezu verzehnfachte, war mit einem ungeheuren Bedarf an Stahl, Eisen und Kohle verbunden und führte zum raschen Aufbau einer florierenden Metall- und Maschinenbauindustrie. Diese vehemente Industrialisierung veränderte die bisher dörflich-agrarische Landschaft grundlegend. Industriestandorte entstanden überall dort, wo Rohstoffe lagerten, oft fernab von Städten, an Flüssen oder an günstigen Verkehrswegen. Arbeiterstädte schossen aus dem Boden, dörfliche Gegenden wandelten sich zu unkontrolliert wachsenden Industrierevieren, so in Mittelengland, in Belgien und Nordfrankreich, an Rhein und Ruhr sowie im sächsisch-schlesischen Raum.
© Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim, 2005

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