
Wenn wir dem Investorgenie und Milliardär George Soros Glauben schenken, dann ist das Schlimmste von der globalen Finanzkrise überstanden. Das hat er jedenfalls am 20. Juni anlässlich eines Interviews im polnischen Fernsehen verkündet mit dem Eingeständnis, dass es sich bei dieser Krise um die gravierendste Krise seines Lebens gehandelt habe.
Dem gegenüber stehen Prognosen der Weltbank mit kürzlich aktualisierten Zahlen, die für dieses Jahr auf einen 2,9%-igen Rückgang in der globalen Wirtschaftstätigkeit schließen lassen. Handelt es sich bei den "green shoots" [erste Anzeichen einer Erholung] doch eher um Unkraut?
Nun, woran soll man sich also halten?
Soros hat bereits bewiesen, dass er über ein gehöriges Maß an finanziellem Scharfsinn verfügt. Mit seinen Investmententscheidungen konnte er deshalb so erfolgreich sein, weil er sich Fakten oder Umstände bewusst gemacht hat, die andere entweder nicht sehen konnten oder vielleicht auch nicht sehen wollten. Mit seinen Einschätzungen des Markttiming hat er sich einen Namen gemacht, auch wenn er nicht immer Recht gehabt hat, wie er selbst auch weiß.
"Das Schlimmste überstanden" - heißt das, wir können nun getrost bullisch in die Zukunft blicken? Vorsicht, liebe Leser, wir sollten da nicht zu leichtsinnig werden - auch im Hinblick auf ähnlich lautende Äußerungen von Warren Buffett und Soros' ehemaligem Investmentpartner Jim Rogers.
Dieser Vorbehalt gründet sich auf drei Faktoren:
Dennoch sollten wir natürlich jede Chance nutzen, um von Investment-Legenden mit dem Format eines Soros, Buffett oder Rogers zu lernen.
Welcher Ansatzpunkt bietet sich denn da? Nun, jede Investmententscheidung fängt im Kopf an, nicht erst mit den Zahlen in den Bilanzen. Gibt es möglicherweise gemeinsame Nenner bei diesen Größen?
Alle drei haben jeweils ihre Lieblingsspielfelder: Rogers ist in der ganzen Welt unterwegs, um lohnenswerte Investments aufzutreiben, Soros ist mehr in Richtung auf Währungen und makroökonomischen Tendenzen orientiert und Buffetts Spielwiese sind Value Anlagen.
Allen gemeinsam ist der Umstand, dass ihre Entscheidungen in der Regel dem herkömmlichen Wall Street Denken zuwiderlaufen. Eine weitere Gemeinsamkeit liegt in ihren gelegentlichen Äußerungen über die Wichtigkeit, kein Geld zu verlieren. Sie teilen ebenfalls ihre Einstellung zur Geduld beim Investieren, also lieber abzuwarten, bis sich die wirklich richtige Gelegenheit bietet, statt sich Hals über Kopf in ein riskantes Unternehmen zu stürzen.
Keiner von ihnen glaubt, dass er erst große Risiken eingehen müsste, um Geld, viel Geld zu verdienen. Vielmehr sei es entscheidend, wie das Vermögen konzentriert wird.
Die Wall Street hingegen versucht Ihnen einzuimpfen, dass Sie Ihre Anlagen diversifizieren müssten. Denn, so ihre Überlegung, selbst wenn einige Teile Ihres Portfolios fallen sollten, würden andere immer noch steigen. Und das sei langfristig immer noch der beste Weg. Das mag ja gelegentlich auch richtig sein. Was aber, wenn alle Aktienkurse fallen? Wo bleibt da der Schutz? Die Jahre 2000 und 2007 waren harte Lehrjahre für alle Investoren, die sich durch Diversifikation geschützt gefühlt hatten.
Und noch eine Gemeinsamkeit: weder Buffett noch Soros noch Rogers haben sich nach dem gerichtet, was andere Leute meinten und für richtig hielten. Und sie haben sich auch nicht großartig den Kopf darüber zerbrochen, was der Markt nun als nächstes wieder anstellen würde.
Nichts dergleichen. Sie haben sich stattdessen eine auf sie selbst zugeschnittene Strategie erarbeitet und weiterentwickelt und für sich selbst gedacht. Und darin zeigt sich ihre wahre Stärke. Und wenn sich dann eine anscheinend günstige Gelegenheit bietet, werden die damit im Zusammenhang stehenden Fakten gründlich untersucht und ausgewertet. Sollte sich dann nach eingehender Überprüfung zeigen, dass die Gewinnchancen durchaus realistisch sind, erst dann wird eine Kaufentscheidung getroffen - egal, was der Markt dann gerade macht.
Buffett hat seine Strategie auf den Punkt gebracht:
Das mag schmerzhaft nach Arbeit klingen in den Ohren so manchen Investors, der sich von der Wall Street Werbung hat weismachen lassen, Investoren seien Leute, die ihre dicken Deals mal so eben über das Handy machen.
Aber noch ein weiterer Aspekt zeichnet diese Investoren aus - die Zukunftsperspektive:
Sich durch einen Wust nüchterner Zahlen hindurcharbeiten zu können, ist nur eine Facette des Investorendaseins. Ein ebenso wichtiger Aspekt zeigt sich in der Fähigkeit, eine Vision für die Zukunft hinzustellen und zu definieren, was von der zukünftigen Entwicklung realistischerweise zu erwarten ist. Und dann gegebenenfalls auch loslassen zu können, sollten sich diese Gewinnerwartungen - aus was immer für Gründen - nicht erfüllen.
Auf eine Erholung zu spekulieren, kann sicherlich nicht die Lösung sein. Ein Spekulant ist per Definition abhängig vom täglichen Marktgeschehen.
Ganz anders sieht es aus, wenn sich der Investor den gegenwärtigen Fluss in Form von Kapitalspritzen in unser Wirtschaftssystem zunutze macht und auf werthaltige Gesellschaften konzentriert, die sich nach eingehender Prüfung als inflationsresistent erweisen und ein reales Einkommen generieren. Spätestens, wenn diese Kapitalspritzen Wirkung zeigen und die Erholung in Gang kommt, werden diese Gesellschaften noch weiter steigen.
Soros, Buffett und Rogers wissen das.
Gutes Investieren!

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