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Denken wie Warren Buffett

Von: M. Rapp - 27.07.2010

Es sind schon viele Bücher geschrieben worden über den legendären Investor Warren Buffett  und seinen herausragenden Investmentstil, der neben Benjamin Graham wie kaum ein anderer das Value Investing  geprägt hat.

Spätestens, wenn Sie alle Bücher von ihm und über ihn gelesen haben, werden Sie ein deutliches Bild davon haben, wie das "Orakel von Omaha" denkt – über Investments und alles, was damit zusammenhängt.

Mit folgenden Empfehlungen wollen wir Ihnen – sozusagen als Schnupperkurs – einige Anregungen vermitteln, um sich intensiver mit dem Value Investing à la Warren Buffett auseinanderzusetzen.


1. Denken Sie an Aktien als ein Unternehmen

Viele Trader und Investoren haben nur ein sehr begrenztes Konzept von Aktien. Für sie sind Aktien mehr oder weniger bloß ein Stück Papier, das unter den Börsenteilnehmern hin- und her gehandelt wird. Das mag hilfreich sein für die Akteure, damit sie einen nüchternen Blick auf die Bewegungen an der Börse bewahren und sich emotional nicht zu sehr verstricken. Andererseits kann eine zu distanzierte Sichtweise sie daran hindern, optimale Investmententscheidungen zu treffen.

Buffett plädiert deshalb dafür, dass sich Aktionäre als "Miteigentümer" des Geschäfts verstehen sollten, in das sie investieren. Wenn sie somit eine gewisse Beziehung aufbauen zu ihrem Besitz, werden sie weniger geneigt sein, übereilte spontane Anlageentscheidungen zu treffen, und sich eher längerfristig ausrichten. Damit einher geht in der Regel auch eine sorgfältigere und detailliertere Analyse des anvisierten Besitzes sowie eine eingehendere Auseinandersetzung mit anstehenden Kauf- und Verkaufsentscheidungen. Dies übt dann letztlich einen nachhaltigen positiven Einfluss auf die Investmentgewinne aus.

"Immer wenn Charlie und ich für Berkshire Aktien kaufen, gehen wir diese Transaktion an, als ob wir uns in ein Privatunternehmen einkauften. Wir beachten die wirtschaftlichen Aussichten des Unternehmens, wir sehen auf die Menschen, die das Unternehmen verantwortlich leiten, und wir achten natürlich auch auf den Preis, den wir bezahlen müssen."


2. Vergrößern Sie Ihr Investment

Vielleicht haben Sie schon gehört von dem Prinzip zur Risikominimierung, dass man nämlich als Investor „nicht alle Eier in einen Korb legen" sollte.

Es versteht sich eigentlich von selbst, dass man an der Börse nicht alles auf eine Karte setzen bzw. alle Eier in einen Korb legen sollte. Anders herum ist es allerdings auch nicht empfehlenswert, dass Sie Ihre Eier in zuviele Körbe legen.

Sie sehen also, dass Ihre Asset Allocation, also die Strukturierung Ihres Portfolios, einiges Fingerspitzengefühl erfordert.

Buffett vertritt den Standpunkt, dass Überdiversifikation ebenso abträglich für die Gewinne sein kann wie ein Mangel an Diversifikation. Aus eben diesem Grund investiert er nicht in Investmentfonds. Und aus genau demselben Grund zieht er es vor, bedeutende Investments in bloß einer Hand voll Gesellschaften zu tätigen.

Er hat es einmal etwas überspitzt auf den Punkt gebracht: “Diversifikation ist ein Schutz gegen Ignoranz. Sie macht (nur) sehr wenig Sinn für jene, die wissen, was sie tun.”

Buffetts Credo besagt, dass ein Investor zuerst ein gewisses Maß an Hausaufgaben machen muss, bevor er in irgendein Wertpapier investiert. Und er sollte dieses Due Diligence Verfahren erst an dem Punkt als abgeschlossen betrachten, an dem er sich ausreichend wohl dabei fühlt, der Aktie seiner Wahl einen beträchtlichen Teil seines Vermögens zu widmen. Und gegebenenfalls sollte der Investor an den Punkt gelangen, wo er es schafft, sein gesamtes Investmentportfolio auszusortieren und bis auf eine Hand voll guter Gesellschaften mit ausgezeichneten Wachstumsaussichten zu reduzieren. Buffetts Devise lautet: "Bei jedem Investment, das Sie tätigen, sollten Sie den Mut und die Überzeugung haben, mindestens 10% Ihres Vermögens in diese Aktie zu investieren."

Buffett geht es ausdrücklich nicht nur darum, sich Zeit zu nehmen, um seine Geldanlagen richtig zuzuteilen. Denn das Ziel ist nicht nur, die beste Gesellschaft zu finden. Vielmehr geht es darum, wie Sie als Investor oder Aktionär sich über die Gesellschaft fühlen. Wenn wir einmal davon ausgehen, Sie besitzen ein Geschäft, das Ihnen bei minimalem finanziellen Risiko die günstigsten langfristigen Aussichten bietet, warum sollten Sie dann noch in zwanzig weitere Geschäfte Geld investieren statt mehr Geld in ihrem Favoriten anzulegen?


3. Reduzieren Sie den Umsatz Ihres Portfolio

Mit dem Traden von Aktien, d.h. Käufe und Verkäufe von Wertpapieren ihn schneller Abfolge, kann eine Person – ein Trader - zwar potenziell viel Geld machen. Für Buffett bedeutet diese spekulative Börsenaktivität letztlich jedoch eine Schmälerung der potentiellen Gewinne. Seine Überlegung besagt, dass der Umsatz des Portfolios wiederum die Steuern erhöht, die auf jeglichen Kapitalzuwachs fällig werden. Zudem summieren sich die Provisionen, die für all diese Transaktionen fällig werden, schlussendlich zu einer beträchtlichen Summe auf, die dann wiederum von den Gewinnen, die auf dem Papier stehen, abgezogen werden muss, um ein realistisches Endergebnis zu erhalten.

Buffetts Motto lautet, was im Geschäft Sinn macht, gilt letztlich auch für Aktien: So wie ein Unternehmer durch alle Höhen und Tiefen hindurch an einem Geschäft festhält, das auf lange Sicht hervorragend läuft, so sollte entsprechend auch ein Aktionär an seinem kleinen Anteil eines Geschäfts festhalten.

Der Schlüsselpunkt dieser Überlegung ist die langfristige Sichtweise. Mit dieser langfristigen Orientierung vermeiden Sie riesige Provisionen und Kapitalertragssteuern. Diese langfristige Orientierung hilft Ihnen zudem, jegliche kurzfristigen Schwankungen im Geschäft zu überstehen und mit der Zeit die Belohnungen der gestiegenen Erträge und/oder Dividenden zu ernten.


4. Entwickeln Sie alternative Benchmarks

Die Performance der gehandelten Gesellschaften wird mit Hilfe der Aktienkurse gemessen. Buffett zieht es jedoch vor, sich nicht auf diese Benchmark zu konzentrieren. Er analysiert und studiert stattdessen genau die zugrundeliegenden wirtschaftlichen Gegebenheiten eines bestimmten Unternehmens oder einer Gruppe von Unternehmen. Denn wenn eine Gesellschaft alles Erforderliche unternimmt, um sich gewinnbringend zu entwickeln, werden diese Bemühungen letztlich auch in den Kursen zum Ausdruck kommen.

Erfolgreiche Investoren müssen sich die Gesellschaften anschauen, die sie besitzen, und ihr wahres Einkommenspotenzial studieren. Sofern diese über solide fundamentalen Daten verfügen und das Aktionärsvermögen mehren, indem sie konsequentes  Wachstum ihres Reingewinns erzeugen, sollte sich ihre Anstrengungen auf lange Sicht auch im Aktienkurs widerspiegeln.


5. Lernen Sie, in Wahrscheinlichkeiten zu denken

Bridge ist eigentlich „nur“ ein Kartenspiel. Wer es aber kennt, weiß, dass erfolgreiche Spieler gelernt haben, mathematische Wahrscheinlichkeiten einzuschätzen, um ihre Gegner zu schlagen. Es wird Sie nicht großartig überraschen, dass Buffett nicht nur das Spiel liebt, sondern als aktiver Bridge-Spieler auch grundlegende Strategien des Spiels in die Investmentwelt eingebracht hat.

Buffett empfiehlt, dass sich Investoren auf die wirtschaftlichen Gegebenheiten der Gesellschaften konzentrieren sollten, deren Anteile sie besitzen. Dann sollten sie versuchen die Wahrscheinlichkeit abzuwägen, dass bestimmte Ereignisse eintreten werden oder auch nicht. So ähnlich macht es nämlich ein Bridge-Spieler, der die Wahrscheinlichkeiten der Blätter [Gesamtheit der an einen Spielenden ausgeteilten Karten] seiner Gegner überprüft. Buffett erläutert seine Empfehlung mit dem Hinweis, ein Investor, der sich auf den wirtschaftlichen Aspekt der Gleichung fokussiert statt auf den Aktienpreis, wird Wahrscheinlichkeiten akkurater beurteilen können.

In Wahrscheinlichkeiten zu denken bringt Vorteile mit sich. Zum Beispiel ist ein Investor, der die Wahrscheinlichkeit erwägt, dass eine Gesellschaft über eine Zeitdauer von fünf oder zehn Jahren eine bestimmte Wachstumsrate ihres Einkommens melden wird, viel eher in der Lage, kurzfristige Schwankungen im Aktienkurs zu überstehen. Im weiteren Sinne wird das darauf hinauslaufen, dass er wahrscheinlich überlegenere Investmentgewinne wird vorweisen können und zudem weniger Transaktions- und/oder Kapitalertragskosten zu bezahlen haben wird.


6. Erkennen Sie die mentalen Aspekte des Investierens

Das heißt ganz einfach, erfolgreiches Investieren beginnt im Kopf. Genauer gesagt, der erfolgreiche Investor wird sich auf Wahrscheinlichkeiten und betriebswirtschaftliche Sachverhalte konzentrieren. Das wiederum beinhaltet, dass seine Entscheidungen von Vernunft geprägt sind statt von emotionalen und/oder irrationalen Erwägungen.

Man hört zwar immer wieder „Hör auf Dein Bauchgefühl“. In manchen Bereichen des Lebens mag das ja auch eine gültige Parole sein, nur ganz bestimmt nicht beim Investieren. Die Emotionen eines Anlegers können in der Tat sein schlimmster Feind sein, dann nämlich, wenn sie ihn zu voreiligen Handlungen verleiten. Buffett vertritt den Standpunkt, dass der Schlüssel für erfolgreiches Investment darin besteht, die Emotionen zu überwinden: "In meinem Metier ist es besser, seine Gefühle zu kontrollieren. Denn Gefühle stören das Hirn und vernebeln die Entscheidungen."

Investoren sollten begreifen, dass sie sich für ein erfolgreiches Investieren eine bestimmte mentale Haltung erarbeiten und sie auch umsetzen sollten.


7. Ignorieren Sie Marktvorhersagen

Eine alte Wall Street Redensart besagt, der Dow würde an "einer Mauer von Sorgen hochklettern". Mit anderen Worten, trotz der Negativität auf dem Marktplatz und all jener Gurus, die fortwährend behaupten, eine Rezession stünde kurz bevor, ist es den Märkten im Laufe der Zeit immer noch relativ gut ergangen. Deshalb sollten Schwarzseher ignoriert werden.

Auf der anderen Seite der Medaille finden sich die ewigen Optimisten, die behaupten, dass sich die Aktienbörse fortwährend auf dem aufsteigenden Ast befände. Diese sollten ebenfalls ignoriert werden.

Glücklicherweise hat Buffett eine Lösung für dieses verwirrende Dilemma anzubieten: Investoren sollten ihre Investment Anstrengungen auf Aktien von Gesellschaften fokussieren, die durch den Markt gegenwärtig nicht genau bewertet werden. Die Schlüsselfrage hierzu lautet: „Fragen Sie nicht nach dem Preis, den Sie für ein Unternehmen zahlen, sondern nach dem Wert, den Sie für Ihr Geld bekommen.“ Denn, so erläutert er an anderer Stelle: „Preis ist, was Sie bezahlen. Wert ist, was Sie bekommen."

Ein smarter Schachzug, mit dessen Hilfe der Investor dem Markt immer einen Schritt voraus ist: Bevor der Markt auch nur begreift, wie werthaltig die Gesellschaft überhaupt ist, was sich durch höhere Preise und größere Nachfrage zeigt, besitzt der Investor sie schon längst: "Reich wird, wer in Unternehmen investiert, die weniger kosten, als sie wert sind".


8. Achten Sie auf einen haltbaren Wettbewerbsvorsprung

Es ist der Wettbewerbsvorsprung, der hilft, auch auf lange Sicht das Fortbestehen der Gesellschaft zu sichern. Deshalb widmet Buffettt diesem Aspekt bei seiner Investmentauswahl immer besondere Aufmerksamkeit:

"Bei Gesellschaften suchen wir nach einer Entität, die einen haltbaren Wettbewerbsvorsprung hat; jemand, der nicht nur jetzt gesund ist, sondern in 10 oder 20 Jahren von jetzt an immer noch gesund sein wird. Wenn Sie im Kapitalismus ein wunderbares Geschäft haben, ist es so ähnlich, als ob Sie ein wirtschaftliches Schloss hätten. Und es liegt in der Natur des Kapitalismus, dass Leute hereinkommen und Ihr Schloss nehmen wollen...

Nun, was Sie brauchen, ist, Sie brauchen ein Schloss, das einen haltbaren Wettbewerbsvorsprung hat; ein Schloss, das einen Burggraben darum herum hat. Und jener Burggraben, in vieler Hinsicht einer der besten Burggräben, soll ein preisgünstiger Erzeuger sein...

Wir suchen also nach institutionalisiertem 'Wettbewerbsvorsprung'. Wir suchen nicht den besten Gehirnchirurgen der Stadt. Wir suchen nach der Mayo Klinik, also wollen wir eine Einrichtung, die - unabhängig von der verantwortlichen Person - diesen Wettbewerbsvorsprung im Laufe der Jahrzehnte aufrechterhalten wird. Und wir hoffen, dass wir das in einigen Geschäften finden, und dann versuchen wir, die beste Person zu bekommen, die wir finden können, um sie zu leiten. Gewöhnlich ist es die Person, die sie geleitet hat.“


Fazit

Viele gute Leute geben viele gute Ratschläge. Aber was für andere gut ist, muss für Sie noch lange nicht gut sein. Deshalb Buffetts weiser Rat: "Tun Sie nicht, was andere sagen; hören Sie ihnen einfach zu, aber tun Sie das, was Ihrer Meinung nach gut ist.” Ihr gesunder Menschenverstand ist etwas, das Ihnen auch der beste Ratschlag der Welt nicht ersetzen kann.

Wie Buffett sagt: "Es gibt eben einen unglaublichen Widerstand gegen Denken oder gegen Veränderung. Einmal zitierte ich Bertrand Russell, der sagte: ,Die meisten Menschen würden eher sterben als denken. Und viele sind gestorben.' Und im Bereich der Finanzen ist das auch sehr wahr."

Letztlich gilt ein uraltes Prinzip: "Die beste Art und Weise, Risiko zu minimieren, ist nachzudenken."

Gutes Nachdenken und Investieren!


Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Essays von Warren Buffett. Ein Buch für Investoren und Unternehmer


Eine weitere Empfehlung:

Buffettissimo. Die 12 Erfolgsprinzipien für die Börse von heute.


Eine weitere Empfehlung:

So macht es Warren Buffett: 24 einfache Anlagestrategien des weltweit erfolgreichsten Value Inves-tors


Eine weitere Empfehlung:

Buffett: Die Geschichte eines amerikanischen Kapitalisten


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