
Berkshire Hathaway ist wieder ins Rampenlicht getreten. Das Unternehmen zählt zu den 25 größten Unternehmen der USA und ist einer der größten Steuerzahler.
An diesem ersten Mai-Wochenende fand wieder seine alljährliche Hauptversammlung der Aktionäre statt. Allerdings ist das wohl ein gewaltiges Understatement, denn in der Tat hat sich diese Aktionärsversammlung, das „Woodstock“ für Kapitalisten, zu einem gewaltigen Spektakel für ganz Omaha entwickelt.
Berühmtheit als Veranstaltungsort erlangte die Stadt schon durch die Wild West Show von Buffalo Bill. Zu den berühmtesten Söhnen der Stadt zählen die Schauspieler Fred Astaire, Marlon Brando, Montgomery Clift und Nick Nolte sowie so bedeutende Figuren der Zeitgeschichte wie der 38. Präsident der USA Gerald Ford und die Leitfigur der Bürgerrechtsbewegung Malcolm X. Und eben auch Warren Buffett.
Die Stadt selbst verfügt nur über 424.988 Einwohner (Stand 2005) und sah sich jetzt einem Ansturm von Besuchern aus der ganzen Welt gegenüber, die allein zu eben diesem Spektakel gekommen sind. Im Jahre 2006 waren es noch 24.000 teilnehmende Aktionäre gewesen, 2008 war die Zahl schon auf 31.000 gestiegen und jetzt hat Oklahoma mit 37.000 Besuchern einen neuen Rekord zu verzeichnen. Zahlreiche, von der Stadt und findigen Unternehmern organisierte Sonderveranstaltungen sollen dann auch Aktionäre aus allen Teilen des Planeten anziehen. Und das trägt Früchte. Übrigens kommen immer mehr Aktionäre auch aus Asien, hauptsächlich China. Da viele Besucher schon seit Jahrzehnten die Jahreshauptversammlung zum Anlass für ein Wiedersehen und angeregte Gespräche unter Gleichgesinnten nehmen, gibt es denn auch ein freudiges Hallo, wenn man sich trifft, was dem Treffen schon beinahe einen familiären Touch verleiht.
Der Begriff Hauptversammlung oder Aktionärsversammlung könnte im Falle Berkshire Hathaway/Omaha beinahe irreführend sein, denn es handelt sich dabei auch um eine riesige Verkaufsmesse all der Firmen, die sich unter der Holdinggesellschaft einreihen, also 73 voll kontrollierte Gesellschaften mit über 217.000 Mitarbeitern (Stand 31. Dezember 2006).
Aber die Hauptattraktion für die Aktionäre sind natürlich das Orakel von Omaha Warren Buffett und sein Freund und Partner Charlie Munger und die Gelegenheit, diesen beiden Investorlegenden direkt all die Fragen stellen zu können, die ihnen am Herzen liegen. Ein wichtiger Punkt ist selbstredend das Befinden der Gesellschaft selbst.
Alljährlich werden Berkshire Aktien verkauft, um aus deren Erlös die Bill & Melinda Gates Foundation zu unterstützen. Diese Verkäufe belasten allerdings nicht den Aktienkurs von Berkshire, konnte Buffett die Aktionäre beruhigen, denn: "Rund 1,5% der Aktien werden zu diesem Zweck pro Jahr verkauft. Wenn man das mit dem Handelsvolumen der Aktien an der NYSE vergleicht, ist das eine kleine Zahl. Wenn diese Verkäufe zu einem Kursrückgang führen, dann würde auch etwas mit der Aktie nicht stimmen und sie wäre sowieso gefallen".
Für die größte Bedrohung der US-Wirtschaft hält Buffett eine große atomare oder biologische Katastrophe: „Auf Sicht von 50 Jahren sind die Chancen für einen solchen massiven Schlag sehr groß. Auf Sicht eines Jahres sehr klein.“ Und er ergänzt: „Dabei haben sich die USA in der Vergangenheit außerordentlich gut entwickelt. Und unser System ist schon beeindruckend, denn es ermöglicht auch vielen einfachen Leuten ein wirklich außergewöhnliches Leben zu führen. Und da haben wir das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.“
Keinerlei Unsicherheiten gibt es offensichtlich hinsichtlich einer möglichen Nachfolge: „Hier wird es in 24 Stunden einen Nachfolger geben, wenn mir etwas zustoßen sollte.Aber im Investment-Bereich ist dann keine Hektik angesagt, denn die Grundrichtung ist festgelegt und ich kann ja auch längere Zeit in den Urlaub fahren und Berkshire Hathaways Investments laufen planmäßig weiter."
Beim Investieren gibt er Anleihen den Vorzug gegenüber Aktien aufgrund ihrer unterschiedlichen Risikoprofile. Er erläutert das am Beispiel Harley Davidson. „Ich kann aktuell nicht sagen, was die Aktie wert ist. Aber ich bin ganz klar davon überzeugt, dass dieses Unternehmen nicht vom Markt verschwinden wird. Daher kann ich mit dem Unternehmen auf jeden Fall Geld verdienen, wenn ich in Anleihen von Harley investiere. Die Frage, ob ein Unternehmen pleite geht, ist nun einmal leichter zu beantworten als die Frage, wie sich der Kurs der Harley-Aktie entwickelt."
Wie rege Buffett mit seinen fast 80 Jahren immer noch ist, zeigt sich auch an seinen Reiseplänen. Für den kommenden März sei eine Reise nach Indien geplant, verkündet er, denn das Land „wächst tatsächlich stark und Berkshire Hathaway will dieses Land auf keinen Fall außen vor lassen." Munger ergänzt die Aussage mit dem Hinweis: "Ganz einfach gesagt: wir mögen bei Berkshire Hathaway nun mal keinen Stillstand!"
Und genau diese Einstellung ist es wohl auch, die einen Großteil des Erfolgs von Berkshire Hathaway ausmacht. Im Ersten Quartal 2010 hat das Unternehmen laut vorläufig veröffentlichter Zahlen einen Gewinn von 3,63 Milliarden Dollar erwirtschaftet. (Das Erste Quartal 2009 wies noch einen Verlust von 1,53 Milliarden Dollar aus.) Laut Buffet ist diese Steigerung auf die angezogene Konjunktur zurückzuführen.
Gutes Investieren!

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Buffett: Die Geschichte eines amerikanischen Kapitalisten
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