
Ich habe intensiv über die Frage von Inflation/Deflation nachgedacht und darüber, ob und wieweit sie in 2009 hineinreicht. Dies ganz besonders angesichts des Umstandes, dass mir Leser und Kollegen einen Artikel nach dem anderen zusenden, der auf eine Deflation hinweist. Ich habe sie alle gelesen, und die meisten sind mit Fehlern durchsetzt. Hier folgt, was Sie wissen müssen:
Die Problematik von Inflation/Deflation ist weit mehr als rein akademisch. Die Implikationen gehen über den Bereich der Theorie hinaus. Sie erweitern sich dahingehend, dass sie die Grundlage bilden für unsere Meinung über die Wirtschaft und die Finanzmärkte und letztendlich für unsere Investmentstrategie.
Mit Deflation meine ich im strengen Sinn des Begriffs eine Verringerung der Geldmenge. Die Argumentation, falls die Zentralbank die Geldmenge stark aufbläht [inflationiert], indem immer mehr Geld gedruckt wird, könne man keine Deflation haben, denn man hätte dann ja eben mehr Geld, bedeutet allerdings nicht, dass eine Deflation völlig unmöglich sei. Es bedeutet einfach, dass die Absicht der Zentralbank stärker ist als die Argumentation.
Das ist schon seit 1933 wahr. Hier sind die Tatsachen:
Roosevelts Große Reflation
sie hat funktioniert, die Deflation hörte auf

Fakt 1: 13 Jahre Waren-Bärenmarkt endeten in 1933
Fakt 2: Die 1930er Jahre waren eher inflationär als deflationär
Unsere Kritiker erzählen uns, dass wir über die Deflation besorgt sein sollten. Ich stimme nicht damit überein, denn die Zentralbank treibt die Inflation mit einer beispiellosen Geschwindigkeit voran. Ihre Transformation in den letzten Monaten ist nicht weniger bedeutend als jede andere bedeutende Veränderung beim Geldstandard - also in den Jahren 1913 und 1933 oder anlässlich des Anstiegs und Falls von Bretton Woods. In weniger als vier Monaten hat sie mehr Landeszentralbank-Kredit "geschaffen" als in ihrer gesamten 95-jährigen Geschichte vor dem August.
Nie hat die Fed versucht derart zu inflationieren. Tatsächlich, nie hat ihr Versuch zu inflationieren "nicht funktioniert", außer in den vier Jahren zwischen 1929 und 1933. Der Grund dafür ist einfach. Im Anschluss an den Crash von 1929 lief der Vertrauensverlust in der öffentlichkeit und bei Amerikas ausländischen Investoren auf einen Abfluss von Gold aus dem US-Banksystem hinaus.
Damals, d.h. bis 1933, war der Dollar einlösbar in Gold, und die Banken mit Mindestreserven hielten ihre Reserven in Gold. Deshalb konnte die Fed nicht inflationieren, selbst wenn sie gewollt hätte, denn sie konnte kein Gold drucken. Tatsache ist jedoch, dass die Federal Reserve nicht inflationieren wollte, was die Grundlage von Bernankes Kritik an der Fed der 1930er Jahre bildet, wie einige sich vielleicht erinnern, und die Grundlage der Kritik an seiner gegenwärtigen, recht entgegengesetzten Politik.
Der Druck, die Inflation herbeizuführen, verstärkte sich mit der Deflation Anfang der dreißiger Jahre, und wohl auf Anraten von Irving Fisher folgte Franklin D. Roosevelt Europa auf dem Weg, sich vom Goldstandard zu lösen (zunächst vorübergehend!). [Von 1933 an war der US-Dollar nur noch im kommerziellen zwischenstaatlichen Handel durch Gold gedeckt. Ab 9. März 1933 war der private Goldbesitz (mit wenigen Ausnahmen) über 100$ in Gold auf Veranlassung von Roosevelt verboten … Dieses 1933 erlassene private Goldbesitzverbot, was sich auch auf private Goldbarren bezog, wurde erst wieder 1976 aufgehoben.]Ohne den Geldstandard konnte die Fed die Banken mit Papierreserven füllen, und sie konnten alles, was sie wollten, zu Pyramiden aufbauen finanzen.coart.de/Pyramidenaufbau. Und das haben sie auch getan. In diesem Sinn hat die Inflation funktioniert. Folglich ist es ein Fehler, an die dreißiger Jahre als eine Periode der Deflation zu denken, während man an die siebziger Jahre als eine Periode der Stagflation [stehendes Wirtschaftswachstum in einer Umgebung gewagter Preise] denkt.
Diese beiden Perioden waren ähnlicher, als Sie vielleicht meinen.
Sobald die Fed 1933 die Goldwährung aufgegeben und den Dollar abgewertet hatte, wuchs die Geldmenge, wie die Fed es wünschte, und die Preise stiegen. Wie Sie in den obigen Charts sehen können, zeichnete sich in 1933 eine bedeutende Talsohle bei den Preisen ab - von den Waren bis zu den Konsumgütern.
In den folgenden vier oder fünf Jahren erholte sich die Inflation zur Genüge, um die Goldaktien in schwindelnde Höhen zu treiben und die Fed davon zu überzeugen, 1937 ihre Mindestreserveanforderungen zu verdoppeln! Das verursachte eine geringfügige Verringerung der Geldmenge, aber einen starken Rückgang bei den Aktienkursen. Die wichtige Beobachtung über diese Krise besteht jedoch darin, dass die Fed über die Inflation beunruhigt war. Falls es in den dreißiger Jahren so viel Deflation gab, warum sonst hätte sie die Situation erschwert, indem sie die Mindestreserveanforderungen sieben Jahre lang verdoppelte bis zur schlimmsten Depression, die die Welt je erlebt hatte?
Kaum ein gutes Beispiel existiert, wo die Federal Reserve vergeblich versucht hätte, die Inflation herbeizuführen.
In Wirklichkeit waren die 1930er Jahre tatsächlich relativ inflationistisch, zumindest solange die Fed die Inflation herbeiführen wollte.
Vor 1933 stand die Goldwährung einer zu starken Inflation im Weg, aber seither - d.h. seit dem Verbot des privaten Goldbesitz am 9. März 1933 durch FDR - kann nur der Wille der Zentralbank, Regierung und/oder der Demokratie die Zentralbank davon abhalten, die Inflation herbeizuführen.
Tatsache ist, in fast jedem Fall, wo es zu einer Deflation gekommen war, geschah das deshalb, weil das Land entweder erneut einen Goldstandard einsetzte oder weil es eine gesündere Geldpolitik annahm, die den vorherigen Boom untergrub. Mit anderen Worten, man hatte es mit voller Überlegung auf entweder eine Deflation oder einen Inflationsabbau (Desinflation) angelegt.
Und mehr noch, in diesen letzteren Fällen ist unweigerlich Wohlstand gefolgt. In der Tat, Deflationisten beziehen sich auf einen Großteil der Perioden in der Geschichte - wie die 1870er Jahre oder Anfang der 1920er Jahre - deshalb, weil sie durch Preistrends definiert werden, und versäumen es einzugestehen, dass diese Perioden zu den wohlhabendsten in der US-Geschichte gehörten. Aber die Hauptsache, auf die ich Ihre Aufmerksamkeit lenken möchte, ist, dass es funktioniert, wenn die Fed erneut die Inflation ankurbelt. Was nicht funktioniert, ist, dass es keinen Reichtum, Wachstum schafft, oder auch nur dieselben Booms wieder hervorbringt, die die Planer erwarten.
Wenn Sie sich einmal völlig loslösen können von dem Definieren einer Deflation im Hinblick auf Preistrend, Kredit oder eine Verringerung der Wirtschaftstätigkeit, ist es leicht zu verstehen, warum Preise steigen könnten, sogar wenn die Produktion zurückgeht, oder warum abnehmende Preise tatsächlich mit realem Wachstum und Wohlstand gekoppelt sind. Schlussendlich, verstehen Sie bitte, dass eine Verringerung beim Kredit vorkommen kann, ohne die Geldmenge einzuschrumpfen, und wenn wir von Inflation oder Deflation sprechen, befassen wir uns in erster Linie mit dem "Geld"-Schöpfungsprozess. Kredit ist etwas anderes als Geld.
Kredit beinhaltet einen Tausch von zukünftigen Waren gegen gegenwärtige Waren und bringt Zinsen ein, weil es ein Aktivposten ist. Es beinhaltet eine Übertragung beim Zahlungsmittel. Geld ist nur ein Austauschmedium.
Es wird durch das Bewilligen von Krediten nur geschaffen, wenn das auf eine neue Einlage hinausläuft, die mehr oder weniger auf Verlangen in Geld einlösbar ist. Nur bestimmte Arten von Institutionen, wie Bank-Holdingsgesellschaften, können Depots nehmen und schaffen. GMAC konnte bis jetzt nie Geld schaffen. Die Fed verlieh ihr gerade den Status als Bankholdingsgesellschaft. Dies ist die Art Dinge, die Sie als Inflationstatsachen anerkennen müssen.
Aber eine Verringerung beim Kredit begründet nicht notwendigerweise eine Deflation.
Ich könnte ein Buch darüber schreiben, was falsch ist mit der Deflationsvorhersage heute, im Licht der Ereignisse, aber die meisten solcher Aufrufe machen zumindest zwei offensichtliche Fehler, wenn es um die dreißiger Jahren geht. Erstens gehen sie davon aus, dass dieser Zustand der Deflation im Laufe des Jahrzehnts bestanden hat trotz der Anstrengungen der Fed, die Inflation anzukurbeln. Zweitens vergessen sie, dass die hauptsächliche Beschränkung, der sich die Fed während der Periode der realen Deflation (1929-33) ausgesetzt sah, das Gold war.
Seit jenem schicksalhaften Jahr, als Roosevelt die Goldwährung aufgab (1933), hat sich die Federal Reserve nicht sorgen müssen darüber, dass ihr die Deflation aufgedrängt würde. Sie nahm jene Mittel vom Markt weg.
Das Wachstum stagnierte in den dreißiger Jahren, aber die Inflation tat es nicht.
Es gibt kaum einen Präzedenzfall - weder historisch noch theoretisch -, der nahelegen würde, dass eine Deflation, wenn die Fed Bankreserven injiziert, dennoch ein inflationäres Ergebnis überflügeln würde. Die Idee sollte mit Fisher gestorben sein.
Abnehmende Preise sind häufiger mit Perioden relativen Wohlstands in Verbindung gebracht worden, wie es gegen Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang der 1920er Jahre und sogar in den neunziger Jahren der Fall war, wenn wir uns nur an die Warenpreise halten. Den Großteil der Zeit haben abnehmende Preise nichts mit der Deflation zu tun; sie kommen während eines Inflationszyklus vor. Es gibt viele wirtschaftliche Erklärungen dafür. Aber wenn sich Leute diese Zeit vor fünfzig Jahren erneut anschauen, werden sie keine Deflation sehen.
Sie werden sehen, dass die Zentralbank Geld aus dem Fenster geworfen hat, und dass diese Handlung zur großen Reflation oder sogar Hyperinflation geführt hat. Und sie werden sich fragen, warum die Welt es nicht hat kommen sehen.
Diese Leute werden überrascht sein zu hören, dass einige Menschen immer noch eine Deflation fürchteten - und das während eines Jahres, in dem die Zentralbank mehr Geld (Bankreserven) "geschaffen" hatte, als sie es in den ersten 95 Jahren ihrer Existenz geschaffen hatte, und in dem sie die Zinssätze auf Null gedrückt hatte. Vielleicht werden sie sogar einen Namen für das Phänomen haben … vielleicht Das Fisher-Syndrom!
Im Nachhinein werden sie es auch als die beste Gelegenheit seit 2001 sehen, Geld gegen Dinge einzutauschen.
Der Preis der meisten Waren ist tiefer und schneller gefallen als JE ZUVOR, sogar stärker als während der frühen dreißiger Jahre, als die Geldmenge um ein enormes Drittel in mehr als drei ganzen Jahren kontrahiert ist. Der Preis von Kupfer und der CRB fielen zwei Drittel in jenen drei Jahren, während der ölpreis 50 Prozent fiel.
Sicher war es das Schwanzende eines 13-jährigen Baissemarkts (in Waren), folglich gab es nicht soviel Fremdkapitalaufnahme, wie es in den letzten Jahren der Fall war, als Waren der Brennpunkt des Inflationsbooms wurden.
Aber es war inmitten einer Deflation im realen Sinn - eine Geldverringerung. ...
Heute sind viele Warenpreise um mindestens ebenso viel in gerade einmal sechs Monaten (aber nicht mehr als 3-4 Jahren) gefallen, und es gibt weder irgendwelche Anzeichen oder die Wahrscheinlichkeit einer Deflation. Der Schaum ist ganz raus. Und doch sind die Aktionen, die heute von der Fed unternommen werden, einmalig im Hinblick auf die Art der Inflation, die sie wahrscheinlich erzeugen werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung der späten siebziger oder Mitte der dreißiger Jahre Umgebung ist wahrscheinlich. Die Aktien- und Warenpreise werden steigen, obwohl die Aktienpreise die geforderte Leistung nicht bringen werden. Der schlechteste Platz wird festes Einkommen sein.
Der beste Platz: Gold! Nur wenigen Anlagen ist es so gut ergangen wie den Goldbeständen in den dreißiger oder siebziger Jahren. Aber lassen Sie sich von Niemandem erzählen, dass die Goldaktien in den dreißiger Jahren wegen der Deflation gestiegen seien. Und lassen Sie sich von Niemandem erzählen, dass es jemals eine Episode gab, wo die Fed versuchte, die Inflation herbeizuführen, und es nicht funktioniert hätte. Was dies gewöhnlich bedeutet, ist, dass es kein Wachstum erzeugt hat. Aber andererseits, das tut es ja nie.
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