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Aktien - eine Frage der Einstellung

Von: M. Rapp - 20.08.2009
Börse Wallstreet - Thorben Wengert / pixelio.de

Börse Wallstreet - Thorben Wengert / pixelio.de


In bezug auf das Marktgeschehen gibt es äußerst unterschiedliche Sichtweisen.



Der Preis ist alles

Sie könnten sich Konjunkturzyklen beispielsweise einfach anhand ihres äußerlich sichtbaren Erscheinungsbildes anschauen, den Preisbewegungen. Dieses Erscheinungsbild ist statistisch leicht zu erfassen und mathematisch genau.

So betrachtet ist alles außer den Preisdaten einfach Lärm, den man besser nicht beachtet. Mit dem Streben nach absoluter Eindeutigkeit sind deshalb jegliche Ideen, Erklärungen und Vorhersagen, die Spielraum lassen für Spekulation, abzulehnen. Die einzige Gewissheit ist der Preis.

Diese Sichtweise wird vertreten von der Effizienten Markthypothese, derzufolge der Preis sämtliche Informationen, Theorien und Wahnvorstellungen aller Spieler in der Welt beinhaltet. Durch diese Argumentation ist die Preisinformation 'vollkommen'. Keiner kann mehr darüber wissen, zu welchem Gegenwert sich eine Aktie verkaufen lassen sollte.

Viele Analysten halten das Muster der Preisbewegungen für das Nonplusultra und erhoffen sich von ihrer Interpretation Hinweise darauf, was der Markt als nächstes tun wird.

Das Große Bild

Eine ganz andere Sichtweise ist es, sich das Große Bild anzuschauen mit dem Wechselspiel der Märkte untereinander und dem Rest der Welt. Das Bestreben ist zu ergründen, was die unterschiedlichen Bewegungen in Gang setzt und vorantreibt und wie die künftige Entwicklung aussehen wird.

Preisbewegungen haben durchaus eine Aussagekraft, allerdings nur in ihrer extremen Form und um, kombiniert mit der eigenen Erfahrung und einem intuitiven Gespür für konjunkturelle Entwicklungen, zu einer Aussage für die Zukunft zu gelangen.

So lässt ein raketenartiger Anstieg der Preise auf einen ebenso plötzlichen Rückgang schließen. Preisanstiege über einen langen Zeitraum lassen auf Preisrückgänge in einem entsprechend langen Zeitraum schließen.

So wie Preise nach langen Anstiegsphasen häufig außergewöhnlich hoch sind, sind Preise am Ende langer rückläufiger Phasen häufig außergewöhnlich niedrig. Außergewöhnliche Dinge haben die Tendenz, nicht sehr lange außergewöhnlich zu bleiben. Außergewöhnlich hohe Preise werden auf ein außergewöhnlich niedriges Niveau fallen, wie auch umgekehrt außergewöhnlich niedrige Preise auf ein außergewöhnlich hohes Niveau steigen werden.

Damit erschöpft sich auch schon das Interesse an den Preisbewegungen. Denn was wirklich interessiert, nämlich das Warum hinter den Dingen, verraten sie nicht.

Diese Wahrheiten aufzuspüren ist natürlich nicht immer möglich. Wenn sie sich aber klar identifizieren lassen, so dass wir am Ende eine plausible Erklärung haben, erleichtert das nicht nur ungemein, sondern kann auch neuen Perspektiven für die Zukunft die Tür öffnen.

Eine - mögliche - Erklärung

Eine mögliche Erklärung für das derzeitige Geschehen an der Börse liefert uns dieser Hinweis auf die Aufmerksamkeitsspanne und Geduld der meisten Investoren:


Durchschnittliche Dauer für das Halten einer Aktie an der New Yorker Börse
(in Jahren)

Quelle: SG Global Strategy Research


Dieser Graph zeigt, dass die durchschnittliche Dauer für das Halten einer Aktie an der New Yorker Börse, die 1940 noch bei zehn Jahren lag, inzwischen geschrumpft ist auf weniger als ein Jahr!

Demzufolge hält ein 'Investor' eine NYSE Aktie durchschnittlich nur für ein paar Monate - kaum die Zeit, um sich wirklich vertraut zu machen mit dem Unternehmen, an dem man mit seiner Aktie per Definition ja immerhin Anteile gekauft hat. Ein Großteil der Investoren scheint sich nicht einmal im Klaren darüber zu sein, dass sie als Aktionär ein Anteilseigner und damit Miteigentümer einer Gesellschaft sind.

Diese niedrigen Bereiche auf der obigen Skala von unter einem Jahr waren zuletzt zu beobachten in der zweiten Hälfte der Roaring Twenties, den Goldenen Zwanzigern. Wen verwundert es da noch, dass sie im Oktober 1929 schließlich in der Weltwirtschaftskrise mündeten?!

Wer hat nicht schon erlebt, dass sich die Eigentümer einer Sache, beispielsweise Immobilien oder Autos, besser darum kümmern als die vorübergehenden Nutzer, wie eben Mieter oder Leute, an die man seinen Wagen verleiht. Das mag durchaus legitime Gründe haben, nur ist es auch vor allem eine Sache der Einstellung. Und auf die Einstellung kommt es an!

Gutes Investieren!




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Eine weitere Empfehlung:

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