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Wenn Buffett wieder jung wäre, was würde er kaufen?

Von: M. Rapp - 17.08.2010


"Die beste Art und Weise,
Risiko zu minimieren,
ist nachzudenken
."
Warren Buffett


Das ist wahrscheinlich der Traum einer ganzen Reihe angehender Value-Investoren: So investieren zu können wie die lebende Legende Warren Buffett.

Sein profundes Wissen in Verbindung mit seiner langjährigen Erfahrung und Weitsicht haben ihm und seinem Unternehmen Berkshire Hathaway im Laufe der letzten 50 Jahre ein Vermögen eingebracht. Dabei hat er sich – getreu seinem Lehrmeister Benjamin Graham - das Value-Investing auf die Fahne geschrieben, eine Investmentstrategie, bei der der Investor nach starken Gesellschaften Ausschau hält, deren Anteile zu herabgesetzten Preisen zu erhalten sind. Buffetts Spitzenreiter bei seinen Holdings sind Coca-Cola, Wells Fargo, American Express, Proctor & Gamble und Kraft.

Die Spitzenposition in Buffetts Portfolio nehmen die sogenannten Large Cap Aktien ein. Diese Blue Chips verfügen über einen ausgezeichneten freien Cashflow und feste Dividenden.

Diese Vorliebe für Large Caps gründet sich jedoch nicht allein auf investmentstrategische Erwägungen, sondern auch ganz pragmatische Überlegungen spielen dabei eine Rolle. Bedenken Sie, dass ein Portfolio mit einem Wert von 48 Milliarden US-$ auch verwaltet werden muss. Wenn Sie 48 Milliarden US-$ in Small Caps anlegen wollten, kämen Sie im Nu auf ein Kontingent von Millionen von Anteilen, wenn Sie dieses Kapital effektiv eingesetzt wissen wollen. Der administrative Aufwand für deren Verwaltung wäre so ungeheuer, dass ein Großteil des Vermögens allein schon für diesen gigantischen Verwaltungsapparat draufginge.

Daran können Sie sehen, dass das Volumen Ihres Investments einen entscheidenden Einfluss auf die Auswahl der Aktien ausübt.

Der junge Buffett brauchte sich über solche administrativen Probleme allerdings noch nicht den Kopf zu zerbrechen. Er könnte sich ganz seiner ganz eigenen Vorliebe widmen: den kleinen bis mittelgroßen Gesellschaften.

So setzte er sich beispielsweise Anfang der 1960-er Jahre in seiner ersten Investmentpartnerschaft dafür ein, 35% des Partnerschaftkapitals in Sanborn Maps anzulegen. (Dieses 1867 gegründete Unternehmen hatte  sich darauf spezialisiert, Stadtpläne speziell für Feuerversicherer zu erstellen, damit diese anhand der Pläne den Risikograd der von ihnen versicherten Immobilien einschätzen konnten. Diese Pläne dienen allerdings inzwischen vorwiegend der historischen Forschung.)

Ähnlich stark hat Buffett sich 1972 bei See’s Candy engagiert, einem Pralinen-Hersteller, der es geschafft hat, sich als eines von drei Unternehmen auf dem Markt zu behaupten und dabei – nach Buffetts Schätzung – die Hälfte der Gewinne dieser Branche zu erzielen. 1972 lag sein Umsatz noch bei 30 Mio US-$, 2007 war er auf 383 Mio US-$ angewachsen.

Buffetts Schwerpunkte als junger Investor sahen wie folgt aus:


1. Fokussieren Sie Ihr Investmentkapital in Ihrer besten Idee

Bei der Zuteilung Ihres Portfolios ist es kaum ratsam, dass Sie 100% Ihres Kapitals in einer einzigen Investition anlegen. Eine gewisse Risikostreuung ist durchaus angesagt. Jedoch sollten 20 bis 30% Ihres Investmentkapitals in Ihre besten Ideen fließen.

Übermäßige Diversifikation aus Angst vor Verlusten läuft nur darauf hinaus, dass Sie auch in Ihre schlechtesten Ideen das Geld hineinstecken, das Sie besser in Ihre besten Ideen investiert hätten. Sicherlich können Sie sich auch ein ganzes Bündel von Aktien zulegen, nur sollten Sie dennoch Schwerpunkte setzen.

"Ich würde nie etwas kaufen, wenn ich nicht 10% meines gesamten Vermögens dafür aufwenden wollte. Wenn ich nicht so viel darauf setzen will, dann ist es vermutlich keine besonders gute Idee."

"Konzentrieren Sie Ihre Investments. Wenn Sie über einen Harem mit vierzig Frauen verfügen, lernen Sie keine richtig kennen."


2. Investieren Sie in Aktien, die ihr Wachstumspotenzial noch vor sich haben

Sie können schwerlich davon ausgehen, dass Sie gleich zu Beginn Ihrer Investmentkarriere bei den Gesellschaften auf die Liebe Ihres Lebens stoßen. Und solange Sie nicht über nahezu unbegrenzte Mittel verfügen, kann es deshalb erforderlich sein, dass Sie gelegentlich Ihr Kapital werden umstrukturieren müssen. Geld, das in Positionen festliegt mit nur 20% Oberseite-Potenzial muss gegebenenfalls freigemacht werden für Positionen mit 50% Oberseite-Potenzial.

Im Klartext bedeutet das, Sie müssen bereit sein, eine gute Gelegenheit für eine noch bessere Gelegenheit aufzugeben.

Wenn Sie Gesellschaften kaufen, deren Oberseite-Potenzial bereits erschöpft ist, die also kaum Steigerungsmöglichkeiten haben, wird das Spiel schwierig werden, denn große Unternehmen mit einer Marktkappe von 200 bis 300 Milliarden $ werden sich nicht so steigern lassen wie Unternehmen mit einer Marktkappe von nur 1 Milliarden $.

"Ihr Ziel als Investor sollte es ganz einfach sein, zu einem vernünftigen Preis einen Teil eines einfach zu verstehenden Unternehmens zu kaufen, dessen Gewinne in 15 oder 20 Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beträchtlich höher sein werden. Über die Zeit werden Sie nur wenige Unternehmen finden, die diesen Anforderungen genügen - und deshalb sollten Sie, wenn Sie ein Unternehmen finden, das ihnen genügt, eine ansehnliche Menge Aktien kaufen."


3. Investieren Sie in Gesellschaften, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen

Die meisten Menschen beginnen sich für Aktien zu interessieren, wenn jedermann sonst an ihnen interessiert ist. Die Zeit, interessiert zu werden, ist dann, wenn niemand sonst interessiert ist. Sie können nicht etwas kaufen, was populär ist, und es geht Ihnen gut.”

Es versteht sich von selbst, dass Gesellschaften, für die sich niemand sonst interessiert, günstiger zu haben sind als Gesellschaften, nach denen sich jedermann die Finger lechzt. Und da es der Kaufpreis ist, der die Rendite bestimmt, ergibt sich zwangsläufig, dass Sie als Investor Ihre besten Chancen haben werden, wenn Sie in Gesellschaften investieren, die nicht das allgemeine Interesse auf sich ziehen und von Institutionen und den Medien beworben werden.


Fazit

Sicherlich, es gibt noch eine Unmenge mehr Faktoren zu beachten, wenn man investiert. Und auch der erfahrenste Investor wird nicht darum herumkommen, seine Hausaufgaben zu machen und sich mit nüchternen Dingen wie umfangreiches Zahlenwerk und Bilanzen auseinanderzusetzen.

Darüber hinaus hat es Buffett aber wie kaum ein anderer verstanden, über diese rein mechanischen Dinge hinaus zu schauen auf das, was wirklich wesentlich ist – viel wichtiger noch als bloße Zahlen.

"Bleib bei den Sachen, die du magst und schau dich um, bis du das gefunden hast, was du wirklich liebst. Rose Blumkin, die Gründerin vom Nebraska Furniture Markt hat ihr Geschäft wirklich geliebt und es zum größten Möbelhaus der USA gemacht. Wenn man bedenkt, was ein Mensch bewegen kann, ist das schon erstaunlich."


Diese Anregungen erweisen sich hoffentlich als hilfreich für Sie bei der Ausarbeitung Ihrer eigenen Investmentstrategie und der effizienten Gestaltung Ihres Portfolios.

Gutes Investieren!


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