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Wenn Aktien, dann nur diese!

Von: M. Rapp - 14.01.2010

Sie sind jetzt soweit, dass Sie Ihre ersten Schritte an der Börse wagen wollen? Glückwunsch. Sie haben ein Abenteuer vor sich. Über Langeweile werden Sie kaum zu klagen haben.

Hier nun mein guter Rat: Kaufen Sie nur kleine Gesellschaften!

Der Dreh- und Angelpunkt, anhand dessen Wall Street Analysten die Größe einer Gesellschaft beurteilen, ist ihre Marktkapitalisierung. Wollen Sie also den Gesamtwert einer Gesellschaft erfahren, orientieren Sie sich an ihrer sogenannten "Market Cap" oder neudeutsch "Marktkappe". Sie verrät Ihnen nämlich, wieviel es Sie kosten würde, sollten Sie sich dazu entschließen, das gesamte Unternehmen in seinem gegenwärtigen Zustand zu kaufen. Sämtliche ausgegebenen Gesellschaftsanteile werden hier in Dollar angegeben.

Die Größenordnungen

Diese Marktkapitalisierungen werden in unterschiedlichen Größenordnungen erfasst, die allerdings nicht standardisiert sind, so dass es hier von Makler zu Makler Abweichungen geben kann:

  • Mega Cap: Market Cap von 200 Milliarden $ und größer
  • Big/Large Cap: 10 Milliarden $ bis 200 Milliarden $
  • Mid Cap: 2 Milliarden $ bis 10 Milliarden $
  • Small Cap: 300 Millionen $ bis 2 Milliarden $
  • Micro Cap: 50 Millionen $ bis 300 Millionen $
  • Nano Cap: Unter 50 Millionen $

Die Small, Micro und Nano Caps werden Kleinaktien oder auch "Penny-Aktien" genannt, weil sie in der Vergangenheit häufig für weniger als einen Dollar je Aktie gehandelt wurden. An diesen Tagen werden tatsächlich sehr wenige Aktien für Pennies gehandelt, der Name hat sich jedoch gehalten.

Gewinnpotential der Kleinaktien

Wenn Sie es ernst meinen damit, sich ein Vermögen an der Börse zu verdienen, sollten Sie sich an diese Penny-Aktien halten.

Als kleiner Privatanleger sind Sie hier eindeutig im Vorteil, weil die Wall Street und das große Kapital in diesem Größenordnungsbereich nicht investieren können bzw. wollen. Es handelt sich dabei um ein Liquiditätsproblem, denn diese kleinen Gesellschaften sind selten liquide. Folglich können Mikroinvestitionen großen Investoren auch keine nennenswerten Gewinngelegenheiten bieten. Darüber hinaus gibt es auch ein praktisches Problem. Mikroaktien werden dünn gehandelt. Große Positionen lassen sich unmöglich einkaufen, ohne dadurch gleichzeitig den Preis in die Höhe zu treiben, was natürlich kontraproduktiv wäre und nicht im Sinne des Investors.

Aus diesem Grund tut sich das "Big Money" im Allgemeinen schwer mit den Small Cap Aktien. Und aufgrund des mangelnden Interesses seitens der Vermögensverwalter machen sich die Investmentbanken auch nicht die Mühe, diese Gesellschaften zu recherchieren..., und in den Medien fallen Sie mehr oder weniger unter den Tisch.

Anders die Aktien der großen Gesellschaften. Sie können sicher sein, die Aufmerksamkeit von Dutzenden von Analysten und Tradern auf sich zu ziehen. Der Markt für große Aktien ist effizient, was einfach bedeutet, dass die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Umstände, die das Marktgeschehen beeinflussen, bereits in den Preisen berücksichtigt sind. Es gibt folglich selten Preisanomalien oder Schnäppchen. Aber der Kleinaktien-Markt ist voll von Preisanomalien, Unterbewertung und Ineffizienz. In diesen Aktienpreisen sind also noch nicht sämtliche verfügbaren Informationen berücksichtigt. Damit ist dieser Markt zwar auch hochspekulativ, aber dafür können Sie unter den Small Caps auch wahre Werte finden.

Wenn Sie Ihre Hausaufgaben gemacht und gut recherchiert und dann die richtige Wahl getroffen haben, liegt hier auch Ihre große Chance. Denn wenn Sie eine Aktie in einer riesigen Gesellschaft wie McDonald's oder Coca-Cola kaufen, können Sie kaum erwarten, Ihr Geld in ein paar Jahren zu vervierfachen. Diese Gesellschaften sind so groß, es ist schlichtweg unmöglich, dass sie derart schnell wachsen können, um dann Gewinnspannen von 200%, 300% oder 500% zu erzeugen.

Small Cap Aktien haben aber durchaus das Potential, die ganze Zeit über Gewinne (allerdings auch Verluste) in dieser Größenordnung zu erzeugen. Der Markt hatte schon Dutzende von Aktien aufzuweisen, die allein in den vergangenen neun Monaten mehr als 1.000% gestiegen sind.

Kleinaktien - die Senkrechtstarter nach einer Rezession

Ein ganz entscheidendes Argument für die Small Caps gründet sich auf den Umstand, dass wir gerade dabei sind, uns aus einer Rezession herauszuarbeiten. Am Ende eines jeden bedeutenden Marktabschwungs steigen Small Caps höher und schneller als jede andere Investition in der Welt auf dem Weg zurück nach oben ...

In seinem Buch What Works on Wall Street vergleicht der Autor James O'Shaughnessy die Performance der Small Cap Aktien mit dem S&P 500. Der Baissemarkt 1973-74 lieferte ein klassisches Beispiel für diese Regel: Die Small Cap Aktien waren sechs Jahre später um 447% gestiegen, der S&P 500 konnte hingegen nur mit 264% Gewinnspanne aufwarten.

In 2003 erlebten wir die Erholung der Märkte vom Baissemarkt von 2001. Die kleinen Aktien konnten mit einer Gewinnspanne von fast zwei zu eins punkten. Dieselbe Geschichte wiederholte sich 2009.

Bedenken Sie Ihre Zielsetzung

Sollten Sie bereits das Pensionsalter erreicht haben und Ihre Investitionsabsichten darauf beschränken wollen, Ihr Kapital zu bewahren und Einkommen zu machen, ohne allzu große Risiken einzugehen, dann sind Small Cap Aktien nicht zu empfehlen. Sie sind zu spekulativ und volatil.

Anders verhält es sich bei jüngeren, aggressiveren Investoren, die höhere Risiken einzugehen bereit sind, weil sie auch die möglichen Verluste eher wegstecken und auffangen können, mit denen sie bei Small Cap Aktien rechnen müssen.

Allerdings sollte auch diese höhere Risikobereitschaft nicht in Leichtsinn ausufern. Deshalb ist es in jedem Fall ratsam, einerseits Gesellschaften aufzupicken, die steigende Aktienpreise haben, und andererseits immer einen Trailing Stop Loss zu verwenden und Gesellschaften in langweiligen Industrien zu bevorzugen, die viel Bargeld erzeugen.

Gutes Investieren!

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