Es gibt im Börsengeschehen eine Falle, die für Sie als Investor möglicherweise ruinös wird oder die Ihnen zumindest einen Großteil der Gewinn vorenthalten kann, die Sie bei anderer Vorgehensweise hätten machen können. Bei einigen Investoren hat sich nämlich die Idee festgesetzt, sie müssten nur Ausschau halten nach Aktien, deren Kurse die Talsohle erreicht hat. Denn wenn diese erst einmal am tiefsten Punkt angekommen sind, kann es von da an nur noch aufwärts gehen – meinen diese naiven Anleger. Der Tiefstpunkt einer Aktie ist für sie quasi ein Garant für künftige Gewinne.
Basierend auf diesem Konzept widmen sie sich dann ganz dem sogenannten Bottom Fishing:
„Die Analogie Bottom Fishing ist angelehnt an den Begriff „Grundfischen“ aus der Angler-Terminologie. Bei dieser speziellen Art des Sportfischens wird der Köder mittels eines Gewichts am Gewässergrund gehalten, um die sogenannten Grundfische (z. B. Aale, Zander, Karpfen), die den Boden nach Nahrung absuchen, an die Angel zu bekommen.
Ein Investor, der sich auf das Bottom Fishing spezialisiert, sucht nach Value Aktien, die sich an ihrem Tiefpunkt befinden. Ihm geht es also vorrangig darum, Aktien so günstig wie möglich einzukaufen…“
Auf den ersten Blick scheint dieses Konzept einsichtig und verlockend. Nur hat es leider einen Haken: In der Mehrheit der Fälle funktioniert es nicht!
Den schlüssigen Beweis dazu liefert James O‘Shaughnessy in seinem ausgezeichneten Buch What Works on Wall Street. In seinem Buch, das leider noch nicht auf Deutsch erschienen ist, hat O‘Shaughnessy die unterschiedlichsten Strategien, um an der Börse Geld zu verdienen, auf Herz und Nieren geprüft. Bei seinen Untersuchungen hat er sein Zeitfenster auf über 80 Jahre ausgeweitet, so dass ein guter historischer Überblick gewährleistet ist.
Und bei diesen Tests ist Bottom Fishing definitiv durchgefallen. Laut O‘Shaughnessy zählt es gar zu den schlechtesten Strategien überhaupt:
„Sofern Sie nicht auf den FINANZIELLEN RUIN abzielen, meiden Sie die größten Verlierer.“
Bei seinen Untersuchungen ist O‘Shaughnessy wie folgt vorgegangen:
Alle Aktien wurden erfasst, und zwar basierend auf ihrer Performance in den zurückliegenden sechs Monaten. Dann hat er Aktien entsprechend ihrer Performance in zehn Gruppen eingeteilt, wobei jede Gruppe jeweils 10% Performance repräsentiert:
Gruppe Eins enthielt somit die 10% aller Aktien, die von allen die beste Performance geboten hatten, Gruppe Zwei dann die 10% Aktien mit etwas schlechterer Performance bis schließlich hin zu Gruppe Zehn mit den 10% Aktien mit der schlechtesten Performance von allen.
Diese Aufteilung ließ ihn schließlich zu folgendem Ergebnis kommen:
Zeitfenster 1927 bis 2009,
wobei alle sechs Monate neue Rankings verwendet wurden
Wir haben hier also die Option zwischen knapp 6 Millionen gegenüber knapp 300.000 $. Die Eindeutigkeit eines solchen Ergebnisses lässt wohl keine Zweifel offen. Gruppe Eins mit den Spitzenperformern ist somit eindeutig die Siegergruppe, während Gruppe Zehn mit den Bottom Fishern (die 10% schlechtester Performance) Ihnen gerade einmal rund 0,05% eingebracht hätte.
Die Strategie der Bottom Fisher beruht vermutlich auf einem Miskonzept der Contrarian Strategie, bei der versucht wird, antizyklisch zu handeln. Das heißt der Anleger kauft, wenn die Mehrzahl der Marktteilnehmer pessimistisch ist, und er verkauft, sobald die Euphorie auf dem Markt ihren Höhepunkt erreicht hat. All dies gestützt auf die Vorstellung, die Kurswende sei nahe, wenn alle dasselbe tun.
Es spricht auch nichts dagegen, nur sollten Sie schon einen Aufwärtstrend abwarten. Denn erst, wenn ein solcher Aufwärtstrend sich abzeichnet, wissen Sie, dass Sie nicht auf einem dauernden Verlierer sitzenbleiben werden.
O’Shaughnessy hat bei seinen Studien folgendes interessantes Muster beobachten können:
„Im Laufe sechsmonatiger und 12-monatiger Perioden werden Sieger in der Regel weiterhin gewinnen, und Verlierer werden im Allgemeinen weiterhin verlieren.“
Aufgrund seiner Studie steht deshalb für ihn fest, dass das zu kaufen, was bereits gestiegen war, letztlich unglaublich erfolgreich war. Und am Ende ist es immer das Ergebnis, das zählt.
Wenn Sie sich eine Aktie heraussuchen, schauen Sie sich also an, ob sie im Laufe der letzten sechs Monate hoch war. Nur dann haben Sie einigermaßen Gewissheit, dass sie dies wieder schaffen wird.
Gutes Investieren!

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